Mad Men: Chinese Wall (4×11)

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Wie sieht es mit der Zukunft der Agentur aus? In dieser Episode erfährt man, dass die eigenen Wände nicht nur dem Schutz dienen können, sondern einem auch im Weg stehen.

Die Chinesische Mauer und Domino-Steine: was haben sie gemeinsam? Sie stehen und (ver)fallen. Sie werden aufgebaut – je länger, desto unübersichtlicher. Und desto lauter der Krach, wenn alles in sich zusammenfällt.

Die chinesischen Mauern, die die Figuren in Mad Men um ihre Doppelleben herum aufbauen, besitzen, wie wir sehen, die Stabilität von Kartenhäusern: man braucht nur zu pusten. Don weiß das. Aber jetzt erfahren auch andere, welche Konsequenzen ein Doppelleben nach sich zieht, bei dem man sogar sich selbst auszuspielen versucht. Fangen wir mit Rodger (John Slattery) an:

Rodger belügt nicht nur seine Frau wegen Joan (Christina Hendricks), sondern auch seine Partner bezüglich Lucky Strike. Aber die chinesische Mauer aus Karten, die er so sorgfältig um sich herum errichtet hat, überdauert diese Episode nicht. Am Ende sieht er, was davon übrig bleibt, nachdem auch Joan Schluss gemacht hat: seine gerade veröffentlichte Biographie – Sterling Gold. Dieses Gold hat seinen Glanz verloren. Hat es überhaupt irgendwann geglänzt? Laut Cooper nimmt man Rodger deswegen nicht ernst, weil er sich selbst nicht ernst nimmt…

Chinese Wall beginnt mit einem Schock für SCDP. Während Ken Cossgrove ein Abendessen mit seinen zukünftigen Schwiegereltern genießt (in der Rolle des Vaters: Ray Wise!), teilt ihm sein Bekannter von der Konkurrenz mit, dass Lucky Strike rüberwandert. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht, und am späten Abend treffen sich die Partner in Rodgers Büro. Cooper im Pyjama – awesome! Rodger ist gezwungen, ein umfängliches Schauspiel zu inszenieren, um seine Schuld zu verbergen. Doch selbst ein gefakter Anruf bei Lucky Strike kann sein Kartenhaus nicht mehr retten: es ist bereits zusammengebrochen. Als Rodger später Joan mitteilt, dass er über Lucky Strike schon Bescheid gewusst habe, kann man an ihrem Gesicht nicht nur Mitleid, sondern auch Verdruss und Entrüstung ablesen.

Chinese Wall bringt einen melancholisch-pathetischen Abgesang auf Rodger. Wir sehen ihn allein gelassen in seinem Office stehen, eingerahmt von der Tür, in einem Long Shot. Wofür lebt er? Für eine gefakte Ehe? Für eine Firma, die ihn nicht gebrauchen kann?

Pete (Vincent Kartheiser) im vergleich zu Rodger kann eine Entscheidung treffen. Er ist von enormer Wichtigkeit für SCDP, aber auch die Konkurrenz erkennt das und will ihn haben. Wird Pete zu seinem Job und zu der Partnerschaft in SCDP stehen? Er ist jetzt auch Vater, das heißt, er muss für seine Familie sorgen? Aber wird es soweit kommen, dass die Agentur wieder einmal auseinanderfällt. Ich glaube nicht, dass Matt Weiner auch diese Staffel mit einem solchen Schlusspunkt beenden wird. Peggy und Don werfen auf jeden Fall alles ins Spiel, um Sieger zu bleiben. Don überschreitet auch die letzte Grenze und bittet Faye darum, ihren Ehrenkodex und etliche Ethik fallen zu lassen, und ihm Treffen mit potentiellen neuen Kunden zu organisieren. Sie ist geschockt von diesem Wunsch.

Man sieht, wie er in den letzten Episoden Faye mehr oder weniger dazu gebracht hat, selbst eine chinesische Mauer aufzubauen, aber eine um die Geheimnisse herum, mit welchen er sie belastet. Wir erinnern uns an den Blick, den Don letzte Woche auf Megan richtete. Ich war mir nicht sicher, wie ich ihn deuten soll – Interesse, Dankbarkeit, Bewunderung? Es erweist sich als die sehr einfache Variante: Interesse. Nachdem er den Streit mit Faye hat, schläft er mit Megan auf dem Sofa in seinem Büro. Obwohl man muss gestehen, dass Megan die Initiative übernimmt. Im Vergleich zu Allison scheint sie sich nicht eine Beziehung zu versprechen, sondern  mehr. So wie Peggy zu sein? Nun, Peggy ist in dieser Episode mehr Don. Zuerst führt sie ihr „Doppelleben“ fort, indem sie mit Abe ins Bett geht und dann beflügelt von diesem Ereignis liefert sie eine Kundenpräsentation ala Don Draper: Sie vermischt eigene Gefühle, gar autobiographische Elemente in ihrer Darbietung genauso wie Don damals in dem Kodak Carousel-Pitch.

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