The Chicago Code: Review der Pilotenepisode (1×01)

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Schafft man es, im Kampf gegen die Schattenseiten einer Stadt auf der richtigen Seite zu bleiben – oder geht der Überblick irgendwann verloren? The Chicago Code begibt sich auf die Suche nach der Antwort.

Chicago scheint momentan ein Magnet für Fernsehproduktionen zu sein. Nach CBS’ “The Good Wife” und Showtimes “Shameless” nimmt Fox’ neues Cop-Drama The Chicago Code den Zuschauer mit in die windige Metropole. Und von der ersten Minute an verspricht diese Reise rasant zu verlaufen. Nach den glorreichen sieben The Shield-Staffeln, mit welchen Shawn Ryan & Co. die Genre-Messlatte sehr hoch legten, folgten aus Ryans Feder The Unit, eine Staffel Lie to Me und traurigerweise nur eine Staffel Terriers. Jetzt kehrt Shawn Ryan zurück zur Cop-Welt: mit all ihren Schattenseiten und Herausforderungen.

Nach nur einer Episode kann man The Chicago Code kaum mit anderen Serien des Genres vergleichen – und schon gar nicht die Erzählung Grund legend beurteilen. Allemal jedoch können wir feststellen, dass die Serie versucht, ein energiegeladenes Porträt einer ebenso ambitionierten wie korrupten Stadt zu zeichnen, was im Piloten durchaus gelingt.

Die Erzählung legt ein hohes Tempo vor; man vergeudet keine Sekunde, um Informationen über die Figuren und ihre (vorläufigen) Positionen auf dem Schachbrett zu liefern. When my father pinned the Chicago P.D. badge on me, he told me to shake hands with the good citizens of this city using a velvet glove. But keep a razor blade hidden between your fingers for the ones who forgot their manners, sagt Detective Wysockis Stimme aus dem Off. Voice-Over-Einsatz ist im Genre zwar nichts Neues, aber in The Chicago Code verbindet man solche Erzählungen geschickt mit temporeich geschnittenen Rückblenden, die uns nicht nur die Vergangenheit der Figuren vor Augen führen, sondern uns auch in ihre innere Welt versetzen: ihre Ziele und die jeweilige Motivation, sie zu erreichen, werden uns transparent gemacht. Die Kommentare sind pointiert und gut geschrieben. Und manchmal gibt es einen Filmriss, der den Zuschauer in die brutale Gegenwart der Straßen Chicagos zurückholt.

Der neue Trend, „on location“ zu filmen, gehört zu den positiven Entwicklungen in der TV-Industrie. Laut den The Chicago Code-Produzenten hat man die meisten Szenen tatsächlich in Chicago aufgenommen. Die Bilder der Serie lassen sich am besten als Hybrid aus Hochglanz-Bruckheimer-Procedural-Look und dem grobkörnig-düsteren Anlitz von The Shield beschreiben. Jedoch scheint The Chicago Code hierbei, was die Erzählung betrifft, keinen Mittelweg zu wählen, sondern von Anfang an zu demonstrieren, dass es sich hier um ein fortlaufendes Katz-und-Maus-Spiel auf beiden Seiten des Gesetzes handelt – und auch zwischen ihnen.

Wir lernen, dass Chicago einen eigenen Weg gefunden hat, mit Problemen umzugehen – und wer mit diesen Umgangsformen nicht umzugehen weiß, kommt unter die Räder. Was aber, wenn man an diesen Regeln rüttelt? Das erscheint unmöglich – doch Detective Jarek Wysocki will es trotzdem versuchen.

Wysocki wird gespielt von dem Australier Jason Clarke (“Brotherhood”), der den Zuschauer relativ schnell für seine Figur einzunehmen vermag. Wysocki ist ein Guter. Warum? Weil er Audrey Hepburn liebt, profanes Benehmen hasst und auf seine Nichte aufpasst (die auch bei der Polizei arbeitet), da sein Bruder im Dienst getötet wurde. Natürlich hat Wysocki auch andere Seiten: Er ist mit einer jungen Frau verlobt, hat aber noch Einiges für seine Ex übrig – und sie für ihn. Außerdem wechselt Wysocki jeden halben Tag den Partner, da seiner Meinung nach keiner zu ihm passt. Vielleicht, weil nichts die Arbeit mit seiner Ex-Partnerin Teresa Colvin (Jennifer Beals) ersetzen kann? Sie nämlich ist rasch die Berufsleiter hochgeklettert und wurde kürzlich vom Stadtrat Patrick Gibbons (Delroy Lindo) zur Polizeichefin ernannt.

Gibbons hängt offenbar dem Eine-Hand-wäscht-die-andere-Code an und pflegt Verbindungen zur irischen Mafia. Colvin sollte zwar seine Puppe werden, aber heimlich ist sie dabei, nur zu schnell die Ziehfäden abzuschneiden. Jennifer Beal, die zuletzt bei Lie to Me zu sehen war, überzeugt in ihrer Rolle – und die Serie tut gut daran, weder irgendeine Art von sexueller Chemie zwischen ihr und anderen Figuren noch die Frau-behauptet-sich-in-Männerwelt-Thematik in den Mittelpunkt zu rücken. Colvin hat eine machtvolle Position erreicht und will alles dafür tun, Menschen mit noch machtvolleren Positionen zu Fall zu bringen – Menschen, die ihre Macht missbrauchen.

Kann man das aber erreichen, ohne selbst an ihre Stelle zu geraten? Wird Colvin überhaupt dazu kommen? Denn Feinde macht sie sich in kürzester Zeit – auf beiden Seiten. Und bekommt die erste Konsequenz zu spüren. Schon im Piloten spielt The Chicago Code Highstakes: Es wird ein Anschlag auf Teresa verübt. Ihre schusssichere Weste rettet sie, aber ihr treuester Mitarbeiter verliert sein Leben. Dieser Vorfall veranlasst Wysocki, gemeinsam mit seinem neuen Partner Caleb Evers (Matt Lauria) – der erstaunlicher Weise mehr als einen Vormittag mit Jarek überstanden hat -, sich Teresas Kreuzzug anzuschließen. “This city survived the great fire and ended up building the world’s most beautiful skyline,” sagt Wysocki. “Because if there’s anything that Chicago knows, it’s how to punch back.” Wenn das kein Versprechen ist! Bleibt abzuwarten, ob die neue FOX-Serie es halten kann.

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