The Walking Dead: Wildfire (1×05)

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In dieser Episode kommt es, das Schicksal der ganzen Gruppe betreffend, zu einer Konfrontation zwischen Shane und Rick. Können sich die beiden einig werden? Kann es überhaupt Hoffnung und Rettung geben?

Wildfire ist nicht nur eine sehr intensive Episode, sondern auch eine sehr persönliche. Über ihre gesamte Länge macht der Regie führende Ernest Dickerson häufig Gebrauch von extremen Close-Ups bei zahlreichen Eins-zu-Eins-Dialogen. Obwohl: kann man sie Dialoge nennen? Wildfire handelt von Kommunikation: von Hoffnung und vom Sich-Abfinden mit dem Leben oder aber mit dem Tod, wie es / er auch kommen mag.

Unter extremen Bedingungen, ohne den Deckmantel der Zivilisation, steigen menschliche Unzulänglichkeiten und Schwächen an die Oberfläche. Eine davon: sich nicht die Zeit zu nehmen, mit anderen zu sprechen – und ihnen zuzuhören. Nach der recht schnellen Einführung der Figuren nimmt sich The Walking Dead diesmal die Zeit, diesen Figuren Tiefe zu geben und sie mehr tun zu lassen, als nur auf Zombies zu schießen und in Panik wegzulaufen. Mit Wildfire versucht die Serie die Charaktere zu entblößen, ihre Beziehungen zu vertiefen. The Walking Dead ist nicht nur dann gut, wenn Zombies im Bild sind, sondern erst recht dann, wenn die Monster einen unsichtbaren Hintergrund bilden: eine Abstraktion der verloren gegangenen Welt, mit der die Überlebenden umgehen müssen.

Womit sie aber erst recht umzugehen lernen müssen, das ist die abstrakte Hoffnung. In diesem Zusammenhang – und meiner Meinung nach zum richtigen Zeitpunkt – macht The Walking Dead, falls ich mich nicht falsch erinnere, einen großen Schritt weg von den Comics und schüttelt ein As aus dem Ärmel: Rick besteht darauf, dass die ganze Gruppe Richtung CDC (Centrum for Dicease Control) fährt, um dort Hilfe zu suchen – denn im Lager besteht keine Sicherheit mehr. Auf diese Idee kommt er vor allem deswegen, weil Jim bei dem Angriff gebissen wurde und auf dem Weg ist, zum Zombie zu mutieren. Shane ist dagegen, was zu einer Konfrontation zwischen den beiden Ex-Polizisten und Kollegen führt. Im Wald steht Shane kurz davor, Rick aus dem Hinterhalt zu erschießen. Er senkt seine Waffe im letzten Moment, aber nicht bevor Dale das Ganze mitbekommt…

Die für mich stärksten Szenen präsentiert The Walking Dead am Anfang und am Ende dieser Episode. Die lange Szene mit den beiden Schwestern Amy und Andrea ist hervorragend inszeniert. Während um sie herum Zombies verbrannt werden und die Leichen einen Schlag ins Hirn bekommen, um dann vergraben zu werden, rührt sich Andrea nicht vom Fleck. Sie lässt auch niemanden in ihre Nähe. Dann wacht Amy auf; zunächst sieht es so aus, als wolle sie ihre trauernde Schwester umarmen. Aber ihr einziges Begehren ist: Fressen! Andrea scheint auf diesen Augenblick gewartet zu haben, um sich von ihrer Schwester zu verabschieden. Sie entschuldigt sich bei ihr – und schießt ihr in den Kopf.

Neben dieser rührenden Szene sehen wir in den ersten Minuten Rick mittels Walkie Talkie zu Morgan und seinem Sohn sprechen und sie vor Atlanta warnen – mitten in der Stille der Felder. Niemand antwortet: Es findet kein Dialog statt. Rick redet im Grunde genommen mit sich selbst. Morales und seine Familie trennen sich von der Gruppe und fahren ihre Verwandten in Alabama suchen. Der Rest fährt letztendlich Richtung CDC… und muss sich unterwegs von Jim trennen, dessen Zustand immer schlimmer wird; er bittet Rick darum, ihn einfach am Wegrand zurückzulassen, damit er sterben, zu seiner Familie gehen kann.

Ricks Hoffnung, im CDC jemanden zu finden, erweist sich nicht als so abstrakt, wie die anderen denken. Zwar verbreiten die eindrucksvoll gefilmten Bilder des Platzes vorm CDC – voller verwesender Körper und summender Fliegen – Ernüchterung unter den Überlebenden, aber es hält sich im Gebäude doch jemand auf: Wir sehen einen Wissenschaftler namens Jenner (Noah Emmerich), der eine Art Videotagebuch führt und uns mitteilt, dass die Forschungen zum Event Wildfire keine Fortschritte zu verzeichnen haben.

Als ein weiteres Experiment schief geht und das computergesteuerte Anti-Kontaminations-Programm alle Proben vernichtet, bricht Jenner in Verzweiflung aus; bei seinem letzten Eintrag ins Tagebuch erwägt er Selbstmord. Aber dann „klopft“ es an der Tür – und nach anfänglichem Zögern öffnet er und lässt Rick & Co. ein. Das letzte Bild der Episode ist von Licht erfüllt, mitten in der Dämmerung um das CDC-Gebäude, die die Toten bringt. “We’re at the ragged edge here. We need relief“, sagte Rick am Anfang der Episode. Haben sie diese Erleichterung nun gefunden?

 

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