Castle: Knockout (3×24)

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Was Castle von vielen als Procedural angelegten Serien unterscheidet, ist nicht nur Nathan Fillion, sondern die Art, wie die Serie ihren handlungsübergreifenden Fall behandelt. Die meisten Procedurals benötigen – abgesehen von Ausnahmen wie beispielsweise The Mentalist – höchstens eine Staffel, um einen Fall zu Ende zu führen; die wenigsten haben, wie Castle, dieses dramaturgische Muster des Staffel-Serienmörders abgeändert. über drei ganze Staffeln hinweg zieht sich bereits der Fall um den Mord an Kate Becketts (Stana Katic) Mutter, ohne zur kompletten Aufklärung gelangt zu sein. Dieses Mal fordert er große Opfer – als Preis, den man bezahlen muss, um von der Stelle zu kommen.

Das soll nicht heißen, dass Castle eine Innovation im Serienbereich oder zu einer “ernsten” Serie geworden sei. Mir gefällt es einfach, wie Castle die Balance zwischen handlungsübergreifendem Fall und normaler Fall-der-Woche-Struktur zu halten versteht. Damit meine ich den Verzicht darauf, am Ende der ersten Staffel eine Entscheidung herbeizuführen, so dass die Figuren mit ihrem Leben und ihren Beziehungen einfach weitermachen könnten. Der Mord an ihrer Mutter hat Kate Beckett verändert, und diese Veränderung nun ihrerseits zu verändern, braucht Zeit.

Den Autoren spielt diese Tatsache direkt in die Karten: Kate Becketts Trauma liefert eine psychologische Rechtfertigung für das Kriegen-sich-kriegen-sich-nicht-Spielchen zwischen ihr und Castle – mit all den losen Enden, die Kate verknüpfen muss, um einen wirklichen Schritt in eine Lebensrichtung zu wagen, um aus ihrem Versteck herauszukommen. Drei Staffeln lang beschäftigt sich die ABC-Serie sparsam mit dem Ereignis aus Kates Jugend und schafft es, Stück für Stück den Einsatz zu erhöhen, indem sie den Kreis der (Mit-)Schuldigen zugleich erweitert und verengt: von unbekannten Beteiligten zu Kate nahe stehenden Menschen.

Irgendwo im Laufe der zweiten Staffel wurde spekuliert – auch meinerseits -, dass Roy Montgomery involviert werden könnte, aber ich habe nicht wirklich daran geglaubt. Man gab uns keinen Hinweis. Aus diesem Grund ist es im Finale tatsächlich ein Knockout für den Zuschauer zu erfahren, dass ausgerechnet Captain Montgomery der dritte Cop im Bunde war – und mit Lockwood und dem Drahtzieher des Ganzen einen Deal gemacht hat, um Kate am Leben zu erhalten.

Um Castles oft wiederholte ironische Worte in den Mund zu nehmen: Das Universum gibt ihm tatsächlich ein Zeichen, um den Durchbruch in dem Fall zu schaffen. Im Kreisabdruck seiner Flasche auf einem File sieht er den Namen, der das Team aus der Sackgasse führt. Der Rest sind Kenntnisse über Schreibmaschinen und ein altes Foto in einer Bar.

Die Licht- und Farbgestaltung in dieser Episode fällt auf. Man hat das Gefühl, dass die ganze Zeit über Sonnenuntergang herrscht, bis auf den Showdown auf dem blau schimmernden Flughafen. Braun, Gelb und Orange sind die dominierenden Farben; das gedämpfte Licht kommt hauptsächlich aus Lichtquellen, die im Bild zu sehen sind, etwa kleine Wand- und Stehlampen. Sonnenuntergang… oder doch Sonnenaufgang? Man kann es verwechseln. Ende oder Neuanfang? Oder vielleicht beides?

Lockwood kommt aus dem Gefängnis heraus und stellt Roy vor die Wahl: Kate Beckett oder Roys Familie? übrigens: Max Martini überzeugt erneut in der Rolle des Hal Lockwood; die Konfrontation zwischen ihm und Roy ist durchaus sehenswert. Castle macht aber keine 180-Grad-Wendung und damit aus Montgomery einen Bösewicht, sondern stellt einen Mann am Ende seines Wegs dar, der am Anfang auf dem falschen Fuß gestanden hat. Roy beendet das Ganze auf dem richtigen Fuß, indem er sich für Kate Beckett opfert und Lockwood mit in den Tod reißt.

Für eine brave “by the book”-Serie wie Castle ist der Mut lobenswert, sich von einem beliebten Charakter aus dem Hauptcast zu trennen – wobei diese Wendung in den letzten Jahren zum dramaturgischen Schachzug geworden ist: viel wirkungsvoller, als die Hauptfiguren in Lebensgefahr schweben zu lassen. Jeder Zuschauer weiß, dass Kate Beckett nicht sterben kann, als ein Scharfschütze sie während ihrer Rede bei Roys Begräbnis niederschießt. Aber es ist Mittel zum Zweck, die richtigen Worte aus Castles Mund herauszubekommen: Kate, I love you. I love you, Kate. Ihr Lächeln. Augen zu. Schnitt. Als einziger Mann in Kates Leben hat Richard Castle immer auf ihrer Seite gestanden und sich kein Stückchen bewegt – mit beiden Füßen auf der richtigen Seite, im Gegensatz zu allen anderen Männern, die ihr nahe standen und stehen.

Wer der Mann hinter der ganzen Geschichte ist? Vielleicht ein anderer, den wir kennen, aber nicht so oft gesehen haben?

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