Castle: Nikki Heat (3×11)

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ABC hat, im Stil deutscher Sender, den Castle-Fans eine grausam lange Pause gegönnt, aber man bekam Schub für die Spannungs-Kurve, als ein Szenen-Foto mit Kuss zwischen Castle und einer brünetten Frau im Polizeirevier-Fahrstuhl veröffentlicht wurde. So konnten die Fans die Wartezeit mit Spekulationen ausfüllen und sich selbst mögliche kommende Liebschaften zurechtdichten.

Von Senderseite, wo – im Unterschied zu den deutschen Kollegen – die rechte Hand weiß, was die linke tut, goss man noch mehr Öl ins Fan-Feuer: mit der Nachricht über romantische Verwicklungen innerhalb des Polizeireviers. Bedingt durch den Titel der Episode durfte man also durchaus erwarten, dass zwischen Beckett (Stana Katic) und Castle (Nathan Fillion) etwas passieren würde.

Nicht zu viel versprochen! Allerdings: wie wir in dieser Episode erfahren, läuft so Einiges in Castle way too meta. Die Serie verrät mit Nikki Heat, Castle ihr eigenes Erfolgsrezept: Less is More. Episode für Episode geschieht etwas zwischen Richard und Kate, aber immer nur ein Stückchen, nur so viel, dass Begeisterung und Lust nach mehr beim Betrachter hervorgerufen werden. So pflegen wir Zuschauer eine Erwartungshaltung bezüglich des “Kriegen-sie-sich-kriegen-sie-sich-nicht”, aber sie ist nicht aufdringlich, nicht der Hauptgrund für die Begeisterung.

Wie man als erfahrener TV-Zuschauer weiß, ist ein solcher Zustand sehr schwer zu kreieren – und noch schwerer über einen längeren Zeitraum zu erhalten. Bis jetzt meistern Castles Autoren das mit Bravour! Nikki Heat, Castle ist aus mehreren Gründen eine hervorstechende Episode. Der erste Grund, der einem im Nachhinein einfällt: der Fall der Woche. Doch so hervorragend konstruiert und spannend der auch dieses Mal ist, er gerät trotzdem in den Hintergrund – gemeinsam mit Alexis und Marta, die minimale Screentime bekommen.

Wie könnte es schließlich anders sein, wenn Richard Castle es gleich mit zwei Becketts zu tun bekommt – oder soll ich lieber sagen: mit zwei Nikkis? Die Hitze dieser Episode lässt den Bildschirm schmelzen… und damit auch Castles Ego. Die männlichen Beteiligten an Nikki Heat, Castle werden in deren Laufe förmlich gegrillt im Inferno weiblicher Dominanz.

Die mehr durch ihr Aussehen als durch ihre B-Movies berühmte Schauspielerin Natalie Rhodes (Laura Prepon) soll die Rolle von Nikki Heat in dem Film Heat Wave übernehmen. Sehr zur Unzufriedenheit des Schöpfers Richard Castle! Aber wer interessiert sich in Hollywoods Filmindustrie schon für einen Autor? Wer im Film spielt und höchstens noch, wer Regie führt: das sind die entscheidenden Fragen. (Oder kann mir jemand aus dem Stand sagen, wer Titanics Drehbuch geschrieben hat?)

Castles ironischer Kommentar über die Filmindustrie zieht sich durch die gesamte Episode. Wir erfahren nicht nur von Richards mangelndem Respekt vor Natalies schauspielerischen Künsten, sondern auch, dass sie sein Buch gar nicht erst gelesen hat. Also keine guten Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit.

Zusammenarbeit? Ja: mit Kate Beckett! Denn Beckett hatte sich – ohne Castles Wissen – bereits damit einverstanden erklärt, dass Natalie im Castle-Style bei einer Morduntersuchung mitläuft, um ihrer Figur Nikki Heat besser unter die Haut schlüpfen zu können. Da sich heute Abend auf ABC wieder V durch unebene Stories und einfallslose schauspielerische Leistungen zu schlängeln anfängt, wollen wir diesem Start verbal Tribut zollen: Natalie geht zwar unter die Haut der männlichen Beteiligten, aber indem sie in Kates Haut schlüpft. Von diesem Spielchen lebt die Episode.

Zuerst reagiert Castle ablehnend auf Natalie, während Kate sie willkommen heißt. Im Laufe der Ermittlungen dreht sich das Ganze um, und Natalies fortschreitendes Mimikry sorgt für Gänsehaut – bei Beckett und ihren Kollegen! Bei Kate handelt es sich um Gänsehaut der Horror-Art, und bei den Kollegen… nun ja. Natalie hilft sogar, den Fall zu lösen; Castles Haltung verliert ihre Ablehnung – und es kommt zu dem berüchtigten Fahrstuhlkuss! Mit Fackett, wohlgemerkt (so wird Natalie mittlerweile auf Twitter genannt) Und: Vor Becketts Augen, wohlgemerkt!

Aber Natalies Eintauchen in Nikki Heat endet doch nicht zwischen Castles Bettlaken. Ausgerechnet am Höhepunkt ihrer Verwandlung (Haar, Gesten, Kleidung, Verhalten) findet Castle zu seiner Ablehnung zurück, der doch sonst nie von der Bettkante zu schubsen ist. Weil er das Original bevorzugt? Die Szene zwischen den beiden Frauen, als Natalie Kate fragt, ob Castle schwul sei, gehört zu den besten der Episode: Beckett prustet ihren Kaffee über den Tisch – um dann auch noch erklärt zu bekommen, dass Castles Schreiben über Nikki Heat verbal masturbation sei.

Schließlich gipfelt das Ganze in Natalies Bitte, Beckett solle doch Richard eine Art Erlaubnis erteilen, mit ihr ins Bett zu gehen – für die Recherche! Castle wird von den Frauen in dieser Episode buchstäblich der Ton “ausgestellt”: er bekommt kaum Luft zum Atmen – und erst recht nicht für die berühmten One-Liner, mit welchen er sonst glänzt. Ihm bleiben nur Gesten der Verzweiflung! Die Interaktion innerhalb des Dreiecks Kate-Richard-Natalie ist mehr als gelungen – bis auf die kleinste Szene.

Und davon gibt es viele, die man sogar – Stichwort “Schauspielerei” – ohne Ton schauen kann, um sich einfach nur an der Mimik der Beteiligten, an den kleinen Gesten erfreuen. Wie zum Beispiel Kates Gesicht, als Richard in ihre Richtung Ryan demonstriert, wie man einen romantischen Heiratsantrag machen sollte.

Apropos Ryan! In der Hitze des Gefechts haben wir fast vergessen, wie er verzweifelt versucht, seiner Freundin einen überraschenden Heiratsantrag zu machen. Am Ende der Episode kommt es endlich spontan dazu: und mit Freudentränen in den Augen werden alle Kollegen Zeugen des Ereignisses. Castle ist und bleibt was fürs Herz…
So, jetzt höre ich auf und überlasse euren Kommentaren das Feld, bevor ich der “verbal …” (ihr wisst schon) bezichtigt werde.

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