The Chicago Code: Black Sox (1×11)

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Gibbons und Teresa umkreisen einander wie zwei Haie, während Jarek sich mit familiären Angelegenheiten befassen und auch noch einen brutalen Mord untersuchen muss, bei dem politisch Einiges auf dem Spiel steht.

That’s not who I am. Diese Worte kommen aus dem Mund einer Figur, die verzweifelt versucht, ihre Entscheidungen zu rechtfertigen. In Black Sox müssen die Beteiligten einander Vieles erklären. Nichts ist so, wie es zu sein scheint – und während manche es kommen sahen, treffen die Enthüllungen andere unvorbereitet. Natürlich ist hier in erster Linie die Rede von dem noch inoffiziellen Krieg zwischen Gibbons und Teresa, der in die nächste Runde geht: Öffentlich lässt man sich zwar nichts anmerken, aber die beiden verdächtigen einander, einander zu verdächtigen und auszuspielen.

Gibbons (Delroy Lindo) übt Druck auf Teresa (Jennifer Beals) aus, um einen von ihm vorgeschlagenen Polizisten zum Chef der Gangs Investigation Unit zu machen. Der Haken daran: Genau diese Einheit untersucht die irische Mafia – und dadurch indirekt auch Gibbons’ Machenschaften. Zum Glück gibt es noch Menschen im Büro des Bürgermeisters, die hinter Teresa stehen, und sie schafft es, Gibbons’ Falle zu umgehen. Aber das bleibt nicht unbemerkt. Gibbons: Either she thinks she’s not going to be in her job in six months, or she thinks I’m not going to be in mine.

Die Szene, als Teresa allein im Restaurant sitzt und Gibbons am Nebentisch seinem Berater diese Worte zuflüstert, ist hervorragend gefilmt und geschnitten. Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen den beiden wird durch die kurzen Ausschnitte von Close-Ups ihrer Gesichter betont. Die Perspektive wechselt hin und her; stets befinden sich im Bild Hindernisse zwischen den beiden, doch anstatt den Blick auf den jeweils anderen zu versperren, wird der umso mehr in den Fokus gebracht: Der Krieg ist erklärt – und die Kontrahenten sind aufeinander fixiert, um ihn zu gewinnen.

Während Teresa sich auf Kriegsterritorium begibt, hat Jarek (Jason Clarke) den Krieg im privaten Bereich, der mehr ein Krieg gegen sich selbst war, verloren. Er will zu seiner Ex-Frau zurück, aber sie weist ihn ab. Im nächsten Zug weist er seinerseits seine Verlobte ab und erzählt ihr die ganze Wahrheit in einer sehr bewegenden Szene. That’s not who I am: man hört ihn es fast sagen – aber er tut es nicht. Denn es wäre eine weitere Lüge.

So wie sein eigener Bruder seine Frau belogen hat. Endlich wird Vonda stärker in die Haupthandlung involviert als in den letzten Episoden, wo sie und Isaac fast wie eine separate kleine Soap funktionierten. Sie findet heraus, dass ihr Vater eine Freundin hatte – und, viel schlimmer, dass Jarek Bescheid wusste. Er versucht Vonda zu erzählen, dass ihr Vater ein guter Mann war, aber der Schmerz einer Lüge lässt sich mit solchen Erklärungen nicht wegwischen. So kommen wir zurück zum Anfang dieses Textes: zum Fall der Woche, bei dem ein Gay-Community-Leader brutal ermordet wurde. Neben den wieder einmal großartigen Verfolgungsjagden auf Chicagos Straßen bietet der Fall eine sehr gelungene Wendung: Das vermutete Verbrechen aus Hass entpuppt sich als Verbrechen aus Liebe. Der angebliche Zeuge Aaron Fash tötete seinen Ex-Liebhaber, der nichts mehr von ihm wissen wollte.

Genauso wenig will FOX von The Chicago Code wissen:  Wie auch Lie to Me und Human Target wurde die US-Serie von der schlechten Nachricht ereilt, dass sie abgesetzt wurde. Natürlich ist TCC keine Offenbarung seines Genres, aber heutzutage mangelt es in der TV-Landschaft an guten Cop-Serials – und TCC war gerade dabei, Fahrt aufzunehmen. Schade, dass FOX wieder einmal so schnell am Abzug ist.

Doch wenn ein Sender sein Programm umkrempeln will – nach dem Motto: That’s not who I am -, dann gibt es unausweichlich Opfer. Für den Showrunner Shawn Ryan verlief die Season undankbar, da er neben TCC und Terriers auch an Lie to Me beteiligt war und die Serie in meinen Augen in eine sehr gute Richtung gelenkt hat. Aber weder FOX noch die Zuschauer sind dieser Meinung – und man kann nur hoffen, dass Ryan demnächst bei einem der Kabelsender mehr Erfolg hat und an glorreiche The Shield-Zeiten anknüpfen kann.

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