Lights Out: War (1×13)

Standard

Es kommt im Finale zum entscheidenden Kampf und zu der Frage, ob man, wenn man den Krieg gewinnt, alles andere verliert?

Am Ende dieser ersten und einzigen Lights Out-Staffel steht die Hauptfigur Patrick “Lights” Leary als Sieger vor der Menge. Er konnte seinem Erzfeind Reynolds die entscheidende Schläge verpassen und ihn zu Boden bringen. In demselben Moment aber liegt die Serie selbst geschlagen im TV-Ring. Das US-Fernsehpublikum und die TV-Industrie ließen sie schon früh spüren, dass ihr Kampf verloren war.

Damit wird der Friedhof der Kabel-Serienperlen um die nächste erweitert. Es ist auffällig, dass in einem TV-Jahr ganze drei brillante Serien – Lights Out, Terriers und Rubicon – nicht über eine Staffel hinaus gekommen sind. Wie das Boxer-Geschäft, so hat auch die TV-Industrie ihre Schattenseiten. Und manchmal hat man, obwohl man gewinnt, am Ende doch verloren: Eine Serie wird als kunstvoll hergestelltes Produkt gefeiert – doch zugleich wissen zu wenige Menschen dies zu schätzen.

Sind wir, wie manche US-Kritiker und auch Warren Leight, der ausführende Produzent von Lights Out, behaupten, Zeugen einer Eskapismus-Welle? Ist das Publikum auf leichte, schnell befriedigende Unterhaltung aus – eine Unterhaltung, die sie nicht an die eigenen Probleme erinnert, an die Verantwortung gegenüber der eigenen Familie und an den Druck, unter dem Figuren wie Patrick Leary in Lights Out stehen?

Während die Kabelsender früher eher geneigt waren, Serien eine zweite Chance zu geben – in dem Bemühen nämlich, sich einen Namen zu machen -, ist es heute vorbei mit der Gnadenfrist. Wäre AMC vor ein paar Jahren nicht damit beschäftigt gewesen, sein komplettes Image umzukrempeln und alles von Grund auf neu aufzubauen – wer weiß, was mit Mad Men und Breaking Bad passiert wäre, die nach Zuschauerzahlen mit ihren ersten Staffeln nicht überzeugen konnten!

Wie FX-Präsident Jonathan Landgraf in einem Interview sagte, ist die Konkurrenz unter den Kabelsendern um ihr (ohnehin schon Nischen-) Publikum enorm gewachsen, proportional zu den Zahlen der bestellten einstündigen Dramen. Das macht es finanziell unmöglich, eine Serie zu behalten, die trotz Kritikerlob kein Publikumserfolg ist. Als Einzige können sich HBO und Showtime so etwas noch in manchen Fällen leisten: die werbeabhängigen Basic Cable Networks können es nicht mehr. Sie kämpfen innerhalb kleiner Bevölkerungsgruppen um deren Gunst und um die der Werbeindustrie. Dadurch nimmt, wenn eine Serie in der Demo-Spalte nicht populär ist, schnell eine andere ihren Platz ein – und übernimmt damit die Zuschauer.

Außerdem darf man nicht vergessen, dass die Kabel-Networks ihr Geld mit Reality-Formaten verdienen, denen sie immer mehr Platz im Programmplan einräumen müssen. In FX‘ Programmplan gibt es keinen Platz mehr für Lights Out.

Man kann sich vorstellen, dass Warren Leight & Co. sich dennoch unausweichlich mit der Frage beschäftigen, was falsch gelaufen ist. War es der Timeslot am Dienstagabend um zehn Uhr? Oder der Film „The Fighter“, dessen Werbekampagne mit der von Lights Out kollidierte? War die Serie zu dunkel? Ist Boxen so sehr Nischensport geworden? Oder umgekehrt: gab es zu wenig Boxen in Lights Out und zu viel Familiendrama? Eine Frage aber beschäftigte die Zuschauer am meisten: Wird Lights Out, wie Terriers, ein würdiges Serienfinale erhalten?

Die Antwort lautet Ja, obwohl das Staffelfinale laut Produzenten längst fertig war, als die Absetzung bekannt war; man plante bereits eine zweite Staffel. War bringt uns jedoch etliche Gewissheiten. Barry gibt zu, dass der Morales-Kampf gefixt wurde, und Brennan deckt die Karten auf. Barry und Brennan machten für die beiden Boxer Lights und Reynolds einen erneuten Titelkampf unausweichlich. Das heißt aber nicht, dass sie einander vertrauen. Brennan plant, Barry aus dem Geschäft zu nehmen, in dem er The United Boxers gründet – angeblich um die Rechte der Boxer zu schützen. Laut Warren Leight wäre mit der zweiten Staffel der Ring frei gewesen für Barry und Brennan.

Das Finale ist zwar um den großen Kampf herum aufgebaut, aber die Serie vergisst nicht, uns die wichtigsten Momente der Staffel Revue passieren zu lassen und vor allem Lights mit sich selbst zu konfrontieren: mit den Kompromissen, die er einging, und den Entscheidungen, die er traf. Zum Schluß kann man sich bei den Lights Out-Autoren sowie Holt McCallany (Lights) und seinen Schauspielerkollegen für diese einzige Staffel nur bedanken.

„Who won?“, fragt ein desorientierter Patrick am Ende. Eine sehr gute Frage…

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s