Flashpoint: Review zur Pilotenepisode (1×01)

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Noch ein Procedural? Wen wundert’s? Procedurals laufen prächtig im Fernsehen und das schon seit ein paar Jahren. Die Frage ist nun, wie viele unterschiedliche Geschichten man in dieses Format verpacken kann? Sind sie nicht irgendwann zu Ende? Wie lange findet sich Publikum dafür?

CBS, zurzeit die US-Brutstätte für Procedurals, macht sich da keine Sorgen. So strahlte man im Sommer die Serie „Flashpoint“ aus. Mit Erfolg. Das Procedural (in reiner Form) wurde mittlerweile von den beiden Kooperationspartnern der Produktion, dem US-Network CBS und dem kanadischen Privatsender CTV, um eine zweite Staffel mit 13 Episoden verlängert.

Flashpoint bescherte CBS im Schnitt 7 Millionen Zuschauer! Von solchen Zahlen können manche Serials zu den besten Zeiten der Season nur träumen. Also waren die Geldgeber mehr als zufrieden. Dabei ist die interessante Tatsache zu erwähnen, dass CBS als Partner erst während der Postproduction von Flashpoint einstieg. Angeblich – Insidern zufolge – soll diese Beteiligung der erste Schritt von CBS in Richtung internationale Business-Expansion sein. Na ja, so ein gewaltiger Schritt ist es nicht bis nach Kanada.

Aber manche der Qualitäten bzw. überhaupt die Qualitäten, die Flashpoint vorzuweisen hat, sind nicht unbedingt der Action-Narration von US-Vorbildern zu entnehmen. Auf dem ersten Blick ist alles wie gehabt: Ein SWAT-style-Team namens Strategic Response Unit (das reale Vorbild war Toronto’s Emergency Task Force). Ein paar große Männer und eine kleine Frau, die sich zu beweisen weiß. Created by Mark Ellis und Stephanie Morgenstern, protzt die Produktion buchstäblich mit ihrem Production Value: aufwändige Außenaufnahmen, eine sehr dynamisches Bild, geprägt von rasanten Kamerafahrten, die sich mit Slow Motion-Aufnahmen abwechseln. Das alles wird vom dröhnenden Soundtrack überdeckt, der sich erst am Ende einer jeden Episode „beruhigt“ und mit einem melancholischen Popsong abschließt.Im Vergleich dazu liefern die Schauspieler eine bodenständige Leistung. Und das ist gar nicht negativ gemeint.

Vor allem der in Toronto geborene Enrico Colantoni („Veronica Mars“, „Don’t Shoot Me“) als Teamleader, Hugh Dillon als der tausendste kahlköpfige TV-Held und Amy Jo Johnson („Felicity“) stehen im Mittelpunkt der Serie, obwohl man – und das muss man den Produzenten zugute halten – bemüht ist, den Blickwinkel Episode für Episode auf ein anderes Teammitglied zu verschieben und somit ein komplexeres Bild vom ganzen Team zu vermitteln.

Andererseits bleibt die Serie voll und ganz in ihrer Struktur gefangen und hält sie absolut genau ein. Und mit genau meine ich sogar zeitlich exakt – z.B. laufen die Vorspanntitel immer nach genau 9 Minuten Teaser. Am Anfang jeder Episode wird der Höhepunkt der Eskalation einer Situation gezeigt. Kurz vor ihrer Auflösung wird zurückgespult bis zu einem Moment, da die Welt noch in Ordnung war. Mit einem Mitglied im Mittelpunkt klettert die Handlung vom Beginn der Episode nach und nach zu diesem Punkt unerträglicher Spannung. Dabei, und das ist hier die Rettung vor dem freien Fall in die Bodenlosigkeit der Procedural-Fülle, wird nicht so viel Wert auf Action und Trennung von Gut und Böse gelegt; es wird nicht der Sieg nach der Auflösung eines Konflikts gefeiert, sondern man versucht, alles differenziert darzustellen und mit einem Hauch von Traurigkeit. Die in die Konflikte involvierten Menschen werden nicht stigmatisiert, sondern es wird ziemlich glaubwürdig jede Seite beschrieben.

Es handelt sich bei den Tätern nicht um Serienmörder, die im letzten Moment vom Scharfschützen niedergestreckt werden, damit man den Sieg gegen das Böse feiern kann, sondern um ganz gewöhnliche Menschen, deren Leben aus dem Ruder gelaufen ist und die nun mit Gewalt versuchen, es wieder hinzubiegen. Aus diesem Grund beansprucht die Krisensituation nur die Hälfte der Zeit, während die andere Hälfte sich der Reflexion der Teammitglieder über das eigene Tun widmet. An den Punkten, wo die Serie es schafft, überzeugend zwei einander entgegen stehende Wahrheiten zu inszenieren, ist „Flashpoint“ richtig gut. Der Rest ist Proceduralgeschichte…

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