Castle: Kick the Ballistics (4×04)

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Mit Kick the Ballistics, Castle beweisen die Castle-Autoren, dass sie die in der dritten Staffel etablierte Dramaturgie fortsetzen wollen, indem regelmäßig einer “leichten”, humorvollen Episode eine “schwere”, emotionale folgt. Wenn man diese Aufeinanderfolge wie in der vierten Staffel nahezu Schlag auf Schlag ablaufen ließe, könnte bei guter Ausführung ein sehr intensiver Staffelverlauf entstehen. Aber davon sind wir noch weit entfernt, denn Kick the Ballistics, Castle ist gerade mal die vierte Episode!

Oft vergisst man bei der ABC-Serie, dass ihre große Castle-Beckett-Story nur deswegen richtig zum Tragen kommt, weil ihr Kontext stimmt. Und den kreieren die Nebenfiguren. Ohne den Blick von den Protagonisten abzulenken, schaffen sie einen amüsant-charmanten Hintergrund, vor dem die Hauptfiguren glänzen können. Trotzdem müssen sich die Autoren den Vorwurf gefallen lassen, die Lanie-Esposito-Lovestory bis jetzt einfach links liegen gelassen und Ryans Aufgaben auf das Öffnen und Schließen des Vorhangs für die Castle-Beckett-Bühne beschränkt zu haben. Bis jetzt! In Kick the Ballistics, Castle sind die Rollen vertauscht. Während Beckett (Stana Katic) und Castle (Nathan Fillion) in den Hintergrund treten, darf Detective Kevin Ryan (Seamus Dever) ins Rampenlicht treten. Und alle machen ihren Job richtig gut.

Kick the Ballistics, Castle hätte eine nicht nur nette, sondern großartige Episode werden können. Warum diese Kritik? Weil mir der Richtungswechsel innerhalb der Episode nicht gefiel. Warum die 3XK-Wunde öffnen, wenn man weder ein Heilmittel findet noch sie tiefer und schmerzlicher werden lässt? Da Michael Mosley, der den Serienmörder Jerry Tyson großartig verkörperte, jetzt bei Pan Am beschäftigt ist, war er so früh in der Season sicherlich nicht für einen Gastauftritt bei Castle zu bekommen. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, den Cliffhanger aus der Mitte der letzten Season in der Mitte der jetzigen aufzunehmen und aufzulösen? Nun, es ist nicht an mir, den Castle-Autoren Ratschläge zu geben – aber meiner Unzufriedenheit mit dem Verlauf der Episode möchte ich doch Ausdruck verleihen!

Eine junge Frau wird erschossen aufgefunden. Zum Entsetzen aller Beteiligten stellt sich heraus, dass sie mit Ryans Dienstwaffe getötet wurde, die Tyson ihm damals wegnahm. Erinnerungen bedrängen sowohl Castle, der damals nur knapp dem Tod entkam, als auch und vor allem Ryan, der sich die Schuld für das Ganze gibt. Ab diesem Zeitpunkt tut die Serie alles, um Ryan mit einem emotionalen Sturm in die Höhe zu schwingen – und zum Teil funktioniert es, dank der soliden Performance von Seamus Dever.

Der Sturm aber flaut im Laufe der Episode ab bzw. verwandelt sich in ein übertriebenes Melodram, als sich der Fall um das tote Mädchen als eine Missinterpretation von Romeo und Julia entpuppt… Auch die beiden Gastdarsteller der Woche können nichts daran ändern. Lustigerweise tauchten François Chau und Billy Lush zuletzt auch in The Chicago Code zusammen auf, nämlich in O’Leary’s Cow, The Chicago Code. Chau spielte dort den inoffiziellen Boss von Chinatown; in Castles Kick the Ballistics, Castle verkörpert er den chinesischen Mafia-Patriarchen Clifford Lee, dessen Söhne unterschiedlicher nicht sein könnten.

Zwar passt die Auflösung des Falls zum Sturm der Gefühle, aber wenn dieser Sturm in Verbindung mit dem 3X-Killer über die Castle-Dramabühne fegen würde, gäbe es sicher mehr Applaus. So bleibt Kick the Ballistics, Castle für mich eine verpasste Möglichkeit, deren Verwirklichung – da bin ich mir sicher – die Autoren später in der Staffel nachholen werden.

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