Monthly Archives: August 2012

Twin Peaks: Beyond Life and Death (2×22)

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Vor dem Eintritt in The Black Lodge, wo wir uns möglicherweise verlieren werden, zunächst eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse: Nachdem Annie von Earl entführt wurde, machen sich Cooper (Kyle MacLachlan) und Harry auf den Weg in die Wälder. Währenddessen erlangt Nadine wieder das Bewusstsein ihres erwachsenen Selbst, und Doc Hayward und Ben geraten in eine Auseinandersetzung, die blutig ausgeht. Andrew und Pete finden in der Bank das Schlieflfach, für das der Schlüssel bestimmt ist.

Auch Audrey (Sherylin Fenn) ist in der Bank, da sie eine Art Protest gegen das Ghostwood-Projekt inszenieren will. Im Schlieflfach befindet sich eine Bombe. Alles geht hoch.
Man muss gestehen, dass dies eine etwas plumpe Art ist, sich einer Figur wie Audrey oder aber auch Pete zu entledigen. Nachdem jedoch Audrey innerhalb der zweiten Staffel in keine wirklich interessante Story involviert werden konnte, bekommt dieser etwas plumpe Abschied doch eine gewisse Plausibilität… Bobby Briggs und Shelly genieflen ihr Beisammensein in RR, als die deutsche Kellnerin hereinkommt (die gleiche Szene wie im Piloten) – und anschlieflend Sarah Palmer, mit einer Nachricht für Major Briggs, der ebenfalls im Diner sitzt. In einem bedrohlichen Close-Up spricht Sarah mit verzerrter männlicher Stimme folgende Worte aus:  I’m in The Black Lodge.

Hier begann die Reise, hier endet sie und fängt neu an.  Twin Peaks  ist wie ein Möbiusband angelegt, wie eine Spiegelung, eine Verdoppelung – eins und dasselbe! Earl und Annie betreten The Black Lodge durch die roten Vorhänge, in die sich die Bäume verwandeln. Cooper folgt ihnen kurze Zeit später. Und nun beginnt womöglich das surrealste Serienfinale aller Zeiten. Fast die komplette Handlung, wenn man sie so nennen kann, spielt sich in The Black Lodge ab, wo Cooper auf mehrere Figuren trifft, während er von einem Raum zum anderen geht.

Die zwei Räume, die Cooper an diesem Ort findet – zu beiden Seiten eines Korridors gelegen -, scheinen ebenfalls miteinander identisch zu sein. Die Wände des Korridors und der Räume selbst bestehen aus roten Vorhängen. Während wir im Laufe der Serie oft Bilddiagonalen von oben links nach unten rechts beobachten konnten, ist es hier interessanterweise anders: Cooper betritt die beiden Räume durch die Vorhänge und bewegt sich dabei auf einer Diagonalen von oben rechts nach unten links und wieder zurück.Wenige Möbel stehen in den Räumen.

Man hört jedes Geräusch sehr intensiv. Die Farben (Schwarz – Gelb – Braun – Rot) betonen den flieflenden, fast organischen Charakter der Räume. Die Masse der Vorhänge / Wände spielt mit der Vorstellung ihrer (Ver-) Formbarkeit – als stünden die Wände nicht, sondern verharrten nur vorübergehend in ihrer augenblicklichen Form. Die Räume bleiben irgendwie unberührt und auch unberührbar, sie umhüllen ihre Bewohner und ihre Besucher und nehmen sie auf – aber man zweifelt nicht daran, dass sie auch absolut unabhängig von ihnen existieren könnten. Ist nun Cooper ein Besucher oder ein Bewohner?

Diese zum Groflteil leeren Räume setzen mit ihrer Bühnenstruktur uns Zuschauer als Beobachter voraus. Wir sind die einzigen, die Cooper auf seiner Reise begleiten. Er trifft wieder auf den tanzenden Zwerg, der ihm mitteilt, manche Freunde von ihm seien da. Danach spricht er eine Art Warnung aus:  When you see me again it won’t be me.  Stroboskopisches Licht zerfetzt immer wieder die Bilder in Stücke. Dadurch sind sie sichtbar und gleichzeitig nicht zu durchschauen. Sie sind gleich, aber irgendwie verschoben.  Doppelganger , sagt der tanzende Zwerg. Die Doppelgänger haben wässrig blaue Augen; unter ihnen ist Laura Palmer, die kurz davor (noch mit normaler Augenfarbe) zu Cooper gesagt hatte:  I’ll see you again in 25 years.

