The Straits: Review der Pilotenepisode (1×01)

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Blauer Himmel, weißer Sand und ein Licht, das die Haut schmelzen lässt. Die neue australische ABC1-Serie ist genauso gnadenlos wie die Sonne und zeigt einen Kampf um Vaterliebe, Macht und andere alltägliche Probleme in einer Mafiafamilie. 

Die ersten Minuten der neuen australischen Drama-Serie The Straits vermitteln das Gefühl, sich in einer Mischung aus National-Geographic-Dokumentation und CBS‘ Hawaii Five-0 zu befinden. Die Kamera rast über azurblaues Wasser, aus dem die Inseln wie ein Versprechen des schönsten Paradieses aller Zeiten empor ragen. Aber wer diesen Ferienpass in die Hand nimmt, wird schnell feststellen, dass die dunklen Schatten unter der Wasseroberfläche keine Touristenattraktion sind, sondern einen ohne Umschweife tatsächlich ins Paradies befördern können – oder aber in die Hölle, je nachdem, wie viel man bezahlt hat.

Die grellen Farben, in ebenso grelles Licht getaucht, machen den Besucher in Queensland fast blind dafür, dass die Gefahren auch außerhalb der Tierwelt und nicht nur im Wasser lauern. Gefilmt in Far North Queensland, ist The Straits eine Mafia-Soap mit einem gewissen Hang zur Brutalität. Schon in den Eröffnungsminuten dieser Doppelepisode wird geschossen, was das Zeug hält, aber den bedeutendsten Treffer landen die Ur-Waffen (aus Papua und Neu Guinea) der Einheimischen: Ein Pfeil durchbohrt den Mund eines Beteiligten; beide Wangen, genauer gesagt, so dass er aussieht wie ein beunruhigend schief grinsender Hund mit einem Knochen quer im Maul, der auf dem Boot herumhampelt.

In meinen Augen kommt The Straits als Ganzes über dieses schiefe Grinsen nicht hinaus. Das Drama erzählt die Geschichte der Montebello-Familie, die von Drogen- und Waffenhandel lebt – ganz allgemein, wie Patriarch Harry in der zweiten Episode ausführt, vom Handel mit Dingen, die nichts aussagen können. In den ersten zwei Episoden stellt die australische Serie nicht nur die Beteiligten vor, sondern verwickelt sie ab Episode zwei in Intrigen und andere Konkurrenzspiele. Kein Wunder, denn Harry kündigt beim Familienessen an, demnächst in Rente gehen zu wollen.

Und Harrys Familie ist groß: Ehefrau Kitty (Rena Owen), die drei Söhne Noel (Aaron Fa’Aoso), Marou (Jimi Bani) und Gary (Firass Dirani), ihre Schwester Sissy (Suzannah Bayes-Morton), Familienfreund und Buchhalter Paddy (Kim Gyngell) und Harrys Geliebte und Anwältin Natasha (Rachel Blake). Anstatt seinem ältesten Sohn die Führung des Imperiums zu übergeben, lässt Harry ihn mit seinen zwei Brüdern um das Erbe kämpfen, während Sissy die neue Buchhalterin der Familie werden soll. Derjenige der drei Söhne, der sich am besten im Geschäft macht, soll die Krone tragen.

„Don’t ever, ever let another man know what you are feeling“, sagt Harry Montebello (Brian Cox) zu einem seiner Söhne. Nach der Sichtung der ersten zwei Episoden, als Doppelepisode ausgestrahlt, kann ich diesem Ratschlag ohne Probleme folgen. Denn gefühlt habe ich nicht viel: Das Drama, das hier entfacht wird, wirkt erzwungen, was teilweise an holprigen darstellerischen Leistungen liegt. Die australischen Kritiker schreiben, dass die fehlende Ausbildung und Übung zahlreicher Darsteller für Authentizität sorgen würde. Nun, so kann man oft unnötig emotionsgeladene Performances auch bezeichnen…

Und die Slapstick-Szenen, vor allem in der zweiten Hälfte, kommen genauso übertrieben daher und nicht im Geringsten komisch. The Straits ist im Grunde eine Geschichte, die man schon oft in besserer Ausführung gesehen hat. Am Ende der zwei Episoden fühlt man sich wie Harrys Chihuahua vor der Holztreppe (anscheinend der Running Gag der Serie) – man verzichtet lieber darauf, sie zu benutzen.

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