Castle: Countdown (3×17)

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Jeder, der eine Vorliebe für Agenten-Thriller, Verschwörungstheorien und dergleichen hegt, hat unzählige Male das Entschärfen einer Bombe in letzter Sekunde erleben dürfen. Diese Rettungen in letzter Sekunde kommen oft unlogisch und realitätsfern daher – eine Tatsache, die allerdings eine untergeordnete Rolle spielt. Die Bombe ist immer nur Mittel zum Zweck: um jemanden zum Helden zu machen und / oder Gefühle voran zu bringen.

Man fragt sich, was eine solche ernste Situation in der eher an romantischer Comedy orientierten Erzählung Castles zu suchen hat – und bewirken kann. Kann die Spannung einer lebensbedrohlichen Extremsituation überhaupt funktionieren mit dem Bewusstsein, dass es ein Happy End geben wird? Ich muss gestehen, dass Countdown (Part 2), Castle für mich sehr gut funktioniert – trotz gewisser romantischer Enttäuschungen im Hinterkopf… rein objektives Rezipieren von Serien und Filmen ist nicht möglich, egal, was euch Medienwissenschaft und Kritik erzählen.

Warum also funktioniert diese Episode? Erstens: Man fühlt sich nach ihren letzten Minuten komischerweise genauso erleichtert wie nach Jack Bauers x-tem gelungenen Amerika-Rettungsversuch. Zweitens wird mit Hilfe besagter Extremsituation geschickt mit den Ängsten, Wünschen und Träumen der Castle-Fans gespielt. Es geht nicht darum, ob die beiden Hauptfiguren die Episode überleben: Trotz eingefrorenem, eisig-blau gefärbtem Castle-Titelbild machen wir uns keine ernsthaften Sorgen um die Protagonisten.

Besorgt ist man nur um die Entwicklung ihrer Beziehung. Ich kann mir gut vorstellen, wie enttäuscht manche gewesen sind, dass der Funke, der wieder einmal überspringt, wieder einmal nicht zündet. Zugegeben: dafür war es einfach zu kalt… Spaß beiseite: Vom Titel und von den Ereignissen der Episode ausgehend, kann man das Ganze als eine Art geschicktes, grausam-genussvolles Spiel mit dem Kriegen-sich-Kriegen-sich-Nicht-Thema interpretieren – und selbst genießen. Für die Zuschauer betrifft der Countdown nicht so sehr die Terrorismus-Verschwörung, sondern das Zählen der Minuten, bis Kate (Stana Katic) und Rick (Nathan Fillion) zusammen kommen.

Oder einander wenigstens ihre romantische Gefühle gestehen: I just wanted you to know how much I -. Die letzten Worte kann Kate nicht über ihre zufrierenden Lippen bringen, genauso wie im ersten Teil der Doppel-Episode Castle nicht zu Ende sprechen durfte während der Zweisamkeit im Dekontaminierungszelt. Ich finde, dass die Wirkung dieser Episode sich genau aus diesem Auseinanderdriften der Erzählung ergibt. Keine der Bomben geht hoch, weder die tatsächliche noch die emotionale.

Während auf der ersten Ebene ein Happy-End zu feiern ist, führt die extreme Situation dazu, dass Beckett und… Josh (Victor Webster) sich eine zweite Chance zu geben scheinen. Die Ironie der letzten Minuten, als Castle und Beckett vor der tickenden Bombe stehen und Hände haltend auf die Explosion warten, ergibt sich aus Castles Entscheidung, alle Kabel mit einem Ruck herauszuziehen. Man hat sowieso nichts mehr zu verlieren! Am Ende aber liegt Kate in Joshs Armen.

Die richtige Frage lautet hier: Wenn nicht einmal eine Bombe Castle und Beckett zusammen bringen kann, was dann? Das Herausziehen der Kabel steht auf der einen Seite metaphorisch für die nicht zustande gekommene Aussprache zwischen Kate und Rick – aber auf der anderen Seite ist es tatsächlich die Lösung. Die Beziehung der beiden ist wie ein Umkreisen, wie ein Zögern, welches Kabel man aus dem ganzen verhedderten Haufen wählen soll. Welche Farbe soll man nehmen? Wird es dann das richtige sein? Vielleicht nimmt man einfach alle in die Hand, wenn man nichts mehr zu verlieren hat. Ist die Versöhnung zwischen Kate und Josh genau die Situation, in der Castle nichts mehr zu verlieren hat?

Es ist ein Spiel zwischen Kalt und Heiß, bei dem man ironischerweise vergisst, über den genauen Handlungsablauf der Episode zu berichten.

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