Soll das heiflen, dass Cooper in einer Zeitschleife gefangen ist, die ihn mit sich selbst zusammentreffen lassen wird? Generell scheinen die Selbstbespiegelungen in  Twin Peaks  nicht nur für eine subjektive Identitätsproblematik zu stehen, sondern dienen darüber hinaus vor allem zur Veräuflerlichung oder Darstellung eines überindividuellen Prinzips, das subjektunabhängig die dargestellte Welt beherrscht.

Laura fängt an zu schreien. Das stroboskopische Licht setzt wieder ein, genauso wie Coopers Treffen mit weiteren Bekannten, darunter Annie, Caroline und Earl. Cooper ist bereit, Earl im Tausch für Annie / Caroline seine Seele zu geben. Aber das Bild explodiert in Flammen – und Bob taucht auf, der Earl das Anrecht auf Coopers Seele abspricht und selbst stattdessen Earls nimmt. Cooper verlässt den Raum und trifft auf Leland (mit wässrigen Augen), der zu ihm sagt:  I did not kill anybody.  Ein Doppelgänger von Cooper erscheint am oberen Punkt der schon am Anfang des Artikels angesprochenen Diagonalen, während Cooper sich an ihrem anderen Ende befindet: ein böse lachender Cooper mit wässrigen Augen!

Er verfolgt sich selbst zwischen den Räumen. Danach öffnet sich wieder das Tor zu The Black Lodge: Harry findet Cooper und Annie neben dem Eingang liegen. Später sehen wir Cooper in seinem Bett aufwachen. Harry und Doc Hayward sind da.  Annie? How’s Annie?  fragt Cooper. Danach geht er ins Bad, Zähne putzen. Er schaut in den Spiegel. Er blickt uns direkt an. Dann zerschlägt er mit seinem Kopf den Spiegel, in dem wir… Bob sehen. Cooper / Bob wendet sich zu uns, den einzigen Zuschauern, und beginnt zwischen bösartigen Gelächteranfällen immer wieder den Satz zu wiederholen:  How’s Annie?
Alles wiederholt sich. Der Horror kann von vorne beginnen.

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Twin Peaks: Miss Twin Peaks (2×21)

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Minuten vor dem Schönheitswettbewerb findet Cooper heraus, wie Earl sein Spiel getrieben hat und was er tatsächlich vorhat. Serienjunkies.de-Redakteur Vladislav Tinchev hat alle Pflanzen im Haus nach Wanzen durchgesucht.
Interessant, wie die  Twin Peaks -Autoren aus dem bösartigen Leo der ersten Staffel im Laufe der zweiten eine traurige Figur gemacht haben. Seitdem er Windham Earles Sklave ist, hat man fast Mitleid mit ihm. Andererseits scheint seine plötzliche Besorgnis um Shelly unangebracht, beinahe künstlich, aber andererseits wird Leo eigentlich dafür benutzt, um Earl zu charakterisieren, um zu zeigen, welche Grenzen Earl schon überschritten hat. Aus diesem Grund erweckt Leo, gemessen an Earl, fast Mitleid.

Leo hilft Briggs zu fliehen, aber der Major ist danach nicht wirklich in dem Zustand, Cooper (Kyle MacLachlan) und Harry weiterzuhelfen – bis auf den Hinweis, das Tor zu The Black Lodge würde sich nur zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort öffnen. Für Cooper erschlieflt sich langsam das ganze Bild. Er teilt Harry mit, dass Josie aus Angst starb, dass Bob, der aus The Black Lodge kommt, von dieser Angst angezogen wird und dass, falls Angst das Tor zu The Black Lodge öffnet, dann wird die Liebe das Tor zu The White Lodge aufmachen müssen. Anschlieflend finden sie per Zufall heraus, dass sie von Earl die ganze Zeit abgehört wurden.


