Eleventh Hour: Review zur Pilotenepisode (1×01)

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Wie wir alle wissen, gehört „Eleventh Hour“ zu den zahlreich gewordenen Bruckheimer-Produktionen im Fernsehen. Es handelt sich dabei um ein Remake der gleichnamigen britischen Mini-Serie von 2006, mit Patrick Stewart („Star Trek“) in der Hauptrolle.

Im Prinzip standen für CBS die Zeichen noch vor ihrer Ausstrahlung auf Erfolg.

Auf der Plusseite standen drei Punkte: Inhaltlich verortet die Serie mitten im neuesten Trend der naturwissenschaftlichen Serien, zusammen mit anderen wie Fringe und ReGenesis. Zweitens zeichnet für die Produktion, bis auf die Autoren, fast die komplette „CSI: Crime Scene Investigation“-Crew samt Bruckheimer, Regisseur Danny Cannon und Produzent Jonathan Littman verantwortlich. Und nicht an letzter Stelle steht der günstige Sendeplatz, gleich nach dem Flaggschiff von CBS: CSI.

Auf der Minusseite stand einzig und allein das Remake-Problem, dass Zuschauer, die das Original kennen, eventuell keinen Gefallen an der US-Variante finden würden. So große Sorgen brauchte man sich freilich gar nicht zu machen, denn wie viele Amerikaner könnten das Original gesehen haben?Wie auch immer: Trotz unterm Strich rosiger Voraussetzungen verlief die Premiere eher verhalten – auf Grund der Tatsache, dass von den 20 Millionen, die bei CSI mit Leib und Seele dabei waren, nur die Hälfte Interesse an dem neuen Science-Krimi-Procedural zeigten. So verlor Eleventh Hour den Kampf der britischen Remakes zunächst an ABCs „Life on Mars“. Das waren insofern keine schlechten Zahlen (und schon gar kein Grund zur Sorge), dass Bruckheimers Serien bei CBS großzügiger behandelt werden – vor dem Hintergrund der Millionen von Dollar, die seine Produktionen dem Network bisher beschert haben. Außerdem pendelte sich die Serie schnell bei im Schnitt 11 Millionen Zuschauern ein, während Life on Mars schon in der zweiten Woche 27 % des Publikums verlor (sich dort aber dann ebenso stabilisierte). So nahm es nicht Wunder, dass CBS die 13-Episoden-Order nach der dritten Episode auf eine komplette Staffel erweiterte.

Worum es in Eleventh Hour geht?

Der Executive Producer Ethan Reiff fasst zusammen: „Reproductive cloning, cryogenic preservation, experimental brain surgery, cutting-edge cancer cures for nefarious purposes“.

Der Inhalt der Serie deckt sich fast 1:1 mit demjenigen von Fringe. Mit dem Unterschied, dass es sich hier um einen Procedural handelt. Und dieser Unterschied ist nicht unwesentlich. Denn rein strategisch betrachtet (ohne eine Qualitätszuschreibung vorzunehmen) ist Eleventh Hour seiner Serien-Schwester und dem für mich mittlerweile begehrenswerten „Fringe“-Serial überlegen.Eleventh Hour“ bietet einen leichten Einstieg und erfüllt Zuschauererwartungen: Zufriedenheit entsteht in kürzester Zeit. Anhand ihrer Thematik und ihrer Figurenkonstellation behält sich die Serie dabei die Möglichkeit vor, mit dem Fortschreiten der Staffeln Figurengeschichten zu vertiefen – und wenn eine starke, zuverlässige Zuschauergruppe aufgebaut worden ist, dann kann man auch ein Fortsetzungsnarrativ (z.B. eine Verschwörung) einbauen, und vielleicht sehen wir dann „a Cigarette Smoking Man“ wie in „The X-Files“.

Da wir gerade bei dieser Serie gelandet sind, muss man die Ähnlichkeiten in der Figurenkonstellation erwähnen. Dr. Jacob Hood (gespielt vom Filmveteran Rufus Sewell) als brillanter Wissenschaftler und FBI-Berater harmoniert fast ebenso so gut mit seiner FBI-„Aufpasserin“ Rachel Young (Marley Shelton), die schneller und leichter die Waffe zieht als John Wayne (sorry, Western-Fans), wie damals Mulder mit Scully. Ob zwischen den beiden etwas passiert, gehört zu den zahlreichen Möglichkeiten, die die Drehbuchautoren haben.Es fehlt aber ein wenig an Hintergrund für Rachel als auch daran, sie im Vordergrund handeln zu lassen: Sie befindet sich noch im Niemandsland. Im Vergleich zu anderen obsessiv und genial ihrem Job nachgehenden TV-Figuren, wie „House“, ist Dr. Hood selten zynisch, eher neugierig und gleichzeitig traurig.

Eine Haltung, die auf der Erzählebene mit dem schon in den ersten Episoden erwähnten Tod seiner Frau erklärt wird. Erst in der siebten Episode wird preisgegeben, für wen genau die beiden arbeiten; der FBI-Direktor ist ein Studienfreund von Dr. Hood. Ob er die letzte Instanz ist, wird sich noch zeigen.

In dieser ersten Staffel ist die Serie darum bemüht – wie alle Procedurals -, ihr Konzept zu etablieren, die Zuschauer an Hand der Wiederholung einer bestimmten Episodenstruktur mit kleinen Variationen und wirklich kleinen Häppchen Information über die Figuren zu ködern und einzugewöhnen. Der einzige Entwurf einer Fortsetzungshandlung, wenn überhaupt, ist in der Pilotenepisode zu finden, als eine mysteriöse Wissenschaftlerin namens Gepetto eingeführt wird, die sich mit Klonen beschäftigt, Dr. Hood zu kennen scheint und am Ende der Episode entkommt.

Zum audiovisuellen Stil der Serie lässt sich zuerst sagen, dass gewisse Ähnlichkeiten mit „CSI: Crime Scene Investigation“ nicht zu leugnen sind: die Darstellung eines Verbrechens im Teaser, ohne dem Zuschauer Hinweise auf den Täter zu geben, die Snap-Zooms, die weißen Überblenden, die Flashbacks etc. Die Außenaufnahmen sind aufwändig inszeniert, unter Einsatz zahlreicher Statisten und Nebenfiguren. Meistens ist alles in braun-rotes Licht getaucht. Die Gesichter der Protagonisten sind in vielen Szenen nur leicht von cross light beleuchtet (sonst wird hauptsächlich back light in Räumlichkeiten verwendet), so als würde das Licht wie mit einem Pinselstrich nur das Gesicht berühren. Die Kamera verzichtet hier, im Vergleich zu CSI und den meisten Bruckheimer-Procedurals, auf low und high angle-Perspektiven und bleibt auf Augenhöhe.

Alles in allem ist Eleventh Hour eine solide TV-Leistung – Vorder- und Hintergrund halten eine angenehme Balance. Wie’s weiter geht? CBS (Crime Based Shows 😉 ) muss es wissen – für ein Top-Drama: It needs fine-tuning…

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