Castle: One Life to Lose (3×18)

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Welcome to the Writers Room! Heute ist der Tag der Geständnisse, und in euren Kommentaren seid ihr aufgefordert zuzugeben, welche Seifenoper(n) ihr verfolgt (habt). Ich mache den Anfang und gestehe, dass ich gemeinsam mit meiner Oma “Die Sklavin Isaura” geschaut habe, eine der ersten Seifenopern, die im damaligen Ostblock gezeigt wurden. Sie hatte einen solchen Erfolg, dass beispielsweise in Ungarn die Fans Geld sammelten, um Isaura aus dem Gefängnis zu befreien. Brasilien konnte damals von Glück sagen, dass nicht eine vereinte Ostblockarmee an der südamerikanischen Küste lande…

Um den soul strip abzurunden und die Kurve zu den Seifenblasen der Castle-Episode zu kriegen – Seifenblasen mit Verdächtigen, die eine nach der anderen zerplatzen -, gebe ich zu, (teilweise leicht obszöne) Texte für bulgarische Folk-Pop-SängerInnen geschrieben zu haben. Neben “richtiger” Literatur musste man ja auch mit irgendetwas Geld verdienen… will sagen: in einem Satz Liebe, Schwangerschaft, Verrat, Geschwisterzwist, Mord, tödliche Krankheit, Unfall, Inzest, Versicherungsbetrug und noch zehn weitere Nebenereignisse unterbringen. Was einem davon bleibt, ist eine Neigung zu ausgedehntem Satzbau.

So, und damit sind wir genau beim Thema: WSS (Writer, Series, Shipper). Nach wieder einmal viel zu langer Pause kehrt Castle mit One Life to Lose, Castle zurück, einem Seitenhieb auf Nathan Fillions Vergangenheit in der Seifenoper One Life to Live. In diesem witzigen und sich nicht allzu ernst nehmenden Kommentar über das Fernsehen und die TV-Fans dürfen wir hinter die Kulissen schauen: und zwar hinter diejenigen der New Yorker Langzeit-Seifenoper Temptation Lane, zu der, wie wir erfahren, nicht nur Kate Beckett (Stana Katic) eine besondere Beziehung unterhält, sondern auch Martha Rogers.

Amüsanter Weise treten neben David Eigenberg in einer kleinen Rolle auch eine Reihe von Seifenopern-Darstellern als Gaststars auf: Corbin Bernsen, Rebecca Budig, Cameron Mathison und Jane Seymour. Wir könnten uns jetzt ewig und drei Tage mit wissenschaftlichen Konzepten wie parasozialen Beziehungen befassen und darüber mutmaßen, welchen Einfluss fiktionale Erzählungen auf das Leben der Zuschauer haben. Aber sind nicht vielleicht auch die Geisteswissenschaften selbst eine Seifenoper mit einem erstaunlich einfachen Drehbuch, in dem es um Beziehungen geht und darum, wer das Immergleiche immer neu zur Sprache bringt – wie im richtigen Leben?

Man bedient sich… einander, so wie die Assistentin der getöteten Chef-Autorin von Temptation Lane sich der Drehbücher Anderer bediente, um endlich ein Stipendium zu bekommen. Aber um das zu erfahren – viel mehr werde ich nicht verraten -, müssen Castle und Beckett dem Drehbuch des Drehbuchs folgen und Seite für Seite möglicher Verdächtiger durchblättern. Ganz oben auf der Liste steht natürlich eine über die Entwicklungen in ihrer Lieblingsserie verärgerte parasoziale Person – in nicht-wissenschaftlicher Terminologie: eine Shipperin.

Castle baut an dieser Stelle geschickt einen Kommentar darüber ein, für was die so genannten Shipper in der Gesellschaft gelten und wie sie gesehen werden. Denn auch eine Kate Beckett ist Fan von Temptation Lane – und ihre rührende Erklärung an Castle, warum sie es ist, zeigt auf einer anderen Ebene, wie unnötig es ist, TV-Fans nach Kategorien und Merkmalen einzuordnen, hinter denen letztendlich Vorurteile stecken. Aber natürlich, wird man mir sagen, basiert diese Aussage auf einer fiktionalen Erzählung. Nun, um es im Seifenoper-Stil zu wiederholen: Wir alle spielen nach dem Drehbuch des Lebens.
Und in dem steht: One Life to Lose, Castle – Zeit für Esplanie! Castle: Lanie and Esposito. We can call them Esplanie, which is perfect because they are always explaining things!

Vielleicht sollten Castle und Beckett (unter Shippern als Caskett bekannt) sich daran ein Beispiel nehmen: man sollte und könnte (einander) gewisse Dinge er-klären. Vielleicht sollten Kate und Richard beispielsweise mal das Drehbuch links liegen lassen, in dem steht, dass Kates Handy gleich klingelt und “JOSH” auf dem Display steht…

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