Miss Twin Peaks  ist sowieso die Episode der Enthüllungen. Andrew und Catherine finden in der letzten silbernen Box einen Schlüssel, während Donna von Ben eine Art Geständnis bekommt, dass er ihr Vater ist. Cooper & Co. müssen sehr schnell zum Miss Twin Peaks Contest, denn Cooper findet heraus, Earls nächster Schachzug darin bestehen muss, ihm die Königin wegzunehmen. Aber Earl, verkleidet als The Log Lady schafft es letztendlich, die Gewinnerin zu entführen. Und es ist Annie, Normas Schwester und Coopers Geliebte! In einer vom stroboskopischen Licht zugleich intensiv und verstörend gestalteten Szene wird die neue Königin von Twin Peaks entführt.
Wird die finale Auseinandersetzung in The Black Lodge stattfinden?

Twin Peaks: The Path to the Black Lodge (2×20)

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In  The Path to the Black Lodge  erzittert das Bild durch die Unausweichlichkeit der bevorstehenden Ereignisse. Denn Pandoras Box wurde in Twin Peaks längst schon geöffnet und dann die nächste und die nächste. Dieser Prozefl, dem wir die ganze Zeit beiwohnen, spiegelt sich in der Szene, in der Andrew und Catherine Eckhardts Box aufmachen, nur um eine weitere vorzufinden, bis am Ende ein viereckiger Gegenstand, der silbern glänzt, übrig bleibt. Mond, Silber, Spiegel, Wiederholung – Windham Earl ist auf der Suche nach The Black Lodge. Das stellt Cooper in dieser Episode fest, die uns wieder einmal mit der Bedrohung als einer Oberfläche in der Oberfläche des  normalen  Lebens und der alltäglichen Beziehungen in Twin Peaks audiovisuell konfrontiert.

Eine der prägnantesten Szenen dieser Episode findet zwischen Annie und Cooper (Kyle MacLachlan) in RR statt. Als sich die beiden küssen, fällt das von Annie angehäufte schmutzige Geschirr klirrend und krachend auf den Boden. Die Kamera nähert sich dem Haufen und zeigt uns ein extremes Close-Up von dem Tropfen Kaffee, der sich vom Rand einer gebrochenen Tasse löst. Die Beziehung zwischen Annie und Cooper findet hier ihr Sinnbild. Ist sie zu einem grausamen Scheitern verurteilt? Wie jede andere Beziehung in Twin Peaks? Wir sehen in dieser Episode John von Audrie weggehen und Ben sich darauf vorbereiten, ein dunkles Geheimnis los zu werden.

Was die  Twin Peaks -Autoren hier loswerden, sind surreale Spaziergänge für die Augen der Zuschauer. Major Briggs trifft bei seinem Waldspaziergang auf… ein Pferd. Das Pferd ist nicht dasselbe, das Sarah Palmer in ihrem Wohnzimmer sah, aber dafür kann dieses sprechen und Briggs mit einem Pfeil betäuben. Das Pferd ist Earl, der Briggs entführt und foltert. Er will mehr über The Black Lodge wissen. Und The Black Lodge scheint aufzuwachen, die Geister darin suchen den Weg nach drauflen. Gleichzeitig präsentiert man uns diesen Ort als ein schwarzes Loch in den Wäldern von Twin Peaks (vielleicht daher die Verbindung zum UFO-Militärprojekt?), das alles in sich hineinzuziehen droht.

Die Hände von etlichen Figuren in dieser Episode fangen an, aus unerklärlichen Gründen zu zittern, die Sprache wird von Hintergrundgeräuschen übertönt und Cooper sieht wieder den Riesen, während er mit Annie tanzt, nachdem sie ihm mitteilt, an dem Schönheitswettbewerb teilnehmen zu wollen. Der Riese, wie ein grofler Vogel, der mit seinen Flügeln schlägt, versucht, in diesem stummen Abschnitt hängen gebliebener Zeit Cooper von etwas abzuhalten.
Earl kann anscheinend von Cooper nicht mehr gestoppt werden. Er findet den Weg zu The Black Lodge. Die letzten Bilder der Episode sind wie eine Inszenierung dieser einsaugenden Bewegung, die alles in Richtung The Black Lodge zieht.

Es wird für ein paar Sekunden von einer der uns bekannten Twin-Peaks-Locations zur nächsten geschnitten. Die dunklen Töne des Soundtracks werden immer lauter und die Kamera erweckt den Eindruck einer Bewegung weiter vorwärts, weiter Richtung Wald, wo wir einen dunklen Kreis auf dem Boden sehen. Wie aus dem Nichts taucht ein Arm auf und anschlieflend materialisiert sich Bob vor unseren Augen. Der mondartige Kreis auf dem Boden ist ein Wasserspiegel, in dem sich die roten Vorhänge langsam im Takt der Musik aus Coopers Traum bewegen.

