Alcatraz: Ernest Cobb (1×02)

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Rebecca und Soto haben kaum Zeit, sich an den neuen Job zu gewöhnen, bevor der nächste Gefangene auftaucht. Verfolgt er ein bestimmtes Ziel? Und wenn ja, wer gab ihm den Auftrag?

Alcatraz hält mit dieser zweiten Episode das Versprechen der ersten. Massenmörder und Scharfschütze Ernest Cobb hält zwar als nächster Insasse zugleich als Fall der Woche her, aber sein Eintreffen deckt andere überraschende Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart auf und stellt die Frage, wie unterschiedlich man Entfernung wahrnehmen kann. Ob jemand uns nah steht oder fern, entscheiden wir nach Gefühl und nach Erfahrung. Aus diesem Grund wird oft über direkten und indirekten Kontakt gesprochen. In der zweiten Episode geht es darum, Menschen von sich fernzuhalten bzw. ihnen näher zu kommen. Die Serie thematisiert das anhand der Beziehungen zwischen den Figuren, aber auch anhand des Falls der Woche. Ernest Cobb konfrontiert uns als Gefangener aus dem Titel mit dem Gefängnisdirektor des Jahres 1960, Edwin James.

Genauso wie Tiller einen „Lieblingsgefangenen“ in Sylvain hatte, ist Cobbs James’ Zielscheibe. Und für den schmächtigen Brillenträger, der sich nichts auf der Welt mehr wünscht als Stille und Alleinsein, sind alle Menschen Zielscheiben. Tötet er, um sie alle zum Schweigen zu bringen – daher die scheinbare Wahllosigkeit im Kern des Aktes? Aber in Alcatraz’ Universum ist nichts zufällig und keine Tat wahllos, auch wenn man selbst noch nichts darüber weiß. Qua Lügendetektor überzeugt Sylvian Houser und Lucy im Verhör davon, dass er nicht weiß, was mit ihm geschah und warum er alles Andere tat – bis auf Tillers Ermordung. Kann er sich aber an Cobb erinnern? In einer der Cobb-Rückblenden sehen wir die Szene mit Sylvain, als er nach dem Gespräch mit seiner Frau ausrastet, mit Cobbs Augen: aus einer anderen Perspektive, aus der Distanz. Cobb tötet auch aus Distanz. Er kommt seinen Opfern nicht zu nahe. Die bunten Farben, die sein gegenwärtiges Erscheinen begleiten, wenn er vor den Morden picknickt,  verleihen den Szenen eine gewisse Unnatürlichkeit; sie erscheinen wie Traumsequenzen, bis der erste Schuss fällt.

Da wir hier über Distanz und Nähe sprechen, muss erwähnt werden, dass Ernest Cobb mit seinen Morden pro 44 Minuten vermutlich in die Network-Geschichte eingehen wird! Vielleicht wird das Ganze ja als Network-tauglich eingestuft, da die Morde schließlich in-direkt ausgeführt werden: von einem Scharfschützen, aus der Distanz… In den Flashbacks stuft der Gefängnisdirektor Cobb als einen Fall ein, an dessen Gehirn Experimente durchgeführt werden können. Den Raum betritt dann Dr. Sengupta, die wir in der Gegenwart bereits als Housers Assistentin (und vielleicht mehr als das?) Lucy Banerjee kennengelernt haben. Also ist Cobbs Auftritt auch kein Zufall: Abgesehen von seinen drei Dreier-Morden schießt er nämlich Lucy nieder, als sie, Madsen und Soto seinen Spuren folgen. Lucy fällt ins Koma, und als Madsen Houser konfrontiert, schreit er ironischerweise: Stop… talking! Genau das schreit Cobbs, als er von seinem gesprächigen Zellennachbarn belästigt wird. Cobb selbst flüstert vor jedem Schuss die gleichen Sätze und Zahlen – 47 Latten in dem Zaun. Dann fängt er an zu zählen, von 1 bis 3. Bei jeder Mordserie erledigt er drei Menschen und zwei Krähen (oder auch 3 und 2?).

Cobbs Morde verlaufen nur teilweise zufällig, wie Madsen erfährt: Hinter ihnen verbirgt sich der Wunsch, immer wieder seine Schwester zu töten, das Mädchen, das von Cobbs Mutter groß gezogen wurde, die zugleich Cobb ablehnte, ihn allein ließ. Allein. Am Ende der Episode ist jede/r der Beteiligten mit sich allein: Hauser (Sam Neill) mit seiner Trauer um Lucy (Parminder Nagra) und Soto (Jorge Garcia) mit seinem Zweifel an dem Job. Madsen (Sarah Jones) scheint am wenigsten emotional involviert zu sein; von ihr bekommen wir zwar nur Procedural-Floskeln (It comes with the job etc.) zu hören, aber vielleicht ist dies die Distanz, die uns auf die richtige Spur bringt? Oder doch die Nähe? Als sie sich mehrere Stunden in Cobbs alter Zelle aufhält, kommt sie ihm nah: seiner Sicht der Welt, seiner Perspektive; diese Erfahrung führt sie direkt zu ihm, zum direkten Kontakt. Genau das erzählt Alcatraz in den ersten zwei Episoden: dass Verbindungen überall möglich sind, dass Distanz, ob zeitlich oder räumlich, sie nicht verhindern kann. Die Spannung ergibt sich aus den Variablen – und aus diesem Grund dürfen wir uns auf die nächste Episode freuen.

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