Sons of Anarchy: NS (3×13)

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Im Finale der dritten Staffel gibt es einige Überraschungen. Können die Sons das Ruder wieder an sich reißen? 

Das Sons of Anarchy-Finale NS beendet zufrieden stellend eine unebene dritte Staffel. Die begann mit einem großen Kracher, der Premiere SO, und schloss mit einem Kracher, NS. Zusammen bilden die beiden Titel SONS. Trotz der Unzufriedenheit vieler Fans und TV-Kritiker mit dem ständigen Aufschieben der Reise nach Belfast und den vielen Klein-Klein-Spielchen zwischendurch kann man nicht umhin festzustellen, dass die Top-Serie von FX einen abgerundeten Eindruck hinterlässt – als Ganzes gesehen und dank diesem Finale.

Die Titel der beiden Episoden SO und NS referieren direkt auf Jax’ (Charlie Hunnam) zwei Ringe. Den einen legte er, wenn ich mich nicht täusche, am Anfang der Staffel auf John Tellers Grabstein – den zweiten im Finale. Die Frage, warum der Ring noch auf dem Grabstein liegt und nicht geklaut wurde, werde ich nicht stellen: es zählen der dramatische Effekt und die Gefühle, die er hervorruft.

Wenn Jax zum Grabstein zurückkehrt, um gleichsam Schluss mit John Teller zu machen – „I am done listening to a dead man!“ -, beschreibt dies auf einer anderen Ebene die Wiederkehr der US-Serie zu ihrem ursprünglichen Problem: dem Kerngedanken hinter dem Club und dem Schicksal von Jax’ Vater. Durch Abels Entführung kam man davon ein wenig ab, aber nur scheinbar. Denn für mich steckt der große Verdienst von Kurt Sutter & Co. darin, Jax durch die Belfast-Geschichte und die überraschende Wendung in diesem Finale Clay (Ron Perlman) und dem Club so nahe zu bringen, wie er es noch nie zuvor war.

Jax hält seinen eigenen Vater für einen Verräter und will nicht selbst so enden. Aber wer hat wen verraten? Tara (Maggie Siff) entdeckt John Tellers Briefe, die Maureen in Jax’ Sachen versteckt hat, und beginnt sie zu lesen. John Tellers Voice Over sagt uns am Ende, dass Gemma und Clay ihn verraten und anschließend getötet haben. Die Belfast-Story, die Enthüllung von John Tellers gefährlichen Liebschaften und Jax’ Halbschwester Trinity – das alles verkompliziert den Blick auf die Vergangenheit noch mehr. Jax triumphiert am Ende dieser Staffel – und scheitert zugleich: er findet keine Grundlage, keinen klaren Weg, mit der Vergangenheit umzugehen.

Wenn man so will, bildet die Zeit den heimlichen großen Widersacher in dieser dritten Staffel – nicht die IRA, nicht Jimmy oder Stahl. Natürlich ist der Zeitfaktor auch das größte Problem der Serie an sich gewesen, denn sie schien gar nicht voran zu kommen bzw. sich in zu vielen kleinen und noch kleineren Plots zu verwickeln. Für die Zuschauer, die an die schnellen Auflösungen aus den vorherigen Staffeln gewöhnt sind, mag es frustrierend gewesen sein, die ganze Reise in die Vergangenheit mitmachen zu müssen. Aber man musste zu den Wurzeln der Probleme kommen: zu der Einsicht, warum Figuren handeln, wie sie handeln, und so geworden sind.

Das Finale nun bietet Auflösung und Pay-Off an mehreren Fronten. Wer es noch nicht gesehen hat, soll schleunigst aufhören, weiter zu lesen – sonst verdirbt man sich durch die Spoiler eine Menge Spaß!

Wir haben im Laufe dieser dritten Staffel oft darüber gesprochen, wie die Sons durchgehend zu Entscheidungen gezwungen sind, die sich dann immer wieder als falsch erweisen. Die SoA-Autoren ließen sie fast komplett die Kontrolle verlieren und manövrierten sie von einer Tragödie in die nächste. Euren Kommentaren konnte ich entnehmen, dass euch nicht nur Charming fehlte, sondern auch The Return of the King(s) von Charming: das Wiedererlangen der Kontrolle seitens der Sons.

Der Weg dorthin läuft nur über Stahl und Jimmy. Dank Ottos (Kurt Sutter) Treffen mit Lenny The Pimp (gespielt von Hells Angels’ legendärem Mitglied und Gründer Sonny Barger) können die Sons eine Absprache mit den Russen treffen, die gegen zwei Millionen bereit sind, Jimmy auszuliefern. Wir erinnern uns: schon seit einer Weile versucht Chuck, jemanden auf eine Lieferung aufmerksam zu machen, aber weder Gemma (Katey Sagal) noch Tig (Kim Coates) hören auf ihn. Dafür aber Jax! In den Kisten aus … befinden sich fünf Millionen Dollar Falschgeld. Im Zuge seines Deals mit Stahl (Ally Walker) schafft es Jax, zweihundertfünfzigtausend echte Dollar zu holen und alles zu durchmischen, damit die Russen den Betrug nicht gleich bemerken.

Geschickt lässt man uns glauben, dass Jax tatsächlich hinter dem Rücken des Clubs handelt – bis zum Ende, als wir den raffinierten Plan verstehen. Nicht nur bekommt Chibs seine Rache und beseitigt Jimmy, sondern auch Opie kann Stahl erledigen. Außerdem ist Gemmas Anklage vom Tisch, und die Sons müssen nur kurz ins Gefängnis. Die Morde an Stahl und Jimmy (Tommy Flanagan) schieben sie der IRA in die Schuhe. Das nennt man Erfolg auf ganzer Linie; und die Szene im Gefangenentransport, als alle plötzlich anfangen zu lachen – nach dem Hupsignal von draußen, das alles erledigt ist -, gehört zu den besten, die die Clubmitglieder seit langer Zeit zusammen hatten.

Leider bekam Ryan Hurst als Opie in dieser Staffel nicht viele Möglichkeiten, in den Vordergrund zu treten. In der Szene mit Stahl, als er ihr in den Hinterkopf schießt, vermittelt er uns Zuschauern jedoch großartig, nur durch seinen Gesichtsausdruck, eine komplette Palette an Gefühlen: „This is what she felt!“ Jetzt kann er mit der Vergangenheit abschließen, die Trauerarbeit nach Donnas Tod ist vorbei. Passend dazu verkünden Opie und Lyla am Anfang der Episode ihre Hochzeitspläne: nach einer der immer wieder sehr schön inszenierten SoA-Musikmontagen.

Opie also schließt mit der Vergangenheit ab, Chibs tut ein Gleiches… und Jax denkt, er habe es auch getan. Aber: Die letzte Musikmontage (Battlemens Cover von Neil Young’s “Hey Hey My My”) – die uns zuerst Clay und Jax zeigt, die einander anlächeln, dann Tara mit den Briefen und schließlich Gemma, mit Abel auf dem Schoß triumphierend auf dem Bett thronend – wird von John Tellers Voice Over übertönt. Der Sons-Prinz Jax Teller hat die Krone noch nicht auf dem Kopf? Will er sie überhaupt? Wird es eine “Return of the King” geben – in der “leiblichen Erbfolge”?

 

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