Twin Peaks: Variations on Relations (2×19)

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Wie schon zu erwarten, handelt es sich bei  Variations on Relations  um eine weitere Episode, die Vorbereitungen für den Showdown zwischen Cooper (Kyle MacLachlan) und Earl trifft. Aber auch an den Beziehungsfronten gibt es Entwicklungen, auch wenn sie nicht immer vorhersehbar sind. Dass Cooper und Annie zusammen kommen, konnte man sich schon denken, aber dass Gordon Cole (David Lynch) Shelly vor den Augen von Bobby Briggs küsst, kommt unerwartet. Genauso unerwartet, wie die Andeutung eines Geheimnisses in der Beziehung zwischen Ben und Donnas Mutter in den letzten zwei Episoden. Donna besteht darauf, die Wahrheit zu erfahren, genauso wie Catherine von Pete fordert, die schwarze Box von Eckhardt zu öffnen.

Aber die Box hat nicht einmal Schlüsselloch. Sie ist ein Puzzle, meint Pete, welches er nicht lösen kann. Aber später in der Episode, als Harry mit Catherine über Josie redet, lässt Pete die Box fallen und sie öffnet sich. Aber was sie verbirgt, ist ein weiteres Puzzle. In der Box ist noch eine Box, auf der Mondphasensymbole und andere geheimnisvolle Zeichen gemalt sind. An dem Punkt erinnert man sich als Zuschauer an die vielen Mond-Aufnahmen, die zwischen unterschiedlichen Szenen schon seit dem Anfang der Serie in jede Episode eingebaut wurden. Puzzlestücke fügen sich aneinander. Während Cooper sich mit Annie verabredet, bekommt er mit, dass Shelly, Audrey (Sherylin Fenn) und Donna Teile eines Gedichts bekommen haben. Zu seinem Entsetzen stellt er fest, dass es sich um das Gedicht handelt, das er damals für Caroline schrieb.

Und die Handschrift erweist sich als die von Leo. Auflerdem erkennt Major Briggs die Wandmalereien wieder, die Cooper und Co. in The Owl Cave nach Earls Besuch dort vorfinden. Sie stammen aus seinem Traum. Aber was ist Traum und was ist Realität? Laut Windham Earl existieren The White Lodge und The Black Lodge, aber er ist auf der Suche nur nach der letzten. Anscheinend hat er vor, Cooper auf diese Reise mitzunehmen, denn die letzten Bilder zeigen uns, wie grausam ernst Earl sein Spiel treibt. Er kreiert eine lebensgrofle Schachfigur mit einem menschlichen Inhalt und lässt Cooper sie in einer Box finden. Die Nachricht an dem Toten lautet:  Next time it will be someone you know.

Twin Peaks: On the Wings of Love (2×18)

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In der letzten Episode war der Schlusspunkt gleichzeitig eine Frage, die aber hier leider nicht beantwortet wird. Eckharts Assistentin verführt Harry, indem sie ihm eine unbekannte Flüssigkeit auf seine Lippen aufträgt und ihn so halluzinieren lässt, sie sei Josie. Im nächsten Moment versucht sie, Harry mit einer Kette zu erwürgen. Harry schafft es, sie zu überwältigen und anschlieflend festzunehmen. Diese Aktion ist eine Art Wachruf für ihn, aber wird hier nicht weiter thematisiert, denn Earl hat seinen Zug gemacht und jetzt gilt es für Cooper & Co., eine Antwort darauf zu geben.
Cooper (Kyle MacLachlan) ist ab sofort wieder FBI Agent, denn Gordon Cole (David Lynch) höchstpersönlich trifft in Twin Peaks ein und informiert ihn, der schwarze Anzug und der Mantel dürfen wieder getragen werden.

