The Killing: Missing (1×11)

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Linden und Holder haben immense Schwierigkeiten, herauszufinden, wo Rosie Larson ihre letzten Stunden verbracht hat. Linden braucht Holders Hilfe, um mit einem Zwischenfall zurechtzukommen.

Als würden The Killings Autoren mit Missing die Kritik der letzten Wochen kontern wollen: Die Episode erreicht fast das Niveau, das man seit dem Piloten vermisst hat. Und damit meine ich vor allem die Art und Weise, den Zuschauer in die Bilder einzusaugen – als stünde man im strömenden Regen, ohne die Nässe zu bemerken. Es handelt sich eigentlich um ein Kammerspiel zwischen Linden, Holder und dem Dauerregen, aber dieses Spiel meistern sie mit Bravour.

Missing verhält sich wie ein Auto, das links blinkt und plötzlich nach rechts abbiegt. Die Episode fängt mit Lindens Besuch in dem Casino an, aber plötzlich dreht sie sich einmal um die eigene Achse und widmet die nächsten 40 Minuten Lindens Suche nach ihrem vermissten Sohn Jack. Eigentlich sucht sie eine Antwort auf die Frage, was sie als Mutter falsch gemacht hat – und gleichzeitig lässt die Suche ihrer Verzweiflung darüber freien Lauf, sich immer weiter vom Leben vorantreiben zu lassen, ohne irgendwo oder bei irgendwem Halt finden zu können.

Das allerdings gilt sowohl für Linden als auch für Holder. The Killing zeigt uns, dass die beiden trotz unterschiedlicher Persönlichkeiten und trotz Meinungsverschiedenheiten vielleicht aus einem einzigen Grund aneinander hängen blieben: Tief in sich verstehen sie einander. Sie streiten – und erzählen einander im nächsten Moment traumatische Ereignisse aus der Vergangenheit. Das plötzliche Verschwinden von Lindens Sohn Jack ist der Auslöser für eine Reihe von Dialogszenen zwischen Holder und Linden während der Suche, die ihren Höhepunkt im Fast-Food-Restaurant finden.

Some things you can’t fix. Maybe they just stay broke, sagt Holder zu Linden. Er erzählt ihr, wie er während des Undercover-Jobs drogenabhängig wurde; von Linden erfahren wir später, dass ihr Vater starb, die Mutter Prostituierte war und Sarah von einer Pflegefamilie zur nächsten wechselte. Endlich erzählt sie von dem Fall, der sie zusammenbrechen ließ. Es handelte sich um ein Kind, dessen Mutter getötet wurde; Linden schickte den Vater und Mörder ins Gefängnis, so dass das Kind ins System geriet – und mehr oder weniger Lindens Schicksal erleiden musste.

So no wonder you ain’t a pro at being a mom, ist Holders erste Reaktion, aber sein Zynismus ergibt sich aus der eigenen Verzweiflung und aus der Empathie für Linden. Und sie erkennt das. Man kann sagen, dass die beiden ihre Beziehung nach dieser Episode fast auf ein freundschaftliches Niveau gehoben haben. Diese Abschweifung innerhalb der Erzählstruktur von The Killing funktioniert sehr gut, vor allem dank der Leistung von Mireille Enos und Joel Kinnaman. Eigentlich hätte diese Dynamik viel früher greifen sollen, aber besser später als nie. Denn der tiefere Einblick in die Figuren war längst überfällig und zieht uns Zuschauer auch tiefer in den Rest der Handlung hinein.

Gleichzeitig – und fast unauffällig – demonstriert Missing, obwohl Jack unversehrt zu Linden zurückkommt, auch ein Hauptthema von The Killing, nämlich die Tatsache, wie schnell Teenager sich von dem gefährlichen Fluss des Lebens forttreiben lassen können, bis sie plötzlich am Rand eines Wasserfalls stehen. Aber wer trieb Rosie in den Fall hinein? In den letzten Sekunden der Episode kehrt The Killing zurück zu Rosie; auf den Bankautomaten-Aufnahmen findet Holder die Bestätigung, dass Rosie an dem betreffenden Abend im Casino war.

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