Human Target: Review der Pilotenepisode (1×01)

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Braucht man einen Helden, der innerhalb von Sekunden ausrechnet, wie man bei enormer Geschwindigkeit unversehrt aus einem Zug aussteigen kann, der fließend Japanisch spricht und rhetorische Fragen wie diese nicht ausstehen kann?

Bevor man sich diesen Text antut, muss man für sich klar stellen, was man von dieser Serie erwartet. Diejenigen, die sich eine direkte Umsetzung des Comic-Stoffes erhofft haben, können es gleich sein lassen. Die Realismusanhänger – und damit ist nicht Reality gemeint – haben bei Human Target auch nichts verloren, genauso wenig wie die Liebhaber tiefsinniger Dramen. Für wen ist dann FOX’ neues Projekt? Für mich, zum Beispiel. Die Serie könnte sich als Top-Neuzugang des jungen Jahres auf meiner Guilty Pleasure-Liste entwickeln. Als Kind der neunziger und achtziger Jahre, aufgewachsen mit Star Wars, Die Hard und Lethal Weapon, freue ich mich definitiv über einen ad absurdum geführten Helden, der alles kann und flotte Fäuste und genauso flotte One-Liner drauf hat.

Hinzu kommen Action, Action und Action sowie zwei interessante Partner. Nicht zu vergessen die weiblichen Gaststars – und Man(n) ist glücklich! Christopher Chance (Mark Valley, aus Fringe und Boston Legal) arbeitet als eine Art privater Bodyguard für Menschen, die in höchster Gefahr schweben. In der Premiere ist seine Kundin (Tricia Helfer) die Entwicklerin des teuersten Schnellzuges der US-Geschichte, auf deren Rücken eine Zielscheibe klebt. Oh, kurz davor beendet Chance kurzerhand und mit höchstem Risiko für das eigene Leben eine Entführung. “Are you crazy?” fragt ihn der mit Dynamit voll bepackte Entführer. Chance: “I am assuming that this is a rhetorical question?” Als Tricia Helfers Figur ihn später fragt, wo ihre Schussweste sei, lautet die entspannte Antwort: “I’m your vest.”

Ja: Autor und Executive Producer Jonathan E. Steinberg hat nicht umsonst Lethal Weapon-Charme versprochen (übrigens hat gegen Ende der Episode Danny Glover einen Gastauftritt). Für manche mag Mark Valley – ausgehend von seinen bisherigen TV-Auftritten – als Hauptfigur gar nicht gehen, aber für mich persönlich funktioniert er als Christopher Chance in dieser Alpha-Men-Charme-Actionserie. Das Ganze erinnert ein bisschen an Burn Notice, abgesehen von der kostspieligen Umsetzung, mit der die FOX-Produktion protzt. Valley als Army-Veteran, der Ahnung davon hat, wie man die Waffe hält und jemandem weh tun kann, dürfte nicht allzu viele Probleme bei den zahlreichen Kampfszenen gehabt haben – Höhepunkt der Premiere war die Schlägerei (schwer zu filmen übrigens!) im Lüftungsschacht: Wow! Für solche Sachen nimmt sich Human Target Zeit und pocht nicht auf seriöses Drama.

Wer schön vorhersehbare, adrenalingeladene Zug-, Flugzeug-, Autofahrten und was auch immer an Verkehrsmitteln die Produzenten im Sinn haben, erleben möchte, für den ist diese Serie das Richtige. Human Target ist einfach Spaß, für den man sich nicht schämen muss. Als Chances Partner fungieren Winston (Chi McBride aus Pushing Daisies), der hier die Kunden- und Businesskontakte pflegt und ständig um Chances Gesundheit besorgt ist, ja ihm sogar einen Todeswunsch unterstellt, und der Top-Hacker Guerrero (Jackie Earle Haley aus Watchmen), der zu viele Kriminelle auf seiner Bekanntenliste hat und so wortgewandt ist, dass er ohne eine Hand zu heben zwei gewaltbereite Riesen zum Rückzug bewegen kann.

Was Human Target noch hat, ist … American Idol als Lead-In und einen coolen Vorspann (von Imaginary Forces, wo Mad Men und Chucks produziert wurden). Die Vorspannmusik stammt übrigens vom Battlestar Galactica- und Terminator: S.C.C.-Komponisten Bear McCreary. Human Target verspricht außerdem den treuen Zuschauern, Chances Vergangenheit aufzuhellen, die als dunkles Mysterium angedeutet wird; nach den weiblichen Gaststars zu urteilen (Courtney Ford, die Reporterin aus Dexter, ist die nächste auf der Liste), wird es auch Romanzen geben. Aber ich beende das hier mit einer Bitte an die Produzenten: Lasst die Jungs (uns) eine Weile Spaß haben, bevor es den Frauen gelingt, dem Helden den Kopf zu verdrehen…

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One response »

  1. Ach man… die erste Staffel war echt gut… genau das was du hier schon im Piloten beschrieben hast!

    Aber dann kamen die 2 Frauen ins Spiel. War Ames noch halbwegs ok, hat Ilsa die gesamte Show und deren Grundprämisse komplett über den Haufen geworfen… Wären sie doch nur bei den Babes der Woche sowie den gelegentlichen Auftritten von FBI Special Agent Emma Barnes aka… Superhottie Emmanuelle Vaugier gebieben! 😦

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