Außerdem erfahren wir, dass Earl dieselben chemischen Substanzen eingenommen hat, von denen der Einarmige abhängig war. Und Earl hat an einem geheimen Projekt gearbeitet, das mit UFOs zu tun hatte. Eine mögliche Verbindung zu Major Briggs? Die entscheidende Verbindung stellt in  On the Wings of Love  Cooper her, indem er die Zeichen auf Major Briggs’ und Log Ladys Haut auf einer Serviette in RR zusammenmalt und dadurch zusammenfügt.
Das Ergebnis: Ein Berg mit zwei Spitzen und eine Flamme, die zusammen eine Eule ergeben? Harry teilt Cooper mit, dass dieselben Zeichen an den Wänden von The Owl Cave zu finden sind. Also unternehmen Cooper & Co. eine Expedition in die Höhle (Hölle?) und machen eine verblüffende Entdeckung. Aber eigentlich ist Earl derjenige, der am Ende etwas in Gang setzt, das uns in der nächsten Episode vielleicht die Antwort darauf gibt, wohin die Symbole führen.

Eine Eule mit einer Flamme, zwei Berge (Twin Peaks) und Earl, der die Gewinnerin des Schönheitswettbewerbs in Twin Peaks als nächstes Opfer ausgewählt hat. Diese Episode kann man mit einem einzigen Satz beschreiben:  Die Wahrheit hat viele Masken, aber nur ein Gesicht.

Twin Peaks: Wounds and Scars (2×17)

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Major Briggs und The Log Lady haben mehr zusammen, als man denkt, und Cooper macht eine interessante Feststellung nach Josies Tod. Serienjunkies.de-Redakteur Vladislav Tinchev denkt darüber nach, ob Säugetiere überbewertet werden.

Die Episode beginnt mit Harrys Erinnerungen an Josie, die sich in Slow Motion in seinem Whisky-Glas zu spiegeln scheinen. Am Anfang sieht man nur die Schatten von den Vertikalen an den Glaswänden, aber mit jeder Drehung des Glases und jeder erinnerten Szene mit Josie rückt es immer zentraler ins Bild. Harry ertränkt die ganze Episode lang seinen Kummer und endet mit einer unerwarteten Frau im Bett. Falls er das überhaupt registrieren kann. Aber dazu kommen wir später.  Wounds and Scars  ist eine Episode der Verkleidungen und der Geschenke, die keine sind. Und wie schon fast in jeder Episode der zweiten Staffel kommt eine neue Figur hinzu. Diesmal handelt es sich um Normas Schwester Annie (Heather Graham), die ab sofort in RR arbeiten wird.

Cooper (Kyle MacLachlan) ist sichtlich angetan von der neuen Bedienung. Aber wie jede Person in Twin Peaks scheint auch Annie ein Geheimnis zu verbergen, denn die Kamera – und mit ihr ist Coopers Blick verknüpft – zeigt uns im extremen Close-Up eine alte Narbe an ihrem Handgelenk. Cooper ist so konzentriert auf Annie, dass er Earl nicht bemerkt, der – wenn auch verkleidet – ihm gegenüber sitzt. Eigentlich ist Earl wegen Shelly (Mädchen Amick) da gewesen, denn wie wir wissen, hat er mit den drei Mädchen etwas vor: Shelly, Donna (Lara Flynn Boyle) und Audrey (Sherylin Fenn). Donna stattet Earl auch einen Besuch ab, nachdem er sich für einen alten Freund ihres Vaters ausgibt und ein Geschenk für ihn hinterlässt.

Entsetzt stellt Doc Hayward hinterher fest, dass das vermeidliche Geschenk eine Schachfigur mit der Beschreibung von Earls nächstem Zug enthält.Earl scheint seinen Angriff auf Cooper zu forcieren, denn Coopers Antwort in der Zeitung macht Earl klar, dass sein ehemaliger Partner Schachhilfe bekommt. Audrey wiederum muss auf die Hilfe von Dick Tremaine zurückgreifen, als sie eine Modeschau organisiert. Ben will damit die Aufmerksamkeit der Bewohner auf die bevorstehende Vernichtung des einheimischen Kieferwiesels durch das Ghostwood-Projekt lenken. Sogar Lucy und Andy führen dabei Kleidungsstücke vor. Und der Verkleidungen nicht genug nehmen Nadine und Mike (auch verkleidet) ein Zimmer in The Great Northern. Es scheint so, als würden die  Twin Peaks -Autoren immer wieder nicht die passende Story finden, um Audrey Horn zur vollen Entfaltung kommen zu lassen.

