Lie to Me: React to Contact (2×14)

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Lie to Me kreiert verwickelte Geschichten – und verbirgt die Antworten hinter einer undurchsichtigen Grimasse.

In dieser zweiten Staffel entwickelt sich Lie to Me zu einer faszinierenden Charakterstudie, was im Laufe der ersten Season etwas in den Hintergrund geriet, dem ursprünglichen Konzept aber unbedingt entspricht. Man kann lange darüber spekulieren, ob diese Entwicklung dem Einfluss des neuen Showrunners zu verdanken ist oder ob es sich einfach um die natürliche Entwicklung der Serie handelt.

In dieser Episode müssen sich Cal & Co. auf einen einzigen Fall konzentrieren; das Team wird also nicht geteilt, wie wir es in der zweiten Staffel so oft erlebt haben. Bis auf die Steuerung und die Auswertung des virtuellen Spielprogramms seitens des Teams richtet sich der Fokus vorwiegend auf Cal (Tim Roth) und seine Interaktion mit den Gaststars – diesmal: Enver Gjokaj (Dollhouse) und Alona Tal (Supernatural). Gjokai liefert eine ausgezeichnete Performance als Irakveteran Jeff, der offenbar unter PTSD leidet. Lightman findet letztendlich heraus, was Jeffs Seele bedrückt – aber die Art und Weise des Herausfindens macht den Spaß aus…

Sehr geschickt inszenieren die Lie to Me-Autoren in fast jeder Episode Cal innerhalb seiner eigenen Inszenierung. Wir Zuschauer werden in genau dem Augenblick getäuscht, in dem das Zusammenspiel des Ensembles und vor allem die Leistung Tim Roths uns eben dies vergessen lässt: dass Cals Inszenierung eine Inszenierung innerhalb der Inszenierung von Lie to Me ist…

Das ist der Grund, warum hier zwei plus zwei immer wieder fünf ergibt. Man muss nämlich eine Inszenierungsebene dazu zählen. Kompliziert? Schon – aber da die Fälle, die die Serie behandelt, durchaus spannend sind, lässt man sich gern auf das Spielchen ein. Was wir Zuschauer hier genießen, ist nicht wirklich die Auflösung des Falls, sondern das Spiel auf den unterschiedlichen Ebenen, indem Cal eben auch uns in die Irre führt und nicht nur Verdächtige. Seine Inszenierungen haben einen doppelten Boden.

In React to Contact übernimmt interessanterweise Cal die Regierolle. Er leitet die Inszenierungen, an welchen andere teilnehmen: die Rekonstruktion des Soldatentraumas. Einmal geschieht sie mit Hilfe eines virtuellen Nacherlebens der Ereignisse, danach mit Hilfe einer Live-Inszenierung, theaterähnlich. Damit wird nicht nur der Fall gelöst, sondern auch – sehr schön übrigens – die problematische Differenz zwischen dem, was wir erleben, und dem, was unsere Psyche aus den Spuren des Erlebten konstruiert. Was die Psyche inszeniert, entspricht nicht unbedingt der Realität – und der Körper verrät es: „Friendly Fire“.

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