Sons of Anarchy: Kiss (4×09)

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Die Sons geraten immer tiefer in den Kartellkrieg hinein, während Lincoln seine entscheidenden Schachzüge macht, um allen Organisationen den tödlichen Stich zu versetzen. Dafür aber braucht er Ottos und dann Juices Hilfe. 

„Clay cannot be saved“, sagt Unser zu Gemma, als sie Piney findet und Unser holt. Nein, er kann nicht mehr gerettet werden, aber Gemma will es trotzdem versuchen. Aus Liebe und mit einem Kuss. Dieser Kuss der beiden ist kein Vorspiel zu etwas Größerem oder ein Bekenntnis, sondern ein stiller Ausdruck purer Verzweiflung beim Anblick eines einstürzenden Kartenhauses. Obwohl Unser weiß, welche Gefahr Clay darstellt, hilft er Gemma: aus Liebe. Katey Sagal spielt die Szene grandios, von der Minute, als sie Piney findet und in Tränen ausbricht, bis zu diesem Kuss.

Man könnte nun behaupten, dass die Spannung nur deswegen bestehen bleibt, weil, wie in Unsers Fall – oder aber Juices, zu dem wir gleich kommen werden -, manche Figuren dumme Entscheidungen treffen. Gleichviel: Es funktioniert, denn Sons of Anarchy war noch nie eine Serie über kriminelle Masterminds oder solche des Alltags. Der SoA-Motor läuft mit Gefühlen und Emotionen.

Wir haben oft über Jax’ (Charlie Hunnam) Art gesprochen, auf Situationen zu reagieren: über sein spontanes Handeln aus einem Gefühl heraus. Zwar trifft er so in gewissen Situationen richtige Entscheidungen, kann sie jedoch nicht zu einem Langzeitplan verketten. Vielleicht, weil er damit nicht umgehen kann? Denn wäre es nicht die einzige richtige Entscheidung, der einzige sinnvolle Langzeitplan, die Führung des Clubs zu übernehmen? Während Jax in der ersten Staffel bereit war, sich Clay entgegenzustellen und für gewisse Ideale zu kämpfen, sorgten die Ereignisse in den folgenden zwei Staffeln dafür, “the big picture” vor seinen Augen zu verwischen, so dass er seinen Fokus verlor.

Immer wieder sahen wir ihn deswegen handlungsunfähig: nicht in dem Sinne, dass er einfach tatenlos auf seinen Händen säße, sondern indem er sich selbst und der Wahrheit ausweicht. Wie er zu Piney sagte: Er will es gar nicht wissen! So macht er es sich leichter, dem Club den Rücken zu kehren – und damit auch sich selbst. Kann er das überhaupt?, fragten wir uns immer wieder. Jax hat sich eingeredet, dass John Teller, sein Vater, die Familie und den Club verraten habe, dass er einfach nur naiv und zu sehr in eigene Gedanken verstrickt gewesen sei. Die Erkenntnis über Johns Leben in Belfast hat Jax desillusioniert. Aber wenn er die Wahrheit erfahren würde…

Nur: Jemand muss sie ihm sagen, weil er aufgehört hat, von sich aus nach dieser Wahrheit zu suchen. Das ist auch der Grund, warum Tara ihm die Briefe nicht zeigen will, wie sie in dieser Episode zu Gemma sagt. Denn in ihnen liegt die richtige Entscheidung für Jax, und davor hat Tara Angst. Es geht nicht in erster Linie darum, dass Jax Clay umbringen wird – das wird er -, sondern um Jax’ Rückkehr zu der Erkenntnis, dass sein Platz im Club ist, direkt an seiner Spitze. Von Hamlet bis Sons of Anarchy ist der Verlauf immer der gleiche: Ein neuer König übernimmt den Thron, nachdem er den alten getötet hat.

In Kiss kommt es beinahe dazu in einer Szene zwischen Clay und Jax, die an die erste Staffel erinnert. Nachdem die Sons erfahren haben, wie tief sie im Kartellkrieg stecken, in den jetzt auch die Niners involviert sind, kann nur Jax’ Einsatz ein Blutbad verhindern. Daraufhin redet er mit Clay Klartext und fordert den Rückzug aus der Kartellsache, nachdem sie den großen Waffendeal zwischen Romeo und der IRA abgewickelt haben. „Dr. Pussy is clouding who you are, son“, beendet Clay (Ron Perlman) das Gespräch, als ihm Jax eine Art Ultimatum stellt. Jax dreht sich um, und sein Blick bringt sogar Clay dazu, leicht zurückzuzucken.

Der Punkt ist erreicht, an dem es für Clay kein Zurück mehr gibt – wenn das überhaupt jemals möglich gewesen wäre. In der Situation mit den Niners stellt Jax unter Beweis, dass er ein viel besserer Leader für die Sons wäre als Clay und weiß, was der Club tun muss, um zu überleben. Aber Clay geht es nur noch um das eigene Überleben. Er verspricht Gemma in der sehr schönen, die Episode abschließenden Szene, als die beiden auf den Schaukeln im Dunkeln sitzen, Tara kein Haar zu krümmen – aber dieses Versprechen ist, wie wir sehen, ein typisches Clay-Versprechen. In diese Reihe von Gedanken fügt sich sehr gut die Nebenhandlung um Juice (Theo Rossi) und Lincoln ein.

Chibs hat Jax von dem Selbstmordversuch erzählt; während Chibs und Jax sich nicht sicher sind, was mit Juice passieren soll, gerät er wieder Lincoln in die Fänge, der ihm dieses Mal persönlich schildert, in welcher Situation alle Beteiligten stecken. Das Ticken der Bombe wird immer lauter. Bobbys Worte wird sich Jax eher früher als später zu Herzen nehmen müssen und wollen: „Your solution to a problem will always be a club solution.“

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