Nachdem ihre Liebe von Cooper abgelehnt wurde, beginnt sie eine Romanze mit John (Billy Zane). Die beiden küssen sich und um sie herum bricht während der Modeschau das Chaos aus. Um noch gefühlvoller alles zu gestalten, wird auf der Bühne ein lebendiges Wiesel präsentiert. Das Tierchen beiflt aber Dick in die Nase und sorgt für grofles Durcheinander, das uns lustigerweise durch die Augen des Wiesels präsentiert wird – subjektive Kamera Wiesel! Und während in The Great Northern sich slapstickartige Szenen ereignen, taucht Eckhardts Assistentin bei dem seinen Alkoholrausch ausschlafenden Harry auf, zieht sich aus und legt sich zu ihm ins Bett. Kurz davor stattet sie auch Catherine einen Besuch ab, nur um ihr eine schwarze Box zu überreichen – ein Geschenk von Eckhardt. Wer ist die Frau wirklich und was hat sie vor?

Twin Peaks: The Condemned Woman (2×16)

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Pete Martell bekommt viel zu tun. Er muss nicht nur mit Catherine (Piper Laurie) und dem von den Toten zurückgekehrten Andrew zurechtkommen, sondern Cooper (Kyle MacLachlan) braucht dringend seine Hilfe, um den Schachzug zu machen, den Earl von ihm fordert. Es bleibt wenig Zeit. Genauso geht es Josie (Joan Chen), die nach dem Schock über Andrews Rückkehr von Catherine und ihrem Bruder zurück in die Arme von Eckhardt getrieben wird. Er scheint ihre einzige Chance zu sein, dem Gefängnis zu entkommen, denn die Beweise sind eindeutig: Sie schoss auf Cooper und sie tötete Jonathan. Eigentlich, wie der Titel es schon verrät, ist  The Condemned Woman  Josies Episode.

Die Geschichte um James und Donna führt, wie schon vermutet, in eine Sackgasse und wird von den Autoren einfach beendet, indem sie James wegfahren und die Zuschauer, die sich vom Erzählstrang mehr erhofft haben, sitzen lassen. Nadine verlässt Ed und dieser stürzt sich über Norma und macht ihr einen Heiratsantrag. Die schlechten Nachrichten erreichen Hank im Gefängnis, denn Norma teilt ihm mit, dass sie sich von ihm scheiden lässt.

In der Zwischenzeit trifft ein alter Bekannter von Benjamin Horne ein, John (Billy Zane), der Ben mit dem Geschäft helfen soll. Denn Ben hat einen Plan, wie man das Ghostwood-Projekt stoppen könnte. Audrey (Sherilyn Fenn) gefällt Johns Teilnahme nicht wirklich, da sie vor hat, die Geschäfte ihres Vaters zu übernehmen. Aber das sollte Audreys kleinstes Problem sein, denn sie, Shelly und Donna bekommen denselben Brief, in dem sie aufgefordert werden, zu einer bestimmten Zeit im Roadhouse zu sein, wenn sie denjenigen retten wollen, den sie lieben. In jedem Brief befindet sich auflerdem ein Teil eines Gedichts.

Während die drei im Roadhouse von Windham Earl heimlich beobachtet werden, bereitet sich Josie für ihren letzten Auftritt vor. Wir sehen sie, wie im Piloten, vor dem Spiegel das Make-Up auftragen. Sie trifft sich mit Eckhardt in einem Hotelzimmer. Als Cooper einen Schuss hört, stürmt er herein. Doch es ist zu spät. Eckhardt ist tot und Josie bricht tot vor Coopers und Harrys Augen zusammen. Während Harry sie im Arm hält, hat Cooper eine Vision von Bob. Das Bett ist wie von einem Scheinwerfer erleuchtet und Bob taucht schreiend auf:  What happened to Josie?

Dann verschwindet er und an seiner Stelle tanzt der Zwerg aus Coopers Traum. Danach ist wieder alles normal, aber die Kamera bewegt sich Richtung Nachttisch und zeigt uns ein extremes Close-Up von dem Schubladengriff. Er hat Josies Gesicht und verzerrt sich in einem verzweifelten Schrei, wie wenn ihre Seele dort gefangen wäre. Im Holz, das aus Twin Peaks Wäldern stammt…

Twin Peaks: Slaves and Masters (2×15)

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Slaves and Masters  glänzt vor allem durch die visuelle Ausführung. Auch wenn manche der Storys unwichtig erscheinen, werden sie hier sehr gut in einen visuellen Fluss mit eingeflochten, den man schon aus der ersten Staffel kennt. Zum Beispiel die Eröffnungsaufnahmen: Sie präsentieren eine Kamerafahrt zwischen den Figuren auf einem Schachbrett, bis die Kamera bei einer der schwarzen halt macht und langsam nach oben fährt. Das Bild verdunkelt sich und dann wird die Kamerafahrt fortgesetzt: schwarze Schuhe, Beine in schwarz gepunkteter Strumpfhose. Dann erfolgt eine Nahaufnahme vom Gesicht der Witwe Evelyn, James’ Liebhaberin.

