The Border: Under Siege – Review zum Finale der dritten Staffel

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The Border begann vor drei Staffeln als eine Art kanadische Antwort auf 24, nur in Procedural-Form. Nach und nach entwickelte sich die Serie um die ICS-Einheit zu einer Glanzleistung heutiger serieller Mischformen.

The Border gehört zu den Serien, die das mit den Cliffhangern wirklich drauf haben. Während man sich am Ende der zweiten Staffel dafür entschied, eine Hauptfigur über die Klinge springen zu lassen und andere auf die Intensivstation zu schicken, endet die dritte Staffel mit dem fast kompletten Team unter Beschuss. „Under Siege“ ist hier die richtige Bezeichnung. In der letzten Episode No Refuge müssen wir zusehen, wie Major Kessler, Carver, Kesslers Ex-Frau, Gray (schwer verletzt) und etliche andere Beteiligte eingesperrt im Keller von Heaven House um ihr Leben fürchten müssen, denn sie haben weder ausreichend Munition noch Kontakt zur Außenwelt und draußen lauern schwer bewaffnete Mitglieder der gefährlichsten Gang MS-13 (Mara Salvatrucha).

Die sind eigentlich nur hinter dem Freund von Kesslers Ex-Frau her, dem mexikanischen Journalisten Ramon Esteban. Man muss an dieser Stelle den Produzenten von The Border ein Kompliment aussprechen: Es ist ihnen gelungen, ihre Produktion nach und nach zu einem stark serialisierten Format aufzubauen, in dessen dritter Staffel die mittlerweile zahlreichen und sich auf unterschiedlichen Ebenen abspielenden Beziehungen zwischen den Figuren das Tempo der Handlung bestimmen und immer wieder im Mittelpunkt der Ereignisse stehen; angefangen mit Grays Rachefeldzug am Anfang der Staffel und endend mit Major Kesslers diversen gefährlichen Liebschaften. Außerdem muss man den Produzenten zugute halten, dass sie in der dritten Staffel Kessler als zentrale Figur mehrmals das ICS-Office verlassen und dadurch ständig auch physisch in Gefahr geraten ließen.

Was ich noch an The Border mag, ist der leichte Hauch an Ironie und Humor, den man immer wieder zu spüren bekommt – zum Beispiel bei Kessler und seinen Frauengeschichten: Man denke nur an Szenen wie die, als er schwer verletzt im Krankenhaus liegt und nahezu jede blonde Frau im Umkreis von 100 Kilometern vorbeischaut – inklusive Tochter -, um sich nach seinem Zustand zu erkundigen. Die Vater-Tochter-Beziehung wurde sowieso zu einem Hauptthema dieser Staffel, was der Komplexität der Narration zugute kam. O.k., zugegeben: eine Brünette gibt es doch noch in Kasslers Leben, nämlich die MI6-Agentin Charlotte, die relativ oft in Staffel drei die Bühne betritt. Mal verhört sie, mal küsst sie, mal schießt sie Leuten in den Kopf.

Beziehungschaos hin oder her: nervig fand ich die häufige Bildschirmpräsenz von Kesslers Ex, die unausweichlich darein mündet, dass er plötzlich, all der Frauenauswahl zum Trotz, wieder mit ihr zusammen sein möchte. Gut: am Ende der Staffel verstehen wir, was der Zweck des Ganzen war, nämlich Kessler & Co in eine tödliche Falle zu lotsen – zusammen mit Carver, die gerade den Weg in Grays Bett wieder gefunden hat. Es bleibt die Frage, ob man – der bisherigen Dramaturgie der Serie folgend – an diesem Punkt auch Gray sterben lässt? Wäre ein schöner Schachzug, nachdem er Laylas Tod in der vorherigen Staffel mehr oder weniger auf dem Gewissen hat.

Auf der einen Seite wäre es also eine Wiedergutmachung, auf der anderen jedoch ein emotionaler Schock für eine andere Figur, nämlich Carver; letztendlich würde es auch Platz eröffnen, um in der vierten Staffel entweder einen Neuzugang zu bekommen oder eine der anderen Figuren ins Licht der Scheinwerfer zu bringen. – Da wir gerade bei Neuzugängen sind, muss man erwähnen, dass Laylas Ersatz Khalida sich wunderbar in das Figurenensemble einfügte und die Interaktionen zwischen ihr und Slade durchaus amüsant zu beobachten waren. Daher glaube ich nicht an Slades Weggang zu Homeland Security, denn The Border ohne ihren Nerd – das geht nicht!

The Border ist also nach wie vor doch nicht die kanadische Antwort auf 24 – und was mich betrifft, soll es ruhig so bleiben, denn spannend ist das Ganze auf jeden Fall. Nur den übergreifenden Handlungsstränge sollten die Autoren ein bisschen mehr Achtung schenken – und uns für die vierte Staffel eine Story liefern, die vielleicht länger als nur zwei bis drei Folgen dauert.

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