The Walking Dead: Nebraska (2×08)

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Wie wird Hershel auf die letzten Ereignisse reagieren? Kann Rick sich durchsetzen und seine führende Rolle wieder beanspruchen? Die Toten sind nicht die einzige Gefahr, die auf die Gruppe lauert.

Sie sind wieder da! Dieser Satz kann Unterschiedliches bedeuten – eine Warnung, Freude oder aber Hoffnungslosigkeit. In der Episode Nebraska, mit der The Walking Dead seinen Lauf fortsetzt, erlebt man all das und noch mehr. Eigentlich spiegelt Nebraska ungewollt die Stärken und die Schwächen der Erzählung wider; man fühlt sich an den Verlauf der ersten Staffel erinnert: Starker Anfang, schwacher Mittelteil und gutes Ende. Wie bei einer Spiegelung üblich, sind hier „gut“ und „großartig“ bzw. „stark“ vertauscht.

Die Episode beginnt gut, hat dann mehr oder weniger zwanzig Minuten Leerlauf und endet richtig stark. Man muss The Walking Dead ein Kompliment aussprechen: Es ist schwer, in einer solchen Erzählung den allgegenwärtigen Tod noch als emotional bewegendes Ereignis darzustellen. In „normalen“ Serien ist der Tod etwas Besonderes; schon sein Eintritt bildet einen Höhepunkt – bei The Walking Dead hingegen bildet er gleichsam die Grundlage der Erzählung. Einer Grundlage, auf der emotionale Zuschauerbindungen an Figuren und Geschichten zu schaffen der Serie in der zweiten Staffel recht schwer fiel, von einigen Ausnahmen abgesehen. Aber die Atmosphäre der ersten Minuten, gefangen zwischen extremen Close-Ups von Gesichtern und fast Panorama-artigen Aufnahmen aus der Aufsicht (Obersicht), zieht den Zuschauer in diese Welt hinein, die nicht nur die Hoffnung verloren hat, sondern auch den kleinen Rahmen, in dem man einen Neuanfang glaubte wagen zu können.

Inmitten der hypnotischen Stille nach Ricks Schuss, als eines der Hershel-Mädchen zu den Toten eilt, werden wir daran erinnert, dass nicht jeder Neuanfang gut ist. Auch nicht für Hershel. Obwohl es für ihn eher nach einer Rückkehr aussieht: zur Whiskey-Flasche. Viele davon findet er in der Bar der benachbarten Stadt und verschwindet unbemerkt dorthin, während alle Anderen damit beschäftigt sind, einander das immer gleiche Leid zu klagen: wie miserabel alles ist und wie schlecht sie sich fühlen. Diese Unterhaltungen verleihen den Geschehnissen weder inhaltliche noch emotionale Tiefe. Immerhin wirkte die Szene mit dem Zombie-Arm amüsant. Was aber nun wirklich nicht funktioniert: Lori als Verbindung zwischen allen Beteiligten – als ihr emotionaler Kompass und Antrieb, Dinge zu tun oder zu lassen. Die Figur muss auf Biegen und Brechen dazu herhalten, emotionale Konflikte zu produzieren, wo keine sind oder nicht unbedingt sein müssten, wodurch sich alles erzwungen anfühlt.

Das gilt zum Beispiel für das Theater, das Lori wegen Ricks Suche nach Hershel veranstaltet, um letztendlich sogar einen Autounfall zu Stande zu bringen. Im Gegensatz zu dieser erzwungenen Dramatik zeigt uns der Schluss der Episode, wie es richtig funktionieren kann, vor allem dank Gastdarsteller Michael Raymond-James: In der Stadtbar tritt er Rick, Hershel und Glenn als Dave entgegen, ein Mann auf der Suche nach Freunden. Wenn nur das weinende Auge bei seinem Anblick nicht wäre, der uns an die eingestellte FX-Serie Terriers erinnert… und wenn Raymond-James doch nur mehr als diese kurze Szene bekommen hätte! Denn seine Figur weckt in uns Zuschauern deutlich mehr Interesse als die meisten Überlebenden, die wir kennen, zusammen.

Daves freundschaftliche Annäherung gleicht der einer Klapperschlange, welche sich mit Hilfe geschickt gewählter Worte in Position manövriert. Aber Rick ahnt das. Schon das Gespräch der beiden verläuft wie ein Duell, bevor das tatsächliche stattfindet – und die Spannung entsteht natürlich, bevor es zur Entladung kommt und Rick Dave und seinen Freund im Handumdrehen niederschießt. Nicht nur erinnert uns die Serie mit dieser Szene daran, dass die Toten nicht das einzige Problem sind in einer apokalyptischen Welt, sondern sie erhebt Rick – wie ich glaube, endgültig – in die Position desjenigen, der sich nicht scheut zu tun, was getan werden muss. Wenn The Walking Dead diese Mischung aus Action und atmosphärischem Tiefgang öfter gelänge, dann wäre die AMC-Serie nicht tot zu kriegen.

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