The Walking Dead: Guts (1×02)

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Die Welt von The Walking Dead besteht nicht nur aus Zombies, wie Rick in dieser Episode erfährt. Aber ob das eine heilsame Erfahrung ist?

Während der Pilot von The Walking Dead leise verlief und den Blick von außen auf eine Welt eröffnete, in der jede Hoffnung verloren gegangen zu sein scheint, ist die zweite Episode Guts laut – und wie der Titel verrät, ermöglicht sie den Blick von innen. Laute Geräusche bilden die rote Linie, der es in Guts zu folgen gilt.

Sahen wir im Piloten überwiegend High-Angle-Aufnahmen (aus der Vogelperspektive), die einen Panoramablick boten, dominieren in Guts Close-Ups und Medium Shots. Dahinter steckt durchaus Absicht, denn wie schon erwähnt, arbeitet sich die Serie von außen nach innen vor. Sie präsentiert uns nun den Großteil des menschlichen Casts. Im Piloten folgten wir der Stille – jetzt folgen wir den Geräuschen, wie es die Zombies tun.

Rick hört auf die Anweisungen der Stimme aus dem Funkgerät, kann aus dem Panzer entkommen und den Walker-Horden entfliehen. Die Stimme bekommt einen Träger: Sie gehört einem jungen Mann namens Glenn (Steven Yeun). Glenn und Rick schaffen es bis zu einem Einkaufszentrum, wo andere Überlebende warten – aber sie sind nicht glücklich über Ricks Eintreffen. Weil es Lärm verursacht hat! Rick erschießt mehrere Zombies, um den Weg frei zu schaufeln, was dazu führt, dass das Einkaufszentrum umzingelt wird. T-Dog (Robert ‘IronE’ Singleton – Overacting kann zu viel des Guten sein), Jacqui (Jeryl Prescott), Morales (Juan Gabriel Pareja) und Andrea (Laurie Holden) geben Rick die Schuld an ihrer Situation.

An dieser Stelle entfernt sich die Serie von den Comicbüchern, in denen Rick in Atlanta nur auf Glenn trifft und der Rassist Merle Dixon (Michael Rooker, bekannt aus vielen Bösewicht-Nebenrollen und der Hauptrolle in Henry: Portrait of a Serial Killer) als Figur gar nicht existiert. Ich schätze, die Autoren der Fernsehserie wollten möglichst viele Konflikte schüren und für mehr Mensch-zu-Mensch-Action sorgen. Denn Merle greift sich aus Lust und Laune eines der farbigen Gruppenmitglieder und prügelt auf den Mann ein.

Hier greift The Walking Dead wieder auf altbewährte Western-Traditionen zurück. Sheriff Rick (John Wayne) überwältigt Merle und erklärt ihm in Searchers-Style: I’m a man looking for his wife and son. There’s us and the dead. We survive this by pulling together, not apart. In diesen Überresten von Zivilisation sind Geschlecht und Hautfarbe egal, denn alle sind nur Fleisch. Gefressen werden oder nicht gefressen werden: so lautet die Frage, die sich jeder stellen soll.

Damit man nicht gefressen wird, muss man schon tot sein – oder wenigstens tot „riechen“. The Walking Dead beschleicht definitiv alle Sinne… Damit Rick und die anderen zu einem LKW gelangen können, kommt Rick die Idee, Glenn und sich selbst mit Fleisch, Blut und Innereien eines Toten zu beschmieren. Obwohl sehr blutig, ist die Szene, in der Rick den Körper zerhackt und das Gedärm herausgeholt wird (We need more guts!), sehr schön gefilmt: mit einer Klarheit, die uns alles buchstäblich riechen lässt. Die darauf folgende Sequenz mit Rick und Glenn, zwischen den Zombies wandelnd und ihr Verhalten nachahmend, birgt Slapstick und Spannung zugleich.

Merle wird auf dem Dach des Einkaufszentrums zurückgelassen; als aber T-Dog die Handschellenschlüssel unabsichtlich in das Loch fallen lässt und dann flieht, stößt er den Werkzeugkasten um. Wir dürfen also damit rechnen, dass Merle wieder auftauchen wird, um sich an den anderen zu rächen… Oder folgt man auch in diesem Fall den Gesetzen der Dramaturgie nicht, wie bei Rick und der Granate? Am Anfang nimmt man sich die Zeit, uns zu zeigen, dass Rick eine Granate findet – aber allen Erwartungen zum Trotz geht sie bis zum Ende der Episode nicht hoch. Man wartet buchstäblich darauf, aber es geschieht nichts. Vielleicht sparen sich die Autoren die Granate für einen späteren Anlass auf, genauso wie Merle?

Zu früh, um hier Urteile zu fällen. Das gilt auch für die anderen Überlebenden im Lager, allen voran Lori und Shane. Trotz ihrer Romanze, der sie in den Wäldern freien Lauf lassen, verbringen wir wenig Zeit mit ihnen und den anderen Lagerbewohnern. Aber wir lernen Dale (Jeffrey DeMunn) und Amy (Emma Bell) kennen, Andreas Schwester. Sie besteht darauf, der Gruppe in Atlanta zu Hilfe zu eilen, aber Shane schreibt sie einfach ab.

An dieser Stelle wechselt der Blick wieder auf Rick & Co.; es bleibt ungeklärt, was die Gruppe um Amy tun oder nicht tun wird. Ricks und Glenns Rettungsaktion wird ein voller Erfolg, denn während Rick alle in den LKW lädt, lenkt Glenn die Zombies ab – mit einem blutroten Dodge Challenger, dessen Alarmanlage auf Hochtouren jault und in dem er Atlanta anschließend verlässt, mit voller Geschwindigkeit über die leere Autobahn.

 

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