Sons of Anarchy: Burnt and Purged Away (4×12)

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Wird Opie Konsequenzen ziehen, nachdem er die Wahrheit über den Tod seines Vaters erfahren hat? Kann sich Lincoln seiner Sache sicher sein, oder wird Otto doch noch den Rückzug antreten?

Burnt and Purged Away könnte in dieser Staffel, als Ganzes betrachtet, zu keinem besseren Zeitpunkt kommen. Alles passt, und zwei Figuren bringen den großen emotionalen Schwung in die Episode: Otto (Kurt Sutter) und Opie (Ryan Hurst). Ausgerechnet zwei der “stillen” Figuren aus dem Ensemble also, die in der Regel relativ wenig Screentime bekommen (Otto) oder aber etwas abseits der “wichtigen” Ereignissen stehen (Opie). Abgesehen von seiner Hochzeit mit und Trennung von Lyla agierte Opie im bisherigen Verlauf der Staffel wie ein neutraler Beobachter; doch stets hatte man den Eindruck – vor allem dank Ryan Hursts Performance -, dass es in Opie nur so brodelte und es nur eine Frage der Zeit wäre, bis er hochginge. Denn wie die gescheiterte Beziehung mit Lyla uns vor Augen geführt hat, ist Donna noch nicht vergessen.

Opie und Otto sind diejenigen Samcro-Mitglieder, die die mit Abstand größten Opfer für den Club gebracht und emotional am meisten gelitten haben. Die enge emotionale Bindung zwischen Jax (Charlie Hunnam) und Opie droht vor dem Hintergrund der Ereignisse zu zerbrechen. Schon in der letzten Episode erinnerte Opie daran, dass Jax ihn wieder in den Club zurückbrachte. Nach Donnas und Pineys Tod hat Opie durch den Club schon zwei Familienmitglieder verloren, besser gesagt: Donna und Piney starben durch die Hände seiner “Brüder”.

Sons of Anarchy handelt hier nicht nur den Konflikt zwischen (Stief-)Vater und Sohn, zwischen Clay und Jax ab, sondern auch den zwischen Brüdern, zwischen Jax und dem (Ersatz-)Bruder Opie. Sehr überzeugend vermag Ryan Hurst in dieser Episode Opies Wut und Verzweiflung darzustellen: Opie fühlt sich verraten und verkauft, nicht nur vom Club, sondern auch von Jax persönlich. Er kam zurück in den Club, um Jax den Rücken zu stärken, damit dieser den Kampf gegen Clay gewinnen könne. Durch die gemeinsame Sache zwischen Jax und Clay (Ron Perlman) und Jax’ Wunsch, sich mit seiner Familie zurückzuziehen, bleibt nun letztendlich Opie als derjenige übrig, der das Messer in den Rücken bekommt.

Apropos Messer in den Rücken: Die Episode demonstriert durch das In-Bewegung-Setzen sämtlicher Schachfiguren auf dem Brett, dass keiner vor keinem sicher sein kann, dass keiner davor geschützt ist, hintergangen zu werden. Die Grenze zwischen Freund und Feind schwindet. Wichtige IRA-Anführer treffen in Charming ein, aber sie scheinen weder dem Club Vertrauen zu schenken noch Romeo. Und dieser verfolgt seinen eigenen Plan, der die Sons bestimmt nicht unbeschadet davonkommen lässt.

Lincoln scheint seine Figuren in die derzeit bestmöglichen Positionen manövriert zu haben, um ein Schachmatt zu erreichen – wobei noch nicht ganz klar wird, was wirklich sein Endgame ist. Otto unterzeichnet jedenfalls die Aussage, und Juice teilt ihm die Zeit und den Ort des Treffens zwischen den Sons, der IRA und dem Kartell mit. In der kurzen Szene zwischen Lincoln und Roosevelt sehen wir, dass auch Lincoln Interesse an dem Charming-Heights-Projekt zeigt. Anders als Stahl hat er überall seine Finger im Spiel.

Sons of Anarchy ist dann am besten, wenn Kurt Sutter & Co. ihre Figuren Pläne aus Verzweiflung schmieden lassen, so dass man sich als Zuchauer gar nicht sicher sein kann, in welche Richtung diese zielen. Zum Beispiel erinnerte mich die Geschichte um Juices (Theo Rossi) Verrat zunächst an Jax’ Doppelspiel mit Agent Stahl in der letzten Staffel, aber wir sehen ihn am Ende der Episode eingesperrt in einer Zelle sitzen: handlungsunfähig also. Oder hat er Chibs offscreen noch Einiges erzählt? Auch Gemmas Handlungen dürften bei vielen Zuschauern die Augenbrauen in die Höhe bewegt haben.

Welches Spiel versucht sie aufzuziehen? Übrigens: Tara (Maggie Siff) kann einem tatsächlich Leid tun, denn sie befindet sich genau in der Mitte des Spiels zwischen Clay und Gemma. Sowohl Gemma als auch Clay versuchen, sie auf je eigene Art wie eine Schachfigur herumzumanövrieren, um die Überhand zu behalten – und machen ihr im Zuge dessen Versprechen, die sie nicht einhalten können. Denn bei dem Treffen zwischen Romeo und Clay sehen wir deutlich, dass das Kartell gewillt ist, den Tara-Auftrag zu Ende zu führen – und dass Clay daran nichts ändern kann / will.

So sehr Gemma (Katey Sagal) entschlossen war, Clay tot zu sehen, versucht sie jetzt um jeden Preis, Unsers (Dayton Callie) Plan mit Opie zunichte zu machen. Sie warnt sogar Clay und teilt ihm mit, sie würde ihn lieben. Was bezweckt sie damit? Will sie, dass Clay nur von Jax’ Hand stirbt? In einer vergleichsweise gewaltfreien Episode ragt die Szene in dem Haus heraus, in dem sich die Sons mit den irischen Leadern treffen. Jax findet heraus, dass dieser Ort als Umschlagplatz für Neugeborenenhandel dient. Es folgt eine brutale Massenprügelei zwischen schreienden Kindern in ihren Bettchen. Die Szene ist extrem, und doch scheint Jax’ Reaktion gerechtfertigt angesichts dessen, was er wegen Abel durchmachen musste.

Die Serie stellt Jax gegenüber der IRA nicht unbedingt positiv dar, aber wieder einmal zieht er nicht die letzte Konsequenz daraus. Und darum geht es hier: Konsequenzen zu ziehen. Abdrücken zu können, wenn es zählt. Otto tut es und kann dann zusehen, wie Bobby abgeführt wird: „Time for you to start a list, Bobby.“ Auch Opie entscheidet sich, abzudrücken. Nachdem er Pineys Leiche im Krematorium brennen sah und uns die Kamera symbolisch die brennende Samcro-Jacke zeigte, brennt tatsächlich die Luft, und Opie rast Richtung Clubhaus.

Wieder einmal ein ziemlich schwarzhumoriger Inszenierungszug von Kurt Sutter & Co., Jax Opie mit dem Leichenwagen verfolgen zu lassen… Jax kommt zwar rechtzeitig, kann jedoch Opie die Entscheidung nicht ausreden, obwohl er ihn mit der Waffe bedroht. Opie trifft Clay – ob tödlich, werden wir nächste Woche erfahren. Ryan Hurst brilliert in dieser intensiven letzten Szene. Als Jax auf ihn zielt, ist Opies Blick voller Trauer und gleichzeitig Enttäuschung: vom Club und vor allem von Jax, der die Waffe auf den Falschen richtet. Wer und was ist noch zu retten in Samcro?

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