Breaking Bad: Live Free or Die (5×01)

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Was bedeutet eine tödliche Krankheit besiegt zu haben? Was bedeutet von anderen Menschen respektiert zu werden? Was bedeutet Geld zu haben? Oder / Und Macht? Zum Teufel mit diesen Fragen! Was bedeutet eigentlich Gott zu sein? Fühlt es sich so an, Gott zu sein, Walter?

Die ersten Aufnahmen der neuen Staffel zeigen uns Walter White, der was Kopf- und Gesichtsbehaarung betrifft, The Reinhold Messner Way gewählt zu haben scheint. Oder musste er das? Er hat doch gewonnen? So endete die letzte Staffel, mit dem Mann, “der klopft”, als Gewinner: I won, sagte Walter zu Skyler am Telefon. In ihren Augen sieht man, metaphorisch gesprochen, wie sie die Tür gerade aufmacht und tatsächlich Walter vor sich stehen sieht, den Mann, der klopft. Während Breaking Bad in den ersten Staffeln eine Erzählung über Machtlosigkeit und dann über den Verlust der Kontrolle war, ist sie jetzt eine Darstellung von Walters  Empfinden der Über-Macht. Über was? Über sich, über andere? Über alles, lautet die Antwort.

Live Free or Die steht auf dem Nummernschild von Walters Wagen. Die letzten zwei Ziffern sind “53”. Davor sehen wir Walter mit dem Bacon auf seinem Frühstücksteller eine Art Geburtstagstorte kreieren. Die Zahl ist 52. Er gibt vor der Kellnerin zu, dass heute sein Geburtstag ist. Wird es der letzte sein? “Free is always good,” sagt die Kellnerin. Als Breaking Bad Zuschauer kann man den Hinweis nicht übersehen: Die Frage nach der Essenz der Freiheit…

Von einem Unbekannten erhält Walter die Schlüssel für einen neuen Wagen, in dessen Kofferraum ein Maschinengewehr liegt. Breaking Bad setzt übrigens mit der neuen Staffel in alter Tradition das Spielchen mit den Aufnahmen aus extremer Unter- bzw. Aufsicht fort. Die Erzählung ist zwischen Extremen situiert – zwischen Oben und Unten. Und Walter befindet sich jetzt oben.
Breaking Bad schickt uns dann zurück zu Walter direkt nach dem Tod von Gus. Er räumt auf und stoßt anschließend mit sich selbst im Spiegel an. Walter und Heisenberg kann man anscheinend nicht mehr voneinander trennen. Nur, um “Gott” zu sein, bedeutet sich um die Details kümmern zu müssen. Wir wissen alle, wie der Spruch über Gott und die Details lautet.

Warum nenne ich eigentlich Walter “Gott”? Weil diese erste Episode der neuen Staffel aus einer dreiteiligen (heiligen) Einheit an Aussagen besteht, die Walters Empfinden seiner eigenen Machtstellung ausdrücken. Als Mike die Gewissheit über die Richtigkeit von Walters Annahme anzweifelt, antwortet Walter simpel: Because I say so. Zu Saul, der das Verhältnis beenden will, lautet die Ansage: We’re done when I say we’re done! Und in Skylers Ohr flüstert er: I forgive you. Allwissend, bestrafend und gnädig. Aber nicht unsichtbar… Obwohl das Kochlabor vernichtet wurde, bleiben die Videoaufnahmen aus den Überwachungskameras. Mike ist auch noch da. Er erfährt vom “Arzt” über Gus’ Tod und macht sich wütend auf den Weg, nur um … fast mit Walter und Jesse zusammenzustoßen.