Unter einem Hutschleier glänzen nur noch die roten Lippen und ihre Augen. Ihr Ehemann ist tot und sie und ihr Komplize schieben die Schuld auf James.
Als der Polizist die Aussagen aufnimmt, geht er nachher aus dem Zimmer und wir sehen noch zwei Beamte, die ihm sehr ähnlich sehen. Diese Menschengruppierungen sind nicht nur typisch für  Twin Peaks , sondern haben eine besondere Rolle in dieser Episode. Auch in der anschlieflenden Szene, als James und Donna in der Bar  Wallies  besprechen, was sie machen werden, fährt die Kamera von links nach rechts die Bar entlang und wir sehen zuerst drei uniformierte Gäste, die alle eine Zigarre im Mund halten und nach rechts schauen.

Die drei sehen absolut gleich aus. Als die Kamera ihre Bewegung fortsetzt, zusammen mit James und Donna, sehen wir drei weitere Figuren, die den ersten auch gleich sind. Später, leicht aus der Untersicht gefilmt, können wir einen Blick auf die Bar werfen, wo alle sechs sitzen, mit ihren Zigarren im Mund.

Was auf dem ersten Blick als ein frivoles Inszenierungsspiel erscheint, ist auf visueller Ebene eine Betonung des Hauptthemas dieser Episode und auch des Rests der zweiten Staffel: Cooper vs. Earl. Wie wir wissen, handelt es sich um ein Schachspiel, bei dem Cooper (Kyle MacLachlan), wie er feststellt, sich nicht leisten kann, Figuren zu verlieren, denn das bedeutet den Verlust eines menschlichen Lebens. Albert taucht wieder in Twin Peaks auf und zeigt Cooper Fotos von Carolines persönlichen Sachen (Kleid, Kette etc.), die Earl zu unterschiedlichen Polizeistationen geschickt hat, so dass, wenn man die Ankunftsorte von Earls Sendungen auf der Karte miteinander verbindet, der Buchstabe  C  entsteht. 

C  kann sowohl Caroline als auch Cooper bedeuten. Auf jeden Fall fordert Earl Cooper damit zum Spiel heraus. Bevor aber Albert eintrifft, haben wir die Szene mit Bobby und Shelly, die von Cooper und Harry wegen Leos Verschwinden verhört werden. Das Interessante daran ist dieselbe Kamerabewegung von unten nach oben. Die Kamera hält an, als im Bild das Schachbrett, das auf dem Tisch liegt, erscheint. Obwohl sich alle Beteiligten am anderen Ende des Tisches befinden, entsteht der Eindruck als wäre das Bild (was ja ein TV-Bild im Prinzip auch ist) absolut flach. Vor allem da das Schachbrett und die Wand farblich ineinander überzugehen scheinen und die meisten Linien im Raum Horizontalen sind, bekommt man den Eindruck, als würden alle Anwesenden wie Schachfiguren auf dem Brett stehen.

Twin peaks: Double Play (2×14)

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Endlich bekommen wir eine Erklärung, warum Windham Earl solchen Hass auf Cooper (Kyle MacLachlan) hegt. Cooper erzählt Harry, dass Caroline, die Zeugin, in die er sich damals verliebte, Earls Frau war. Cooper glaubt daran, dass Earl sie getötet hat und dass das Verbrechen, von dem sie Zeugin war, auch von ihrem Mann begangen wurde. Worum es Earl hier geht, ist nicht so sehr die Rache, sondern die Möglichkeit, ein Spiel mit Cooper zu treiben. Als die beiden noch Partner waren, pflegten sie, Schach gegeneinander zu spielen, und Cooper schaffte es nie, eine Partie zu gewinnen. Wird es ihm jetzt gelingen?

