Sons of Anarchy: To Be Act I (4×13)

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Ist Clays Ende gekommen? Und wie beeinflussen die Ereignisse Gemmas Plan? Welche Erklärung wird Jax für die Clubmitglieder finden, so kurz vor dem großen Treffen? Wird das Treffen überhaupt stattfinden, oder geht Lincoln leer aus? 

To Be Act I ist genau so, wie der erste Teil einer Doppelepisode zum Staffelfinale sein soll: Der Tisch unter dem Kartenhaus wird ins Wackeln gebracht, und das Erzittern überträgt sich langsam, aber sicher nach oben – allerdings ohne wirklich eine Karte zum Fallen zu bringen. Wie der Text des Abschluss-Songs in der Episode uns mitteilt: „It’s a hard way to fall.“ Hart, aber unausweichlich. Für wen eigentlich?

Happy bringt dieses Mal den One-Liner der Episode: „He needs to die – like, a lot.“ Er bezieht sich zwar auf eine bestimmte Person, die nicht Clay ist, aber im Kontext der Ereignisse wird damit etwas über die Gesamtentwicklung gesagt – darüber, dass jede/r eine Zielscheibe auf dem Rücken trägt. Darin besteht die Stärke der FX-Serie: Sie legt sich nicht fest. Ein Game of Thrones. bietet großartige Szenen, die aber nicht nur vom Hier und Jetzt der Inszenierung leben, sondern auch von der akkumulierten Spannung über all die vier Staffeln hinweg.

Der Titel erscheint als deutliche Referenz auf Hamlet und damit auf Jax’ (Charlie Hunnam) Schwierigkeiten, endgültige Entscheidungen zu treffen. Er muss sie treffen, er glaubt sie sogar getroffen zu haben – aber dieser Hamlet wird immer noch wie eine Schachfigur durch die Gegend geschoben, indem eigentlich Andere die Entscheidungen für ihn treffen und er sie letztendlich nur übernimmt. Er wählt den Weg des geringsten Widerstands. Die Entscheidungen, die er trifft, resultieren oft aus den zu kurz greifenden Informationen, die ihm zur Verfügung stehen: daraus, dass er die Wahrheit nicht kennt. Aber wollte er sie jemals wirklich kennen? Durch das ständige Stolpern der Sons von einer miserablen und komplizierten Situation in die nächste blieb Jax nie Zeit, die Wahrheit mit sich selbst auszuhandeln.

Er bekommt sie in dieser Episode serviert, aber wie immer garniert mit bestimmten Zutaten, die den ursprünglichen Geschmack entscheidend verändern sollen. In den ersten Minuten der Episode hält Jax Opie (Ryan Hurst) mit einem Schuss in den Arm davon ab, Clay (Ron Perlman) die Kugel der Endgültigkeit zu verpassen. Clay befindet sich zwar in einem kritischen Zustand, aber er überlebt. Vorerst.

Auch wenn Clays Tod sogar von den Fans herbei gewünscht wurde – was für die Leistung der Autoren und Schauspieler spricht, in den Zuschauern diesen Hass bzw. diese Wut auf eine Figur geweckt zu haben -, gefällt es mir, wie Kurt Sutter & Co. mit der Situation umgegangen sind. Man könnte es sogar einen überraschenden Schritt nennen, was die dramaturgische Entscheidung in meinen Augen umso mehr aufwertet. Geschickt verschiebt man den Höhepunkt von der “äußeren” Konfrontation, die alle seit der ersten Staffel herbeigesehnt haben – Clay vs. Jax, Vater vs. Sohn, König vs. Prinz -, hin zu einer “inneren”: Jax vs. Jax. To Be or (not) To Be, das ist die Frage.

I have to kill him, Tara!

Es geht nicht mehr darum, ob Jax Clay töten wird oder wann, sondern welcher Jax es tun wird: der Vater oder der Sohn? Wie wir es ahnten, besteht Gemmas Plan darin, Jax Clay töten zu lassen und ihn dadurch an den Club zu binden. Aus diesem Grund gibt sie ihm die Briefe seines Vaters – mit Ausnahme derjenigen, die über ihre und Unsers Beteiligung an Johns Tod berichten. Geschickt manövriert sich Gemma aus dem Schlamassel heraus, indem sie die Wahrheit erzählt. Zuerst sagt sie Tara alles und bekommt von ihr die Briefe – angeblich um Clay zu stoppen. Aber Clay liegt bewusst- und hilflos im Krankenhaus… und Gemma hat ihre Rechnung ohne Tara gemacht.

Inmitten des eigenen Schachzugs vergisst Gemma, dass sie nicht als einzige “Queen” auf dem Schachbrett steht. Nicht Jax und Clay bekämpfen sich hier, sondern die Frauen. „Tell me you love me“: So lautet der Satz, den Tara (Maggie Siff) als Frage an Jax und später auf dieselbe Art und Weise an Gemma richtet. In der ersten Szene, um Jax’ in seiner Entscheidung zu bestärken, Charming zu verlassen – und in der zweiten, um Gemma (Katey Sagal) in Sicherheit zu wiegen. Währenddessen wachsen die Probleme für Jax weiter an, als er, um die Wahrheit vor den anderen zu verbergen, die Schuld an Clays Zustand rasch auf die Niners schiebt und dadurch einen reumütigen Tig unbewusst auf eine (Selbst-)Mord-Mission schickt.

Dieser versucht Leroy zu überfahren und tötet dabei seine Frau, was zu einer wilden Verfolgungsjagd führt und die Kluft zwischen den Niners und den Sons vermutlich unüberbrückbar macht. Tigs Flucht mit der Unterstützung der anderen Clubmitglieder ist großartig inszeniert, aber die Serie lässt uns irgendwie den faden Beigeschmack spüren, dass Tig wieder einmal eine “Ehefrau”, einen unschuldigen Menschen, durch fehlerhafte Informationen in den Tod schickt und – davon kommt. Damit schickt man ein weiteres Clubmitglied in den emotional-moralischen Abgrund, wo sich Bobby und Juice gerade befinden. Und was ist eigentlich mit Potter? Er scheint nach wie vor zuversichtlich, dass sein Plan aufgeht; aber wir wissen immer noch so herzlich wenig über ihn.

Warum können Romeos Informanten nichts über den Otto-Deal herausfinden, und warum weiß keiner von der Operation? Hat es Lincoln geschafft, alles geheim zu halten – oder hält die Serie noch mehr Überraschungen für uns parat? Der Deal soll stattfinden, aber bevor Jax zum Treffpunkt fährt, sieht er sich im Zentrum des Frauenkrieges. Zunächst erzählt ihm Gemma in einer großartigen Szene die Wahrheit über Clay, indem sie ihre Beteiligung an John Tellers Tod auslässt, gibt ihm die Briefe und überzeugt Jax davon, dass er Clay beseitigen muss. Als Tara eintrifft, bekommt Gemma zu hören, dass sie die andere Frau im Leben ihres Sohnes unbewusst viel zu gut geschult hat für das Spiel um den jungen Prinzen.

Nicht nur weiß Tara von Gemmas Beteiligung, sondern sie gibt Jax die Möglichkeit, Clay zu töten und ungeschoren davon zu kommen… im wahrsten Sinne des Wortes: zu gehen, mit ihr und den Kindern, weg von Gemma und weg von Charming. „He is mine“, wirft sie Gemma den Handschuh ins Gesicht. Mit Gemmas und Clays Gesichtern endet die Episode – und mit den Worten aus dem Soundtrack: „such a hard way to fall.“

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