Man braucht eigentlich nicht viel über die glühend-faszinierenden Außenaufnahmen in der mexikanischen Wüste sagen. Die Bilder transferieren eine Hitze, die beinahe physische Reaktion beim Zuschauer hervorbringt. Gefilmt aus der Distanz rasen die Autos aufeinander zu und aus der Perspektive gibt es kein Ausweichen in letzter Sekunde bzw. wir sehen es nicht. Sie fahren zwar natürlich aneinander vorbei, aber für den Beobachter entsteht für eine Sekunde der Eindruck eines Ineinader-Verschmelzens. Während Skyler Walter fürchtet, wie sie es ihm in einer späteren Szene mitteilt, macht Mike keine Anstalten vor einem neuen Boss knien zu wollen. Jesse ist der einzige Grund, warum er Walter nicht sofort eine Kugel verpasst.

An diesem Punkt wird eine interessante Dynamik in Gang gesetzt. Jesse befindet  sich in der Mitte und ver-mittelt. Als Walter und Mike in Jesses Haus (auf dem Tisch sind Gegenstände in Breaking Bads Grün zu sehen) darüber streiten, wie man an Gus’ Laptop in der Asservatenkammer kommt, befindet sich Jesse im Hintergrund. Er sitzt auf dem Sofa und ist “unscharf”, während Walter und Mike auf Fokus den linken und rechten Vordergrund einnehmen. Sie sind so sehr aufeinander und die verbale Auseinandersetzung fokussiert, dass sie den “unscharfen” Hintergrund, die Stimme der Vernunft nicht hören: “What about, like, a magnet?” Was danach folgt ist Breaking Bad-Slapstick vom Feinsten: Yeah, bitch! Magnets!

Der Magnet-Trick funktioniert, aber durch die Unordnung, die in der Asservattenkammer entsteht, stoßt die Polizei auf eine versteckte Notiz in Gus’ Sachen. Es ist ein Bankkonto auf den Kaimaninseln.  Walter zieht wie ein Magnet Probleme an, während er glaubt welche zu beseitigen. Ted ist auch noch am Leben, aber nachdem Skyler ihn besucht, hören wir ihn um sein Leben betteln. He’s not gonna talk, sagt sie zu Walter später, der von Saul über das Geld und Ted erfährt. I forgive you, lautet die Antwort, die szenisch sogar als eine Anspielung an das Ende der Episode “I.F.T.” gesehen werden kann.
Perfekter Einstieg in die neue und letzte Breaking Bad-Staffel:

We’re done when I say we’re done.

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8 responses »

  1. Danke 🙂
    Werde ich dann später lesen, jetzt schau ich mir die 2. Episode erstmal an! 🙂
    Schöner wärs nur noch, wenn es zusätzlich neue Sherlock Folgen geben würde und man sich auch wieder auf deine Reviews freuen kann 🙂

  2. Ich hoffe auch zur 5. Staffel Fringe kommen dann wenns soweit ist Reviews. Denn bei Fringe läufst d wie ich finde zur Bestform auf. Außerdem gibt es gerade bei Fringe so viel Details die ich ohne deine Reviews übersehen würde!

  3. Ich schliesse mich breaking bad an: ENDLICH wieder aktuelle Reviews von Vlado, und dann auch noch zu Breaking bad!

  4. Nette Review, jedoch mit winzigen Mängeln.
    Der “Unbekannte” in der Anfangszene ist nicht wirklich ein unbekannter, sondern ein Waffenhändler, den Walt bereits in der vierten Staffel aufsucht. Außerdem sollte es zweimal nicht “stoßt”, sondern “stößt” heißen. Aber ansonsten – wie gesagt – nette Review. 😀

  5. Super! Die Vlado Reviews sind einfach die besten BB Reviews. Bin heute erst auf diese Seite gestoßen, werde aber alle Reviews ab jetzt lesen. Endlich!

  6. Jepp wie immer Super geiles Review. Bei Serienjunkies.de kann man echt nicht mehr lesen. Die Reviews dort sind echt schlecht geworden aus meiner Sicht.
    Nach dem lesen Deiner Reviews hab ich häufig ne neue/andere Sichtweise der jeweiligen Serie.
    Einfach klasse.
    Thx

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