Alcatraz: Johnny McKee (1×07)

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Kann Dr. Beauregard Lucy helfen? Wie lange wird Hauser Rebecca und Diego die Wahrheit noch vorenthalten können? Der nächste Rückkehrer ist Jack Sylvanes ehemaliger Zellennachbar.

Eigentlich ist es eine gute Sache für Procedurals, wenn der Fall der Woche den Zuschauer sämtliche Figurengeschichten und übergreifenden Handlungen vergessen macht. Bei Alcatraz allerdings bin ich mir nicht sicher, ob das ein positives Zeichen ist. Die neue FOX-Serie lässt sich nur schwer definieren – vermutlich weil sie selbst nicht weiß, was sie sein will. Soll sie die Begierden des Massenpublikums befriedigen, um auf Sendung zu bleiben, oder eine Geschichte aufziehen, die zwar Zuschauer kostet, sich aber die Anerkennung der Kritiker verdient und eine treue Fangemeinde schafft? Schwierige Frage.

Für Mischformen wie Alcatraz, die abgeschlossene Episodenhandlungen mit einer handlungsübergreifenden Mythologie zu verbinden versuchen, kommt es auf die Balance zwischen Vergabe und Vorenthalten von Informationen an, damit das Interesse kontinuierlich steigt. Bisher gelingt es Alcatraz selten, diese Balance zu halten, vor allem aufgrund blasser darstellerischer Leistungen bei zu vielen Klischees. Die Serie zeigt sich unfähig, mehrere Bälle in der Luft zu halten. Trotzdem wollen wir uns den gelungenen Seiten von Johnny McKee widmen. In erster Linie zieht wieder einmal der nächste Rückkehrer den Zuschauerblick auf sich. Die Geschichten der ehemaligen Insassen wirkten bisher durchweg interessant, und die Gastdarsteller machen ihre Sache sehr gut, so dass man sich als Zuschauer bereitwillig auf ihre Geschichten einlässt.

Johnny McKee ist ein Massenmörder, der Gift in unterschiedlichen Variationen als Waffe einsetzt; eine traurige Geschichte liegt im Kern seiner Taten verborgen, der damals Lucy auf die Spur kam. Nur: von Episode zu Episode läuft alles absolut gleich. Gewohnheitseffekte sind schön und gut, aber der immer gleiche Episodenablauf bei Alcatraz bringt die Figuren auch nicht dazu, mehr zu sein als Mittel zum Zweck. Sie brauchen nichts anderes zu tun, als was sie letzte Woche taten. Diego erkennt den Rückkehrer, liefert die Fakten, Rebecca verfolgt ihn, und Hauser ist schlecht gelaunt. Nicht nur wegen Lucy, sondern weil er einfach so ist: Jeder beliebige chinesische Glückskeks würde dasselbe über Hauser sagen!

Die Chemie des so genannten Teams erschöpft sich in der Tatsache, dass sie gezwungenermaßen etwas zusammen machen und in derselben Szene sind. Erneut retten die Rückblenden die Sache – und: Sylvane wird ins Spiel zurückgebracht, unter mysteriöser Erwähnung von Träumen bzw. Nicht-mehr-Träumen. Wahrscheinlich eine wichtige Sache, die deswegen so beiläufig erwähnt wird, damit später ein Überraschungseffekt zu Stande kommt… Jack Sylvane sagt, er könne nicht mehr träumen, während Dr. Hauser erzählt, dass Lucy in ihrem Koma die ganze Zeit über träume. Begleitend dazu macht er die Bemerkung: In our so called reality. Dieser Aspekt der Geschichte dürfte interessant werden, aber bei Alcatraz muss man – so gut die Prämissen auch aussehen – immer um die Ausführung fürchten. Dabei scheinen die Protagonisten durch die große Mysterie auf besondere Art und Weise miteinander verbunden zu sein, aber vor allem Rebecca zeigt kein besonderes Interesse daran, mehr zu erfahren. Und Hauser? Der ist schlecht gelaunt.

Diego tut vielleicht das einzig Richtige: Er besucht Nikki in der Autopsie, damit sie die Möglichkeit hat, ihn anzulächeln und ihren Schutzanzug auszuziehen, so dass er ihren… Superhelden erblickt (auf dem T-Shirt). Johnny McKee, der Mörder der Woche, ist ein begnadeter Chemiker. Darin liegt die Ironie der Geschichte: Alcatraz braucht mehr Chemie – in jedem Sinne, sowohl für die Figuren als auch für die Geschichte…

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