Sons of Anarchy: Out (4×01)

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Raus aus dem Gefängnis, raus aus der Belfast-Odyssee, raus aus dem Club? Viele Fans haben sich danach gesehnt, die Sons wieder auf heimatlichem Territorium operieren zu sehen. „Back to the roots“, hieß die Devise.

Obwohl ich die Kritik an der dritten Staffel und der Belfast-Story nicht teile, finde ich die Entscheidung hinsichtlich der Gesamtdramaturgie der FX-Serie richtig und das Timing perfekt, die Clubmitglieder nun wieder unter ein Dach in Charming zu bringen: mit Freunden und Feinden. Denn in der Abwesenheit der Sons hat sich Einiges in der Stadt geändert. Aber dazu kommen wir gleich. Zuerst zum Allgemeinen: Die Konfrontation zwischen Jax (Charlie Hunnam) und dem Club und vor allem zwischen Jax und Clay (Ron Perlman) wurde in der letzten Staffel auf Sparflamme betrieben, da alle mit Abels Entführung beschäftigt waren. Zwar geriet dieser tragende Konflikt der Serie in den Hintergrund, aber dafür bekamen wir mehr Infos über die Clubgeschichte als Familiengeschichte. Denn Familie gehört zu den Hauptthemen der Serie – wenn sie nicht überhaupt das Hauptthema ist.

„To treat you as good as my leather and ride you as much as my Harley“: Endlich sitzen die Sons wieder auf ihren Harleys, Jax’ Wunden sind geheilt (aber nur die physischen), die Haare wurden kurz geschnitten (der Eröffnungssong betont es noch einmal auf auditiver Ebene), Gemma (Katey Sagal) und Tara (Maggie Siff) kümmern sich um seine Söhne… und Big Otto hat einen Plan, betreffend in weich gekochten Eiern geschmuggelte Rasierklingen. Die Eröffnungsmontage – mittlerweile ein SoA-Markenzeichen – verschafft uns einen knappen Überblick, wo die Protagonisten sich befinden und womit sie beschäftigt sind. Out zeigt uns eine Rückkehr und leitet zugleich einen Schnitt in die Wege, der anhand Jax’ abgeschnittener Haare vorweggenommen wird.

Jax plant, die Bindung zum Club zu zerschneiden, sich gleichsam abzunabeln und zusammen mit seinen Söhnen und Tara ein neues Leben anzufangen. Aber was Jax seinen eigenen Worten nach am besten kann, ist „outlaw“. Also muss er mit diesem “Beruf” zuerst genug Geld verdienen, um sich dann mit Tara aus dem Staub machen zu können, denn er weigert sich, nur von Taras Einkommen zu leben. Clay wiederum braucht ebenfalls Geld, bevor es zu spät ist und er Samcro nicht mehr anführen kann, denn der Zustand seiner Hände verschlechtert sich rapide. Jax rechnet geradezu mit Clays Abstieg, um selbst den Club möglichst schmerzlos verlassen zu können.

Die Pläne der beiden werden uns in zwei postkoitalen Gesprächen gezeigt, nachdem zuvor Clay, Jax und die restlichen Mitglieder (Juice mit Haar und leichtem Schnurrbart – ein gewöhnungsbedürftiger Anblick) innerhalb der neuen Konstellation zu Hause einen Plan geschmiedet hatten. Da wir über Schnitte sprachen: Es erwartet die Heimkehrer in Charming ein weiterer. Als sie sehen, dass Hales Firma (er ist jetzt Bürgermeister) ein Riesenbauprojekt auf die Beine gestellt hat, wird ihnen der Heimweg abgeschnitten – vom neuen Sheriff Eli Roosevelt (Rockmond Dunbar, Terriers), der weder käuflich ist noch auf die Sons gut zu sprechen. Sie bekommen sogar ein offizielles Verbot erteilt, ihre Abzeichen in der Öffentlichkeit zu tragen.

Nicht Roosevelt selbst ist jedoch das größte Problem, das auf den Club lauert; auch die Russen sind es nicht. Es ist ein Anderer, den man fast unauffällig einführt. Der schmächtige Mann in Lederjacke auf einem Motorrad ist ausgerechnet der stellvertretende Staatsanwalt (wenn ich es richtig verstanden habe) Lincoln Potter – ein weiterer Präsidentennamenträger, der sich die Sons vorgenommen hat! Potter nimmt Roosevelt an Bord.

Kurt Sutters Liebe zu Deadwood und The Shield bringt weitere Schauspieler aus den beiden Serien in Sons of Anarchy hinein: Ray McKinnon (Deadwood) macht seine Sache in Lincolns Rolle sehr gut; ein Mitglied seines Teams, Agent Grad (benannt nach einem der FX-Chefs Nick Grad), wird gespielt von The Shields Ronnie (David Rees Snell). Außerdem referiert Clay etwas später im Gespräch mit Unser auf Eli als „Wild Black Hickock“. Ironischerweise spielte ausgerechnet Dayton Callie (Unser) in Deadwood Wild Bills besten Freund Charlie Utter.

Apropos Unser: Callie hat zwei kleine Szenen – einmal mit Gemma und einmal mit Clay – an dem einsamen Ort, in seinem noch einsamen Wohnwagen (Retro-Redneck), wo er auf den Tod wartet. Aber er macht aus beiden Szenen Großes. Nach wie vor funktioniert das Zusammenspiel zwischen ihm und Katey Segal in Gemmas Rolle perfekt. Generell stimmt in dieser Eröffnungsepisode, wie eigentlich immer, die Performance des kompletten Casts.

Die Episode endet mit zwei Hochzeiten und einigen Begräbnissen. Zunächst macht Jax Tara den Heiratsantrag, aber noch vor ihnen sind Opie und Layla dran. Outs Ende gleicht dem Anfang: In einer ironischerweise mit “What a Wonderful World” untermalten Montage wird die Heimkehr besiegelt, indem sowohl Otto als auch die Sons Rache an den Russen üben, während Gemma mit Entsetzen Maureens Zettel an Jax findet. Die Sons scheinen einen klaren Schnitt gemacht zu haben, aber ob das wirklich so ist… ? Dies herauszufinden, bleibt uns glücklicherweise eine ganze Staffel.

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