The Walking Dead: Tell It To The Frogs / Vatos (1×03 / 1×04)

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Kann Merle noch gerettet werden? Wie lange wird das Lager der Überlebenden vor Zombie-Attacken sicher sein? The Walking Dead liefert mit dieser sehr starken Episode die Antworten.

Tell It To The Frogs legt den dramaturgischen Grundstein für den weiteren Verlauf der Staffel. Rick Grimes findet im Lager seine Familie wieder, und es werden die Beziehungen und Konflikte zwischen den Überlebenden dargestellt. Allerdings gehört die beste Szene der Episode Merle, der weiterhin auf dem Dach angekettet ist: Im Teaser sowie angesichts der Zombies, die die Tür zum Dach stürmen, liefert er ein Monolog, der trotz seiner antipathisch angelegten Figur den Zuschauer erschüttert und die Verbitterung über die gottverlassene Welt zum Ausdruck bringt. In dieser Welt hat man nicht mehr die Sicherheit, dass man seinen Nächsten noch einmal sehen wird…

Trotzdem lässt Rick seine Familie zurück, um zusammen mit Merles Bruder Daryl, Glenn und T-Dog nach Atlanta zurückzukehren. Damit lässt er das Lager in Shanes Hand, der, erschüttert durch Ricks Auferstehung von den Toten und Loris abweisende Haltung, Ed brutal zusammenschlägt: weil der seine Frau misshandelt. Diese Brutalität – zuerst seitens Ed, dann seitens Shane – ist Teil des alltäglichen Lebens dieser Menschen geworden: Sie sind sich selbst die schlimmsten Feinde.

Vatos kommt meiner Meinung von allen bisherigen Episoden der Qualität des Piloten am nächsten. Sie befriedigt die Bedürfnisse der Zuschauer vollauf, sowohl was Zombie-Action als auch was psychologische Studien der Überlebenden betrifft. Vatos ist, genauso wie die vorherige Episode, eine runde Sache: Sie beginnt mit einer ruhigen Szene zwischen den Schwestern Andrea und Ami, die angeln und sich an ihren Vater erinnern. Ihr Gespräch über Knoten verwandelt sich in eine Reflexion darüber, wie es ist, die Menschen zu überleben, die man liebt.

Die Episode endet mit Amis Tod in Andreas Armen: und Ami ist nicht das einzige Opfer, denn das Lager wird von den Zombies überfallen. Vielleicht genügen die Gräber, die Jim (Andrew Rothenberg) schon fertig gebuddelt hat? Am Anfang der Episode gräbt er stundenlang unter der brennenden Sonne und sorgt mit seinem Verhalten für Besorgnis unter den Lagerbewohnern, so dass Shane ihn für eine Weile an einem Baum festbinden muss. Das Graben ist nicht nur eine Expression seiner Trauer um seine tote Familie, sondern etwas, wovon er geträumt hat – sagt er am Ende der Episode. Nicht nur Erinnerung also, sondern auch eine Vorahnung kommender Ereignisse.

Die Rettungsaktion für Merle geht schief, aber auf unvorhergesehene Art und Weise. Nachdem die vier Männer festgestellt haben, dass es Merle auch mit einer Hand aus dem Gebäude hinaus geschafft hat, holen sie Ricks Waffen. Dann taucht eine mexikanische Gang auf und entführt Glenn. Rick und Daryl haben aber ebenfalls ein Gang-Mitglied gefangen genommen.

Wer nun einen Showdown zwischen Gangleader Guillermo, seinen Leuten und Ricks Gruppe erwartet, liegt falsch. Es erweist sich, dass die Mexikaner ein Gebäude voller Kranker und alter Menschen verteidigen und nur deswegen Ricks Waffen brauchen. Diese sehr schnelle Einführung zahlreicher neuer Figuren und ihre scheinbare Belanglosigkeit für die Erzählung können natürlich irritierend wirken: denn die Begegnung in Atlanta hat keine weiteren Auswirkungen, und Rick & Co. kehren zurück ins Lager.

Man muss aber bedenken, dass den Produzenten nur sechs Episoden zur Verfügung standen – ohne Gewissheit, ob ihre Serie verlängert würde. Aus diesem Grund versucht man, die Figuren möglichst schnell einzuführen. Wie viele von ihnen werden uns für längere Zeit erhalten bleiben? Ed und Amy sind tot, Merle ist weg. Früher oder später wird es überdies zwischen Rick und Shane zu Problemen kommen. Und das Lager ist anscheinend nicht mehr Zombie-sicher. Also: Quo vadis, Domine?

 

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