The Killing: A Soundless Echo (1×04)

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Haben tatsächlich Jasper und Kris Rosie ermordet? Linden und Holder folgen unterschiedlichen Spuren, die sie zu demselben Ergebnis führen.

The Killing ist die Verkörperung des David Lynch’schen Satzes „Die Eulen sind nicht das, was sie zu sein scheinen!“ Die AMC-Serie gibt vor, nicht von der Stelle zu kommen, indem wichtige Details immer irgendwie im Nebensatz auftauchen. Sie sind aber da. A Soundless Echo fügt fast jeder Figur solche Details hinzu, die den aufmerksamen Zuschauer nachdenklich zurücklassen.

Man denkt tatsächlich darüber nach, was wir überhaupt wissen und was die Figuren vor einander und vor uns verstecken. Niemanden dürfte es gewundert haben, dass am vierten Tag der Rosie-Untersuchung das Video mit Kris und Jasper nicht die Antwort auf die Frage „Who killed Rosie Larsen?“ liefert. Aber obwohl die Episode so still und verhalten wirkt, bringt sie eine Menge an Enthüllungen, die für den zukünftigen Verlauf wichtig sein werden.

Das Mädchen aus dem Video ist Sterling, Rosies Freundin, die alles freiwillig mitgemacht hat. Ihr Geständnis jedoch führt die Ermittler zu einem anderen Mann in Rosies Leben. Zwar arbeiten die beiden Detectives in dieser Episode, auf Lindens Befehl getrennt voneinander – was Holder ziemlich missfällt, da er der in seinen Augen weniger heißen Spur folgen muss -, aber Holder und Linden treffen am gleichen Punkt wieder zusammen. Das geschieht dank der zwei parallel geschnittenen Szenen, in denen Holder den Zielort von Rosies geheimnisvollen Ausflügen findet und Linden (Mireille Enos) in Rosies Zimmer Liebesbriefe entdeckt. Die Verbindung: Bennet, Rosies Lehrer. Die Briefe tragen seine Unterschrift, und in dem Jugendcenter (voller Werbeplakate für Richmond) findet Holder ein Foto vom „After School Hoops”-Team, auf dem Bennet zu sehen ist.

Diese Episode fällt generell auf durch eine größere Anzahl an unterschiedlichen Szenen und Wechseln zwischen ihnen; dafür werden die einzelnen Szenen im Vergleich zu den vorherigen drei Episoden kürzer gehalten. Man hat das Gefühl, kleine Schnipsel, Bruchteile serviert zu bekommen, die geordnet, zusammengestellt werden müssen. Damit simuliert die Handlung ein grausames Puzzle, das Stück für Stück vor unseren Augen entsteht. Dasselbe Gefühl überkommt einen, wenn man den psychedelischen Vorspann von The Killing sieht – oder aber die schnell hin und her geschnittene Sequenz mit Rosies Eltern, die auf dem Polizeirevier durch Zufall einen Blick auf die Tafel mit den Tatortfotos von Rosie werfen können.

Bruchstücke sind es, die die Stories der einzelnen Beteiligten vertiefen. Wir erfahren, dass Gwens Vater ein Senator ist und dass Jamie den Doppelagenten spielt: Auf Richmonds Befehl nimmt er als Maulwurf bei der Konkurrenz eine Stelle an. Rosies Vater wiederum scheint eine dunkle Vergangenheit zu haben, die ihn mit dem lokalen organisierten Verbrechen in Verbindung bringt. Aber das Interessanteste sind die zwei Sätze, die Lindens Verlobter Rick zu ihr sagt (wenn ich mich nicht verhört habe):  It’s not happening again, is it? Chasing after a dead girl? Ausgerechnet über Linden und Holder wissen wir im Vergleich wenig – aber ich schätze, das wird sich bald ändern. Ricks Auftritt in dieser Episode hat etwas Verstörendes an sich; man könnte darauf wetten, dass seine Story nicht weniger interessant ist.

Ausgerechnet Bennet erzählt Mitch Larsen, wie klug Rosie war, und gibt ihr Rosies Lieblings-Gedichtband. It is a soundless echo. Mit diesem Satz endet einer der Briefe Bennets an Rosie. Man kann nur hoffen, dass es sich The Killing dramaturgisch nicht so leicht macht – dass der Verlauf einzelner Episoden nicht zu einem Echo wird. Nachdem Jasper und Kris schnell frei gesprochen wurden, muss etwa die nächste Episode nicht schon innerhalb von zehn Minuten Bennet entschuldigen, um den Finger auf den nächsten Verdächtigen zu richten.

Auch wenn das bei einer „langsamen“ Serie wie The Killing komisch klingt, sollte man sich vielleicht nicht zu schnell durch ein Netz an Verdächtigen hindurch arbeiten. Es geht um die Balance, die The Killing beibehalten und weiter ausarbeiten muss: zwischen der Spannung einzelner Episoden und ihrer Bedeutung für das Ganze. Natürlich vermag formelhaftes Erzählen oft eine breite Masse an Zuschauern anzuziehen, aber für meinen Geschmack hat das The Killing nicht nötig. Denn die Zuschauer, die bei der Serie geblieben sind, erwarten von der AMC-Produktion kein Schema, sondern nur ihr erdrückendes Echo.

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