Twin Peaks: May the Giant Be with You (2×01)

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Twin Peaks startet auch die zweite Staffel mit einer Episode in Spielfilmlänge, die ihre Zuschauer die meiste Zeit an der Nase herumführt.
Immer wieder, wenn ich  May the Giant Be with You  sehe, denke ich, dass Serienerfinder David Lynch hier den ganzen Sommer (zwischen dem Ende der ersten und dem Beginn der zweiten Staffel) aufholen wollte. Man hat das Gefühl, dass mit dem Erfolg von  Wild at Heart  und Times Betitelung von Lynch als  Czar of Bizarre  ( He has proved that an eccentric artist can toil in American TV without compromising his vision. ) der berühmte Regisseur den Piloten der zweiten Staffel zum Sich-Austoben benutzt hat. In dieser Hinsicht ist die Sequenz, in der die Horn-Brüder, angestiftet durch Lelands Gesang, sich zu einer bizarren Tanzeinlage bewegen lassen, bezeichnend.

Genauso eine Tanzeinlage vollführen in dieser Episode alle möglichen Handlungsstränge, kombiniert mit surrealen Zwischenstopps. Beim Zuschauen bekommt man das Gefühl, dass jede Szene in die Länge (nicht negativ gemeint) gezogen wurde, um so die andauernde Ratlosigkeit über  the third man  zu spiegeln. Denn Cooper (Kyle MacLachlan), der angeschossen auf dem Fuflboden seines Zimmers liegt, bekommt einen doppelten Besuch. übrigens: die beiden Einschusslöcher (an den Stellen, wo die Weste die Kugeln aufgefangen hat) scheinen absolut symmetrisch zu sein. Twin Peaks eben. Und die ƒhnlichkeit zwischen dem Kellner, der Cooper warme Milch bringt und gar nicht zu bemerken scheint, in welcher lebensbedrohlichen Lage der FBI-Agent sich befindet, ist eine visuelle Verdoppelung des Riesen, der anschlieflend Cooper besucht.

Kunstvoll zerrt Lynch an der Geduld und den Nerven seines Publikums, um am Ende doch ein neues Rätsel zu schaffen. Der Riese will Cooper helfen und übermittelt ihm drei codierte Nachrichten. Im Laufe der Episode schafft es Cooper zwei davon zu dekodieren, aber die dritte  The owls are not what they seem  bleibt weiterhin ungelöst. Letztendlich wird Cooper gerettet und lässt sich im Krankenhaus die Ereignisse der letzten Nacht zusammenfassen: Leo ist im Koma, Nadine auch, Jacques wurde ermordet, Shelly und Pete wurden mit Rauchvergiftungen eingeliefert und von Catherine und Josie fehlt jede Spur.Hiermit schaffen die Autoren auch eine Zusammenfassung für die Zuschauer, ohne den Ablauf der Handlung zu unterbrechen.

Und die Handlung sehen wir die meiste Zeit aus zwei extremen Perspektiven: Von oben (High Angle, wie in der Tanzszene mit den Brüdern Horn) oder aus der Untersicht (Low Angle, wie in der Szene mit dem Riesen). Hiermit wird des ÷fteren ein unmöglicher Blickpunkt suggeriert, der entweder mit Gefahr verbunden ist (und auch von den dunklen Klängen des Soundtracks unterstützt wird) oder den übernatürlichen Charakter einer Szene unterstreicht. Ein Mix aus Audreys und Lauras Musikthemen erklingt in einer ganzen Reihe von Szenen, die uns Maddy und Donna präsentieren. Vielleicht besser gesagt: Verändert präsentieren.

Während Maddy die Brille ablegt ( I hate them. I’m never wearing these again. ), setzt Donna die schwarze Sonnenbrille von Laura auf und fängt an zu rauchen. Wir haben viele extreme Close-Ups von ihrem Gesicht, von den roten Lippen, die sich um die Zigarette schlieflen. Hiermit schlüpft Donna in die Rolle der Femme Fatale. Die Frage ist: Macht sie das wegen der Untersuchung, die sie, Maddy und James noch führen oder aus anderen zutiefst persönlichen und vielleicht unbewussten Gründen? Das Rauchen ist das andere Verbindungselement dieser Episode. Wir sehen nicht nur Donna ständig rauchen, sondern auch Ed im Krankenhaus (dem Ort, wo die meiste Zeit die Handlung spielt) und Bobby in RR.


Fire walk with me.  Rauch, Feuer und ein dritter Mann, der laut dem Riesen Laura getötet haben soll. Wie wir schon erfahren hsben, ist damit weder Leo noch Jacques gemeint. Wer war der dritte Mann am Fenster? Und warum wurden über Nacht Lelands (Ray Wise) Haare weifl? Weil er Jacques tötete? James erzählt Harry, dass Laura ihn gefragt hat, ob er mit dem Feuer und mit Bob spielen möchte. Und ausgehend von Ronnettes Pulaski Traum bzw. ihren Erinnerungen, die wir verbildlicht am Ende der Episode sehen, ist Bob der Mörder von Laura. Aber wer ist Bob?
 Come on everyone, get happy… , singt Leland.

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