Castle: Murder Most Fowl (3×08)

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Tunnels, Licht, Dunkel, Ratten, raten und ver-raten: Murder Most Fowl, Castle bietet alles. Die neue Castle-Episode gleicht einem Hamster-Rad, das sich mal langsamer, mal schneller dreht: beim Zuschauen stellt sich das Gefühl einer Vogelfeder ein, die mal gleitet, mal zur Seite geweht wird, auf den Boden fällt… um dann sorgsam aufgehoben und in eine Tasche gesteckt zu werden (wie in Forrest Gump!).

Die Tasche steckt voller Stories über einen Mord, der kein Mord bleibt. Nein, in heutigen Zombie-dominierten Zeiten greift Castle nicht zu Leichen, die sich der Bestattung entziehen, sondern zeigt uns, wie man im heutigen Fernsehen das Tempo einer Geschichte variieren kann.

Murder Most Fowl, Castle läuft wie Ashleys Ratte, auf die Alexis (Molly Quinn) aufpassen muss und die ihrem Käfig entflieht: Die Geschichte verläuft im ersten Teil der Episode in gelenkter, slapstick-leichter Bahn, wie das Gleiten einer Vogelfeder, während sich im zweiten Teil plötzlich das Hamsterrad zu drehen beginnt und eine enorme Geschwindigkeit erreicht. In Chucks Bildschirm-Abwesenheit diese Woche können wir das Ganze folgendermaßen betiteln: “Castle: Das Federvieh vs. Das Fellvieh”.

Murder Most Fowl, Castle spielt in erster Linie auf die Agatha-Christie-Adaption Murder Most Foul an (dies der Titel der Verfilmung: Christies Roman heißt “Mrs. McGinty’s dead”). Bei Castle verwandelt sich jedoch “foul” in “fowl” (Federvieh) und stößt so ein Spielchen auf mehreren Ebenen an. Beginnen wir mit dem Mordopfer, das im Park gefunden wird. Es stellt sich heraus, dass der Mann aus großer Entfernung an- und darauf aus kurzer Distanz niedergeschossen wurde. Ein Profijob?

Castle (Nathan Fillion) sieht natürlich sofort die Möglichkeit einer Verschwörung: The Falcon Killer! Hinter dieser Vermutung steckt eine weitere Referenz: auf das gleichnamige Pulp-Fiction-Buch von L. Ron Hubbard. Filmfreunde werden sicher auch an John Hustons berühmte Verfilmung des Dashiell-Hammett-Romans “Der Malteser Falke” denken: “Die Spur des Falken” (1941). Eine solche Spur nämlich befindet sich ganz materiell in der Hemdtasche des Opfers: eine Habichtfeder. Kates (Stana Katic) Reaktion auf Castles Story-Theorie bleibt jedenfalls auf dem Boden der Tatsachen: A bird shot him three times?

Der Tote arbeitete für die Untergrundbahn und hatte die Aufgabe, die Glühbirnen in den Tunnels auszutauschen. An dieser Stelle lenkt uns Castle geschickt aufs falsche Gleis: Nach Ryans und Espositos Wohnungsdurchsuchung scheint es so, als hätte der einfache Arbeiter Spy-Equipment besessen. Castle und Kate sprechen mit seinem Kollegen und die Federvieh-Verschwörung verwandelt sich in eine Glühbirnen-Verschwörung!

Allerdings: diese wie im Comicbuch aufleuchtende Glühbirne in Richard Castles Sprechblase wird genauso schnell wieder ausgeknipst, als hätte man einen Schalter umgelegt. Einen solchen Schalter hatte übrigens der verstorbene Glühbirnen-Wechsler für die Bahn entwickelt – und er wird eine entscheidende Rolle in dieser Episode spielen. Aber bevor wir uns ihrem zweiten, rasanten Teil widmen, müssen wir das Nest noch weiter nach Hinweisen durchwühlen.

In der Interviewszene zwischen Castle, Beckett und dem Hobby-Ornithologen treibt Castle die Sprachspiele, die die Serie so sehr liebt, auf die Spitze. Der fanatische Vogelfreund entpuppt sich als Konkurrent des Toten (daher das Spy-Equipment!), was die Entdeckung des seltenen Habicht-Pärchens im Central Park betrifft. Castle und Kate gehen eine ganze Weile lang davon aus, dass er über Menschen spricht: Lovebirds! Als dieses Wort fällt, zeigt uns die Kamera ein Close-Up von Kate und Richard, unseren “Lovebirds”, die sich auf kein Nest einigen können…

Der Tote wollte besagte Habichte fotografieren, als er durch Zufall Zeuge einer Kindesentführung wurde. Ab diesem Punkt erhöht die Serie das Tempo und vollzieht einen plötzlichen Stimmungswechsel: Die Referenzspielchen sind vorbei, wie eine Vogelfeder vom plötzlichen Windstoß wird der Situationshumor weggeblasen. Die Leichtigkeit ist verschwunden, man befindet sich auf dem Boden der Tatsachen; ja, sogar weit darunter. Die Showdowns dieser Episode finden nicht zufällig in einem Fahrstuhl und in den Bahntunnels statt! Dort, wo die Ratten hausen.
Die Ratten dieser Episode – in jeder Hinsicht – werden eingefangen und ver-raten sich oder einander. Ob Ashley Alexis die Flucht seines Fellviehs verzeiht? Richtig geraten! Die Castle-Romantik breitet die Flügel aus und schwingt sich wieder in die Höhe.

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