Lights Out: Infight (1×09)

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Ed Romero scheint Patrick in Top-Form bringen zu können, aber ist das Beste für den Körper auch das Beste für den Kopf?

Beide FX-Dramen, Justified und Lights Out, sind hervorragend erzählt und gefilmt, aber trotzdem besteht leider zwischen Justified und Lights Out ein großer Unterschied. Während die Erzählung um Marshal Raylan Givens (Timothy Olyphant) die Zuschauer zum Einschalten bringt, fehlt dieser Effekt bei Lights Out; der Serie droht das Terriers-Schicksal. Natürlich ist noch nichts entschieden, aber es wäre nur traurig, wenn nach Rubicon und Terriers eine weitere grandiose Kabel-Serie die Segel streichen müsste!

Heißt das nun, man solle gar nicht erst Zeit in Lights Out investieren? No way! In Verbindung mit Lights Outs Grundthema und als ehemaliger Leistungssportler kann ich nur sagen: Aufgeben gibt es nicht! Denn Lights Out belohnt uns fürs Zuschauen, indem die US-Serie ein kleines, aber feines Universum aus kleinen menschlichen Dramen inszeniert und uns an menschliche Fehlerhaftigkeit erinnert.

Wo ist das Licht am Ende des Tunnels? Menschliche Fehler können nicht endgültig behoben werden; man lebt von Entscheidung zu Entscheidung und hofft, die nächste möge die richtige sein. Die Lichter sind Blitzlichter, keine endgültige Erleuchtungen oder gar Erkenntnisse über Gott und die Welt. Sie bieten nur kurze Atempausen, bevor man vom Leben den nächsten Uppercut verpasst bekommt. In solchen Serien muss der Zuschauer selbst seine Unterhaltung suchen und finden, denn sie kommt nicht von allein. Das unterscheidet sie von Mainstream-Produktionen. (Nicht negativ gemeint, da ich viele davon lieb habe!)

Lights Out erzählt nicht nur vom Fall und Aufstieg eines Boxers, sondern bringt auch einen kritischen Kommentar über den Fall einer Sportart, die zwischen Traditionen und den Anforderungen der modernen Welt keine Balance halten kann. Die letzten zwei Episoden, und Infight, bilden in meinen Augen einen Zweiteiler, der das letzte Drittel der Staffel einleitet und die Frage stellt, wer in Lights’ (Holt McCallany) Ecke steht. Sein Vater? Teresa? Brennan und Barry? Ed Romero? Eds Eintritt in Lights’ Welt scheint sie auf den Kopf zu stellen. Er bringt Lights in Top-Form, teilt dadurch aber seine Welt in zwei: Auf der einen Seite stehen Teresa, Daniela, Ava und Katie – und auf der anderen die restlichen Verwandten.

Eamonn Walker (Ed Romero) gehört zu der Reihe faszinierender Nebendarsteller in FX-Dramen – siehe Walton Goggins in Justified. Ed ist der beste Trainer für Lights, aber gleichzeitig sieht er nur den Schatten, den das Geschäft und Patricks Verwandte auf ihn werfen – und nicht das Licht. Aufgrund seiner schmerzvollen Vergangenheit mit Death Row will und kann Ed mit Emotionen nicht mehr umgehen. Zwar kann er die wunden Punkte in anderen entblößen und ihnen zeigen, wie sie damit umgehen sollen – so etwa in seiner Interaktion mit Lights’ Frauen in dieser Episode -, aber bei sich selbst ist er dazu nicht fähig.

Im Gespräch mit Daniella sagt Ed, er wolle dafür sorgen, dass ihr Vater keine Schläge abbekomme. Diese Aussage steht metaphorisch für die komplette Interaktion zwischen den beiden und Eds Weg. Was er nicht einsieht, ist, dass gerade das Überwinden emotionaler Schläge stark machen kann. Lights wiederum lehnt die Mauer ab, die Ed um sich gebaut hat – denn sie hält das Licht auf Dauer fern. Während Ed diese Mauer zwischen Lights und allen Ablenkungen in seinem Leben zu bauen glaubte, sehen wir am Ende der Episode, dass er sie unbemerkt zwischen sich selbst und Lights errichtet hat.

Und endlich tritt Death Row Reynolds aus seinem Schattendasein: Wir verbringen mehr Zeit mit ihm und seiner Familie. (Reynolds Frau wird übrigens von 24s Reiko Aylesworth gespielt.) Ohne die Sonnenbrille “sehen” wir den Hauch von Nervosität, die er vor dem Kampf doch noch verspürt.

Lights wird sich wohl doch noch ein physisches Hindernis in den Weg stellen: Am Ende der Episode geht er dazwischen, als sich Ed und Jonny in die Haare kriegen, und wird vom eigenen Bruder unabsichtlich mit einer Schere verletzt. Damit bringt die Serie ihre Grundthematik, die übrigens so gut wie alle FX-Serien enthalten, auf den Punkt: Der Held versucht immer das Richtige zu tun, aber alles endet schlimm.

Wird Ed bleiben – oder wird Lights’ Vater das Training mit ihm wieder aufnehmen?

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