Castle: The Final Nail (3×15)

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Es gehört zur dramaturgischen Struktur einer Staffel, den Zuschauern nach Episoden wie Knockdown, Castle eine oder zwei Episoden zum Luftholen anzubieten, bevor das Tempo erneut angezogen wird. Aus diesen überlegungen heraus kann man The Final Nail, Castle als zweite Lufthol-Episode (Füller-Episode klingt so abwertend) bezeichnen. Diese Tatsache schmälert in meinen Augen keinesfalls die Qualität: weder von Lucky Stiff, Castle noch von The Final Nail, Castle.

Letztere liegt unter Meta-Referenzen, Humor und dem Charme der Figuren versteckt. Damit wären wir wieder bei der dramaturgischen Struktur der Staffel als Ganzes. Castle trifft den Nagel auf den Kopf – sei es auf Episoden-, sei es auf Staffelebene: immer zum passenden Zeitpunkt, um die Zuschauer daran zu erinnern, dass es sich bei der ABC-Produktion um eine Krimi-Serie handelt.

In den letzten zehn Jahren habe ich Hunderte von Krimi-Procedural-Episoden gesehen und wage daher zu sagen, dass die Castle-Plots bei aller Leichtigkeit, mit der sie vorgetragen und zu Ende geführt werden, sorgfältig und geschickt geflochten sind: im Agatha Christie-Stil, wie Möbiusbänder. Oben kann unten sein und umgekehrt. Trotzdem präsentiert sich uns das Ganze am Ende als komplettes Bild. Dabei geht es nicht nur darum, die möglichst überraschende Lösung zu finden, sondern über mehrere Stationen zu ihr zu gelangen, wobei unterschiedliche Schicksale den Zuschauern als Fährten dienen.

Die Fälle studieren geradezu menschliche Schwächen. Zu Beweisen werden nicht nur die kleinen Fasern auf dem Teppich, sondern die kleinen Ausrutscher, die uns Menschen unterlaufen, wenn wir unsere Schwächen zu verstecken versuchen. Ohne eine Person zu lieben oder zu hassen, fallen auch keine Fasern auf den Teppich. Nun: Fasern können zwar zu den Beteiligten führen, aber Castle und Beckett müssen Gefühlsstudien betreiben, die Fasern mühsam entflechten, um zu erfahren, wer die Tat warum begangen hat.

Hauptverdächtiger der Woche ist ein alter Freund von Richard Castle (Nathan Fillion): Damian (Jason Wiles), der beschuldigt wird, seine Frau mit Hilfe einer Nagelpistole getötet zu haben. Dieser Verdacht bringt auch den Mord an Damians Vater wieder ans Tageslicht, der vor zwanzig Jahren unter ähnlichen Umständen geschah. Richard Castle kann, vor allem: will nicht daran glauben. Denn Damian ist nicht nur ein Freund: Er hat Castle zu dem Menschen gemacht, der er jetzt ist – so jedenfalls erzählt Castle es Beckett in einer sehr emotionalen Szene. Damian hat Castles erste Schritte als Schriftsteller unterstützt und ihm geholfen. Aber kennt ihn Castle wirklich?

Damians Rolle wird von Jason Wiles aus Persons Unknown gespielt – und der Titel der bereits eingestellten NBC-Serie beschreibt sehr zutreffend Ricks Dilemma. Zwar hat Damian Castles Leben damals zum Besten verändert, aber auch Damians eigenes Leben hat sich verändert. Man könnte sagen, dass beide komplett entgegengesetzte Wege eingeschlagen haben.

Kate (Stana Katic) und Richard geraten bezüglich Damians Schuld heftig aneinander; geschickt vertauschen die Castle-Autoren die Positionen der beiden: Oben ist unten und umgekehrt. Als es um Kates Mutter ging, war Beckett diejenige, die ihre Objektivität über Bord warf, bis man ihr sagen musste: Go home! Genau das bekommt nun Richard in The Final Nail, Castle von Kate zu hören, als er, allzu subjektiv, seine Damian-Erzählung verteidigt. Letztendlich haben beide Recht und können den Mörder wieder einmal gemeinsam festnageln – doch auch im Unrecht sind sie beide, auf der anderen Seite des Möbiusbandes: In Castles Mund bleibt ein fader Beigeschmack zurück, der sich vielleicht durch einen Drink mit Kate (sie lädt ihn ein) am Valentinstag wegspülen lässt.

Was die Serie in dieser dritten Staffel erreicht, ist eine Balance zwischen dunkleren und leichten Episoden, die die Gefühlswelt der beiden Hauptfiguren wunderbar spiegelt. Ja, man kann sagen, dass die Entwicklung von Kate und Richard spiegelverkehrt verlaufen: Kate hat viel von Castles Lebensfreude übernommen, während er durch sie auf den Boden der Tatsachen geholt wurde, zum manchmal tragischen Ernst des Lebens. Im Grunde demonstriert uns die Erzählung der dritten Staffel, wie immer wieder eine der beiden Figuren fällt und von der jeweils anderen aufgefangen wird: Der ganze gemeinsame Weg der beiden verläuft wie ein Möbiusband. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie … auf den Mond landen. Und hiermit wäre der Schlussnagel gesetzt. Jetzt seid ihr dran!

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