Sons of Anarchy: Lochan Mor (3×08)

Standard

Diese Episode bringt eine klare Ansage in Sons of Anarchy und Jax steht wieder einmal vor einer unmöglichen Entscheidung. Zurück in Charming verlieren die Sons langsam, aber sicher an Boden.

„Questions will be answered soon enough“, verkündet Maureen Ashby den gerade aus Charming eingetroffenen Sons. Hiermit spricht sie auch im Namen des Showrunners Kurt Sutter, der mittlerweile wenig Geduld mit den ungeduldigen Zuschauern und Fans zu haben scheint. Über alle möglichen Wege – Twitter, Blog, Facebook etc. – warf Sutter den Kritikern Ungeduld vor.

Diese Ungeduld, die tatsächlich herrscht, ergibt sich nicht aus Unzufriedenheit mit Richtung oder Tempo der Erzählung der dritten Staffel, sondern aus einem anderen Grund. Zwar erscheint das Hinausschieben der Belfast-Reise Richtung Staffelmitte rein dramaturgisch-strukturell nachvollziehbar. Aber: überrumpelt von den vielen kleinen Nebenhandlungen, fragen sich viele Zuschauer zu Recht, ob das Ganze nur Mittel zum Zweck war? Ob all die Hindernisse, die man den Sons in den Weg warf, nur ihre Abreise hinauszögern sollten? Denn der Höhepunkt mit Abel kann nicht zu früh kommen.

War jede weitere Entscheidung, die den Sons noch größere Probleme brachte, letztlich eine zu viel? Warum? Vielleicht weil der Kontrollverlust der Sons sie aussehen lässt wie Spielzeuge in den Händen Anderer? Diese Frage ist kompliziert zu beantworten, hängt sie doch sehr am jeweiligen subjektiven Eindruck.

Meiner Meinung nach sind die letzten Episoden von enormer Wichtigkeit dafür, wie schließlich die erste Staffelhälfte, gar die ersten zwei Drittel, zu bewerten sind. Ich selbst bin zwiegespalten und brauche die eine oder andere Antwort (auch von Maureen), um das komplette Bild zu bewerten. Mir gefällt es nach wie vor, wie sich die Serie um (fast) jede Figur zu kümmern weiß und wie in Charming Entwicklungen vonstatten gehen, die sich später auszahlen könnten.

“Könnten” beschreibt am besten die herrschende Unsicherheit, etwa bei der Story mit Tara (Maggie Siff) und dem Baby, bei Unser, bei Hales Bruder, bei Tig (Kim Coates) und Kozik, bei den Gangs in Charming und Umgebung. Wir erfahren in dieser Episode, dass Jacob Hale mit jemandem zusammenarbeitet, der die Stadt aufkauft. Mit Darbys Hilfe versucht er, Menschen zum Verkaufen zu bringen; nachdem Darby auf seine alten Tage keinen Stress mehr haben will, wendet sich Jacob an Hector Salazar.

Tig scheint das Geschäft in Charming nicht im Griff zu haben, denn er verbringt die Episode damit, sich unaufhörlich mit Kozik zu streiten und zu prügeln. Immerhin erfahren wir, dass es um eine Frau geht – oder, wie Chucks Tara gegenüber erklärt: „I’m not sure, but judging by their level of malevolence, there’s gotta be at least one vagina involved.“

Tara wiederum schlägt sich mit Abtreibungsgedanken herum – und entscheidet sich dafür, nach dem Beispiel von Opies Freundin Lyla. Beide Frauen wollen zu diesem Zeitpunkt keine Kinder von Männern wie Jax (Charlie Hunnam) und Opie (Ryan Hurst).

Diese Männer wiederum tun, was Sons eben tun – feiern und sich prügeln. Nur eben in Belfast. FX konnte Sons of Anarchy nicht das Budget zur Verfügung stellen, tatsächlich in Belfast zu drehen; es reichte nur für eine Reise von Regisseur Billy Gierhart mit einem kleinen Team, um Bilder zu sammeln. Diese spärlich beleuchteten Bilder, gebadet in grüne Töne, vermögen tatsächlich die Illusion eines anderen, fremden Ortes zu schaffen, eines Ortes, wo die Sons nicht wirklich willkommen sind.

Lochan Mor ist eine Episode mit großartiger Musik: “Big Fellah” von Black 47, “The Long Road,” “Shiny Eyes,” “Jungle of the Midwest Sea” und “Son of Shame” von Flatfoot 56, “Faraway” von The Tossers, “Flying Up a Mountain” von Sweet Apple, “Caroline” von The Young Dubliners.

Lochan Mor wartet nicht mit Enthüllungen oder Neuigkeiten auf, endet aber mit einer klaren Ansage: Damit Jax Abel bekommt, muss Jimmy sterben! Leicht wird das nicht sein, denn er hat Unterstützung: in Sambels eigenen Reihen und bei der irischen Polizei. Schon am Anfang der Episode geraten die Sons in eine Falle der korrupten Polizei, die von Jimmy beauftragt wurde, die Sons nach Charming zurück zu schicken.

Dank Gemmas schneller Reaktion kommt es nicht dazu. Die Wahrheit über John Teller bleibt auch in dieser Episode unausgesprochen – und es scheint zwischen Trinity und Jax zu knistern. Ich hoffe allerdings, dass die Autoren da nichts “passieren” lassen – nicht nur aus moralischen Gründen, sondern aus erzähltechnischen: Jax mit seiner Halbschwester schlafen zu lassen, wäre eine wirklich unnötige Verkomplizierung.

Auch so schon steht Jax vor einem großen Problem: Wie kann er Ashby zufrieden stellen, damit er Abel zurückbekommt, und gleichzeitig Agent Stahl, damit er seine Mutter rettet?

Wer ist der unbekannte Investor in Charming? Wird Tara das Kind wirklich abtreiben? Was ist die Wahrheit über John Teller? Will questions be answered soon enough?

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s