East West 101: Review zum Start der zweiten Staffel (2×01)

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Es scheint so, als würde „East West 101“ unter Ausschluss der Öffentlichkeit laufen. Keiner redet darüber, und trotz Erfolg und Anerkennung schafft es nicht einmal das australische Feuilleton, das Format zu würdigen. Das jedoch sollte man: denn „East West 101“ ist der beste australische Krimi, den ich bisher gesehen habe. Mit den Top-US-Krimis kann er allemal mithalten.

Und mehr: Im Vergleich zu den meisten US-Produkten auf diesem Feld (und hier hat „East West 101“ gewisse Ähnlichkeiten mit der kanadischen Serie „The Border“) wirkt die Auseinandersetzung mit kulturellen Differenzen nicht aufgesetzt. Sie wird nicht nach außen getragen nach dem Prinzip: Seht ihr, wir kümmern uns um die Minderheiten, und unser Figurenensemble ist politisch korrekt besetzt. Bei „East West 101“ hat man nicht den Eindruck, dass eine politische Botschaft übermittelt werden soll, sondern es wird eher der umgekehrte Prozess dargestellt: Welchen Einfluss auf Menschlichkeit haben Vorurteile, Religion und politische Zustände in einer multikulturellen Gesellschaft?

In dem australischen Krimi ist alles drin (ähnlich wie bei „The Border“): Waffenhandel, Menschenhandel, Terrorattacken usw. Aber mittendrin setzt die Serie vor allem auf die Geschichten der Figuren – und aus diesem Grund verliert sich der Fall der Woche zuweilen in diesem dichten Geflecht an Emotionen und Familiendramen.

Während Malik (Don Hany) in der ersten Staffel seinen Ruhepunkt bei seiner Familie finden konnte, wird ihm dieser jetzt weggenommen. Denn durch seinen Undercover-Auftrag bleibt die Familie ziemlich im Hintergrund. Das verdeutlicht auch die Farbpalette der Serie: Während die Szenen, in welchen Malik zu Hause bei seiner Frau und bei seinen Kindern war, in warme Farben getaucht waren – in Kontrast zum kalten Grau und Blau der Außenaufnahmen und bei der Mordkommission -, ist jetzt die komplette Palette „bleich“, keine Farbe, bis auf Rot, ist gesättigt, keine sticht hervor. Das Verlieren jeden Halts im privaten Leben und die Ruhelosigkeit bei Maliks Aufklärungsarbeit an der Autoexplosion, bei der ein Undercover-Agent starb, können wir Zuschauer buchstäblich spüren.

Während seiner Untersuchung kommt Malik Sophia nahe, der Witwe des Verstorbenen, was seiner Frau nicht gefällt und dazu führt, dass sie mit den Kindern auszieht: eine Entwicklung, die in der ersten Staffel niemand vermutet hätte. Sogar ein Leben, das auf Nächstenliebe und Familienwerte gründet, kann also ausufern und in eine Richtung gelenkt werden, die man selbst nicht will.

Aber nicht nur Maliks Geschichte steht hier im Vordergrund, sondern vor allem die seiner Vorgesetzten Patricia Wright (Susie Porter), deren dysfunktionale Familie auseinander fällt. Man könnte sagen: Zwei absolut entgegen gesetzte Familien enden im gleichen Schicksal. Die Trauer (über das Schicksal des eigenen Bruders, der von Mafiosi niedergeschossen wird) und die traumatischen Erinnerungen an den Tod ihrer Mutter vergräbt Patricia in den Armen von Agent Richard Skerritt (Gerald Lepkowski), der den Major Crime Squad unterstützt und zur NSO (National Security Organisation) gehört. Ein Wolf im Schafspelz: das wäre eine sehr gelungene Beschreibung von Skerritt, der hinter der ganzen Verschwörung zu stecken scheint und auch in den Cliffhanger involviert ist, mit dem die Staffel endet.

Trotz unglaublichem Erzähltempo arbeitet „East West 101“ mit vielen bedächtigen „Slow Motion-Momenten“, die als Reflexionen über das Geschehen und das Schicksal des Einzelnen darin fungieren.

Alles in Allem ist die Serie absolut sehenswert, sehr schön inszeniert und spannend erzählt…

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