The Walking Dead: Pretty Much Dead Already (2×07)

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Werden Glenn und Dale den anderen erzählen, was es mit Hershels Scheune auf sich hat? Wird Loris Schwangerschaft Hershels Entscheidung beeinflussen? Die neue Episode liefert die Antworten.

Wer ist für die „neue“ Welt geschaffen und wer nicht? Shane? Hershel? Oder Rick? Hershel beharrt auf der Liebe zum  Nächsten, auch wenn der Nächste eine Menschenfleisch fressende Maschine ist. Rick will alle in Sicherheit wissen und ist dafür bereit, Kompromisse einzugehen – vor allem, nachdem er von Loris Schwangerschaft erfahren hat. Shane will überleben, um jeden Preis – ganz egal, ob dieses Überleben eine Kugel in Hershels Kopf fordert oder in dem eines Zombies. Wer hat Recht und wer Unrecht? Wie soll man sich in dieser Welt verhalten? Shane behauptet Lori gegenüber, dass sich Rick nicht für eine Welt eigne, wo nur der Stärkere überlebt.

Auch in dieser Episode findet eine Konfrontation zwischen Dale und Shane statt, die beinahe tödlich endet: als Dale die Waffen verstecken will und Shane ihn dabei erwischt. Dale kann aber nicht abdrücken und sagt verbittert, dass diese Welt, wie sie geworden ist, für Menschen wie Shane geeigneter sei. Ist dem aber wirklich so, wie es uns nun schon zwei Figuren glauben machen wollen? Nicht unbedingt. The Walking Dead macht  seine Sache hier gut: Spielt es denn eine Rolle, ob es sich um einen „asian boy“, ein verlorenes Kind oder einen alten Mann handelt? Lautet nicht die apokalyptische Lektion, dass man aus diesen Gedankenmustern herauskommen soll? Die Frage ist: Sind Menschen einander erst dann gleich, wenn sie sich in Zombies verwandelt haben – weil sich ihnen dann tatsächlich dieselben Überlebenschancen bieten?

Ist diese Apokalypse eher eine Prüfung für die Menschlichkeit, wie Hershel es sieht – oder manifestiert sich schlichtweg das Gesetz des Stärkeren, wie Shane meint? Die Serie bugsiert zwar Rick etwas in den Hintergrund, aber eigentlich befindet er sich genau in der Mitte zwischen Hershel und Shane: in der schwierigsten Position. Die Episode eröffnet mit zwei guten Szenen, nachdem Glenn die Wahrheit über die Scheune erzählt hat. Rick versucht den ausrastenden Shane zu beschwichtigen und glaubt trotz der Enthüllung an eine Lösung. Die sucht er anschließend im direkten Gespräch mit Hershel. Über lange Strecken ließ The Walking Dead in der neuen Staffel die visuelle Gestaltung der Erzählung vermissen, das Miterzählen der Bilder. Hier nun holt man etwas davon nach. Am Anfang der Episode, als das Scheunen-Geheimnis gelüftet wird, sehen wir viele Aufnahmen mit Shane: aus extremer Unter- oder Aufsicht, beispielsweise als er allein vor der Scheunentür steht.

Diese Bilder verstärken nicht nur das Gefühl von Instabilität, von der Bedrohung, die Shane auch für die Lebenden darstellt, sondern spiegeln die Welt, wie er sie sieht: schwarz und weiß, oben und unten. Extrem. Aber ist nicht jede Situation extrem, in der man sich befindet? Welche Türen sind offen, welche bleiben für immer geschlossen? Soll die Scheune mit geschlossenen Türen und ihrem Inhalt so bleiben, wie sie ist, damit Hershel alle weiter auf der Farm leben lässt? Nach einer heftigen Diskussion zwischen ihm und Rick – und vor allem, als ihm Maggie später ihre Meinung mitteilt – scheint Hershel zu diesem Kompromiss bereit zu sein. Aber wo liegt die Grenze zwischen Kompromiss und Selbstmord? Nur eine Tür trennt beides.

Die Szenen zwischen Hershel und Rick sind sehr schön aus der Distanz gefilmt, so dass beide stets von einer Tür eingerahmt werden. Welche Tür soll geschlossen bleiben, welche offen? Die Tür in Hershels Haus bleibt offen, wenn die Scheunentür zu ist. Aber Shane öffnet auch diese weit in seinem Ausraster am Ende der Episode, als er Rick sieht, der Hershel zwei neue Zombies in die Scheune zu bringen hilft. Er schießt nicht nur den Zombies in den Kopf, sondern reißt die Scheunentür auf, so dass alle schießen müssen, um zu überleben. Hershel verweilt kniend wie unter Schock, während die Leichen sich häufen. Jede Tür kann also aufgerissen werden. Auch Hershels, wenn er es nicht freiwillig tut. Wie wird es Rick angesichts des letzten Bildes möglich sein, eine Grenze zu ziehen, weiterhin den Balanceakt zu meistern, ein Ruhepol zu sein?

Das werden wir im neuen Jahr erfahren. The Walking Dead verabschiedet sich in die Pause mit der bisher besten Episode der neuen Staffel – abgesehen von der ersten. Nun: Auch Pretty Much Dead Already war nicht perfekt (man betrachte die Szenen zwischen Andrea und Dale, Daryl und Carol oder aber Glenn und Maggie), aber doch deutlich besser als die letzten Episoden. Die letzten Szenen vor der Scheune sind nicht nur hervorragend gefilmt, sondern warten mit einem richtigen Schock auf, als Sophia aus der Scheune kommt… und mit einer Frage: Warum verheimlichten Hershel und seine Leute ihre Existenz dort drinnen?

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