Suits: Review der Pilotenepisode (1×01)

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Muss man einen bestimmten Abschluss haben, um einen Traumjob zu landen? Die neue USA-Serie zeigt, wie zwei Männer, deren Leben unterschiedlicher nicht sein könnte, gemeinsame Sache machen.

Manchmal ist es gut, genau das zu bekommen, was man erwartet hat. Und die neue USA-Serie folgt diesem Prinzip. Der Kabelsender für leichtfüßiges Entertainment liefert mit Suits einen blauen Himmel, auf dem die Wolkenfetzen vor dem Blick vorbeihuschen wie an unserem Ohr die amüsanten Dialogfetzen aus den Mündern der Figuren, die USAs Serien bevölkern. „Characters Welcome“, der USA-Slogan, trifft es auf den Kopf – wenn man als Zuschauer die Erfahrung mit anderen Produktionen gemacht hat. Denn USA legt hauptsächlich auf die Chemie zwischen den Hauptdarstellern Wert; man gibt zwar vor, in moralisch-ethischen Abgründen zu graben, aber nur, so lange es nicht weh tut.

Dagegen ist prinzipiell nichts zu sagen, denn wenn man so will, haben die Kabelsender unterschiedliche Zuschauerbedürfnisse und Themen unter sich aufgeteilt. Während etwa FX und AMC tiefer unter die Oberfläche gehen, kommen USAs Produktionen wie glänzende, glatt gebügelte Anzüge daher, deren Falten nur als charmanter Blickfang dienen. Wenn man sich den Suits-Piloten anschaut, kann man nicht anders, als an White Collar zu denken: nicht nur wegen der bodentiefen Fenster und des strahlenden Himmels, sondern wegen der Chemie zwischen den beiden männlichen Protagonisten, die auch diese Serie trägt. Im Vergleich zu White Collar muss sich Suits nur darum bemühen, interessanteren Fällen nachzugehen, aber dafür bleibt noch eine Menge Zeit.

Die nun hat Harvey Specter (Gabriel Macht) oftmals nicht. In einer großen Anwaltskanzlei ist er der Mann, der jeden Deal zum Abschluss bringt und jede Situation zu managen weiß, auch wenn er häufig moralisch-ethische Grenzen überschreiten muss. Die Serie zögert nicht lange, ihn in seinem Element zu präsentieren. Sein fulminanter Auftritt vor einem Kunden in den ersten Minuten bringt ihm das Lächeln seiner Chefin Jessica (Gina Torres, Firefly) ein. Hinsichtlich der Beförderung zum Seniorpartner wird Harvey seinem Firmenrivalen Louis (Rick Hoffman) vorgezogen. Oder doch nicht? Jede hervorragende Leistung hat ihren Preis; Harvey zahlt ihn manchmal nur allzu gern und droht durch die Wolken hindurchzufallen.

Mike Ross (Patrick J. Adams, Lost) geht es nicht wirklich anders. Er ist ein viel zu intelligenter junger Mann, um nicht irgendwo einen Abschluss zu machen und einen tollen Job zu finden, aber Brillanz schützt nicht vor falschen Entscheidungen und Pech. Mike wurde aus dem Anwaltsstudium hinauskomplimentiert und verdient sein Geld mit „consuming knowledge“, wobei ihm sein fotografisches Gedächtnis behilflich ist. Er besteht Prüfungen für Andere und kämpft sich so durch den Alltag… und durch die Rechnungen für seine Großmutter.

Als er fünfundzwanzigtausend Dollar für ihre Pflege braucht, entscheidet er sich, seinem Pot dealenden Freund zu helfen. Aber der Deal entpuppt sich als Polizeifalle, die Mike dank seinem scharfen Beobachtungssinn riecht. Er flieht… direkt in die “Arme” von Harvey, der in demselben Hotel Interviews durchführen muss: Die Firma braucht einen neuen Assistenten.

An diesem Punkt beginnt der gemeinsame Weg der beiden charmanten Männer, die letztendlich zwei Seiten derselben Münze darstellen in einer Welt, wo jeder irgendwie die Regeln biegt und die Konsequenzen möglichst zu einer Sache macht, die Anderen und nicht einem selbst passieren.

„I’m not about caring“, sagt Harvey, „I’m about winning.“ „Why can’t you be about both?“ lautet Mikes Antwort, der sich schnell an dem neuen Arbeitsplatz zurechtfindet – mit Unterstützung der Anwaltsgehilfin Rachel (Meghan Markle). Mikes und Harveys Weg durch die Schlachtfelder juristischer und menschlicher Auseinandersetzungen könnte eine sehr amüsante Reise werden. Suits hat, vor allem was den Cast betrifft, definitiv das Zeug zur nächsten erfolgreichen USA-Sommerunterhaltung.

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