Sons of Anarchy: To Be Act 2 (4×14)

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Wird Jax einen Schlussstrich ziehen und Charming verlassen? Das hängt nicht zuletzt von Lincolns Plan ab, der eine unerwartete Wendung nehmen muss. 

Wie ich schon letzte Woche angemerkt habe: To be or (Not) To Be, das ist die Frage vor der Jax (Charlie Hunnam) steht. Wohl keiner von uns Zuschauern hat ernsthaft erwartet, dass Jax aus Charming weggeht und als Familienvater eine normale Existenz führt. Aber auch keiner hat mit der Art und Weise gerechnet, wie Jax zu bleiben gezwungen wird. Denn letztendlich – wenn auch ein Teil von ihm es will – fällt Jax’ Entscheidung nicht freiwillig: Er wäre weggegangen, wenn nicht die… CIA wäre. Ja, ihr habt richtig gelesen.

Das SoA-Finale will uns nicht mehr lange an der Nase herumführen, und schon am Anfang der Episode bekommen wir die Wahrheit über das Kartell serviert. Das Kartell ist eine reine CIA-Operation, Romeo und seine rechte Hand sind CIA-Agenten. Von der Konstruktion der Episode her gesehen, scheint es vernünftig von den Autoren, dieser Enthüllung weniger dramatisches Gewicht zu verleihen, so dass man sich auf das “Rise of a Son” konzentrieren kann. Rise and Fall: die FX-Serie führt uns nicht nur vor Augen, dass schlechte Entscheidungen zu schlimmen Konsequenzen führen oder aber gute Entscheidungen schief gehen können, sondern dass man eine Entscheidung oft nicht einmal als gut oder schlecht einordnen kann, weil man sie nicht unbedingt freiwillig trifft.

Es ist immer ein Kontext da, sowohl ein emotionaler als auch ein ‘institutioneller’ – sei es ein Motorradclub, sei es die US-Regierung. Und jeder enge Kontext steht in einem größeren, dessen Mechanismus sich dann in Gang setzt, wenn man Grenzen überschreitet: wenn man Gedanken- und Entscheidungsstrukturen unverändert und unreflektiert vom Kleinen aufs Große überträgt. Dass das Ganze in so einem Fall über den eigenen Kopf hinaus wächst, realisiert Jax, als die irischen Bosse einen Deal nur mit Clay machen wollen und nicht mit ihm. Das heißt: Clay (Ron Perlman) muss am Leben bleiben. Jax gibt vor Romeo zu, dass die Situation die Sons überfordert, dass sie mit dem Spiel im großen Stil nicht zurechtkommen.

Sie wollen zu ihrem kleinen Spiel zurückkehren, so wie Roosevelt zu klaren Verhältnissen zurück will: Er ist der Polizist und sein Gegenüber der Kriminelle, den er überführen muss. Fertig. Am Anfang der Episode erkennt sogar Lincoln, dass seine Untersuchungen und Aktionen zu einer Überschneidung in einem viel größeren Kontext geführt haben, als plötzlich Romeo bei ihm auftaucht.

Gerade hat Lincoln alles für das Hochnehmen des Meetings zwischen dem Kartell, den Sons und der IRA mobilisiert – und nun pfeift die CIA einfach alle zurück. Sie benutzt das Kartell, um das Drogengeschäft zu kontrollieren, um andere Kartelle an der Leine zu halten etc. Auch Lincoln ist da machtlos, obwohl er vor seinem Weggang doch noch etwas Gutes schafft: Er gibt Roosevelt die Möglichkeit, Juice (der in seiner Zelle The Shield im Fernsehen schaut!) auf freien Fuß zu setzen und seinen File zu zerstören, und versetzt dem Hale-Charming-Hights-Projekt mit einer interessanten Enthüllung den Todesstoß.

Man kann sogar sagen, dass zwischen Jax und Lincoln eine Parallele besteht – vorausgesetzt, man will die beiden als „good guys“ sehen. Aufstieg und Fall, aber wer spielt welche Rolle? Ist Jax’ Aufstieg nicht gleichzeitig ein Fall? Und ist nicht Lincoln der einzige, der inmitten seines Falls einen Sieg des Guten feiern kann gegen die übermächtigen Strukturen dieser Welt? Was die SoA-Erzählung an sich betrifft und ihre Tradition, in der größere Fische die kleineren ohne Rücksicht auf Verluste benutzen, kommt diese CIA-Enthüllung nicht von ungefähr. Andererseits verpufft so die in den letzten Episoden aufgebaute Spannung.

Nach den letzten Sekunden der Episode bleibt man mit dem Gefühl zurück, dass die Autoren die Figuren dorthin bewegt haben, wo sie sie haben wollten – und nicht dorthin, wo sich die Figuren selbst gern gesehen hätten… Auch die Szene mit Tig, die letzte Woche viel Kritik provozierte, erscheint nun als Mittel zum Zweck, da Leroys Freundin die Tochter eines mächtigen Crimelords ist. Hier hat man die Konfrontation für die nächste Staffel schon angelegt.

Im Finale kracht es nicht wirklich so, wie wir alle erwartet haben; der Krach ist ein eher emotionaler, der wenig an den Charakterpositionen ändert. Andererseits hat man diesen emotionalen Krach schon seit der ersten Episode aufgebaut, und diese Staffel hatte ja versprochen, Jax aus seiner mehr oder weniger passiven Position herauszuholen – ihn die Wahrheit sehen zu lassen und eine finale Konfrontation herbeizuführen, bevor er den Thron besteigen könnte.

Man kann buchstäblich fühlen, wie etwas Schicksalhaftes in der Sons-Mischung mitschwingt, das Sutter & Co. eingebaut haben: alle Ereignisse, alle Puzzleteile fügten sich zusammen zu einem Bild, das es schon einmal gab – dem Bild von John Teller als Clubpräsident am Tisch sitzend, mit Gemma an seiner Seite. Keiner verlässt Charming lebend, und wie man an Jax und Tara demonstriert, liegt die Wahl des Lebens, das man lebt, nicht unbedingt in den eigenen Händen.

Metaphorisch und visuell ein sehr schön umgesetzter Gedanke, wenn auch dramatisch etwas überspielt, als wir am Ende Jax und Tara im Clubhaus sehen: in derselben Position am Tisch, in der auf dem schwarz-weißen Foto Gemma und John zu sehen sind. Ja, es verwandelt sich gar in den letzten Sekunden unter den Klängen von House of the Rising Su/on (White Buffalo & The Forest Rangers) das neue in das alte Bild… Vielleicht möchte die FX-Serie auch Roosevelts Wunsch erfüllen und zu den “einfachen” Konfrontationen zurückkehren? Eigentlich bin ich zufrieden mit dem Finale, aber der fade Beigeschmack will irgendwie nicht weichen…

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