Im Moment ist er einen Zug zu spät. Und die Zuschauer können am Ende der Episode sehen, wie Earl einen neuen Partner bekommt. Denn Leo, wieder mobil, verirrt sich im Wald nach seinem misslungenen Versuch, Bobby und Shelly umzubringen, und die Eulen bringen ihn zu einer Hütte. Die Tür geht auf und der Schatten bekommt ein Gesicht – Welcome to Twin Peaks, Windham Earl.

Im Gegensatz zum ersten handlungsübergreifenden Erzählstrang über Lauras Mord, verfahren die Autoren hier anders und bieten den Zuschauern relativ schnell ein Gesicht zu der Bedrohung. Aber die ganzen surrealen Elemente, wie die Eulen und das bedrohliche Rauschen der Wälder, bringen eine solche audiovisuelle Unruhe in die Erzählung, dass man sich fragen muss, ob Earl wirklich die Bedrohung ist oder doch etwas Anderes? Major Briggs taucht erneut auf und berichtet Cooper, dass die Pläne des Militärs durchaus nicht nur idealistisch waren und dass ein Unheil heraufkommt.
Währenddessen teilt Catherine dem erstaunten Pete mit, dass Andrew Packard am Leben ist und dass Josie mit Thomas Eckhart unter einer Decke steckte.

Hier läuft die Geschichte auch in Richtung eines Showdowns, denn wir sehen, wie Thomas Eckhart und eine unbekannte Frau in The Great Northern einchecken. Was James und die Frauen betrifft, heiflt es hier:
Schachmatt.

Twin Peaks: Checkmate (2×13)

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Bei einer ganzen Reihe von Episoden in dieser zweiten Staffel bekommt man das Gefühl, als würden David Lynch und die anderen  Twin Peaks -Autoren sie dafür benutzen, Experimente durchzuführen. Es geht dabei sowohl um audiovisuelle Spiele als auch um solche mit der Erzählung.

Auffallend ist nicht nur die Künstlichkeit der eingeführten und wieder fallengelassenen Geschichten, sondern auch die Künstlichkeit der Gespräche unter den Figuren. Die Figuren sprechen miteinander, wie wenn man an einem gemeinsamen Sprachprogramm teilnimmt. Sie werden durch die Sprache regelrecht isoliert. Es wird entweder in Banalitäten geredet oder das Gesagte missverstanden.

Die Ereignisse um Laura Palmers Tod haben dazu geführt, dass nicht mehr viel gesprochen wird, und wenn, dann nur im qualvollen Bemühen, Kontakt mit dem anderen herzustellen. Die Worte klingen hohl, ohne Inhalt, sie dienen nur als Vermittler von Stimmung. Bedeutungsvoller scheint die Geräuschatmosphäre zu sein, die hinter den Vorhängen lauert.

Die akustische Landschaft tendiert dazu, Hierarchien zwischen Vorder- und Hintergrund und die grundsätzliche Gegebenheit der menschlichen Stimme sowie deren vorausgesetzte Unterscheidbarkeit von Geräuschen in Frage zu stellen. Zwischen den Worten und der Geräuschatmosphäre besteht ein Verhältnis der Immanenz und der wechselseitigen Durchdringung, das polyphon, aber nicht immer konfliktfrei ist:
Wenn der Dialog gegen die Atmosphäre ankämpft, ist alles perfekt. Wenn er mit der Atmosphäre im Einklang ist, ändere ich ihn. , so David Lynch. Das Sprechen wird im akustischen Bereich von Geräuschen wie Donner, Telefonklingeln oder Türenschlagen gestört und im visuellen durch Lichtunterbrechungen, wie dem Stromausfall in  Checkmate.

Er markiert die wichtigsten Ereignisse der Episode: Windham Earle führt seinen nächsten, diesmal tödlichen, Zug durch und Leo verlässt plötzlich seinen Rollstuhl. Das Gesicht von Leo, kurz in Nahaufnahme erleuchtet, ist wie eine verzerrte Grimasse, die sehr gut den Zustand der Serie in ihrer zweiten Staffel verbildlicht: Sie ist eine Grimasse von sich selbst.

Keine Figur ist mehr sie selbst. Handelt es sich um einen Prozess der Transformation, markiert durch die Figur von Denise (David Duchovny), die undercover als Dennis hier ihren Auftritt hat? Oder handelt es sich um ein Spiel, um eine Art Maskerade – Leos Gesicht, mit Torte verschmiert, sieht wie das von einem Clown aus -, um den Versuch eine Lücke auszufüllen?