Twin Peaks: Drive with a Dead Girl (2×08)

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Drive with a Dead Girl  gehört definitiv Ray Wise. Dem Schauspieler gelingt es nach wie vor eine perfekte Balance zwischen dem Verstörenden und Humorvollen, wenn auch manchmal die Performance ins Overacting übergeht. Die Gespaltenheit von Leland Palmer wird in dieser Episode fast ins Unerträgliche – Monströse – gesteigert: David Lynchs Studie eines Mannes, der gegen die wichtigsten Gesetze der Natur und der Gesellschaft verstoflen hat, wird hier fortgesetzt. Im Spiegel sehen wir den Vater, den Mörder und den singenden Bürger aus Twin Peaks.

Und das Singen geht in Weinen über, genauso wie sich die Trauer danach in ein hämisches Grinsen verwandelt. Dieses Wechselbad der Gefühle ist es, was Cooper (Kyle MacLachlan) immer nachdenklicher stimmt. Er spürt, dass mit Leland etwas nicht in Ordnung ist, aber ihm wird der Blick in den Spiegel nicht gewährt. Wenn man so will, ist Cooper wie von einer Spiegelung geblendet, von der Tatsache, dass Leland Lauras (Sheryl Lee) Vater ist.

Da die Zuschauer jetzt wissen, dass Leland Bob ist, geht die Spannung etwas verloren, genauso wie die bisherige kriminalistische Zuschauerposition (Spuren mitverfolgen, Rätsel lösen, Detektivarbeit leisten); stattdessen verschiebt sich unsere Position hin zu einer weniger machtvollen und für das Horrorgenre typischen. Diese Position ist von Hilflosigkeit geprägt: wir wissen, wer der Mörder ist, haben aber keine Möglichkeit, unser Wissen den fiktionalen Figuren zur Verfügung zu stellen. Besonders spürbar wird das in der Szene, als Cooper und Harry im Hotel auf den singenden Leland treffen und ihm mitteilen, dass Ben wegen des Mordes an Laura verhaftet wurde. Leland geht aus dem Raum, biegt um die Ecke und verschwindet damit aus unserem und Coopers Blickfeld. Aber wir hören ihn. Weinen oder Lachen?

Als Cooper zu ihm geht, sehen wir aus Coopers Position Lelands Rücken, und alles klingt nach Weinen. Aber dann wechselt die Kamera ihre Position: nur wir Zuschauer können in Lelands Gesicht blicken, das von einem diabolischen Grinsen verzerrt wird. Dieses Grinsen wirkt wie eine visuelle Verdoppelung der Schleifen, die Leland mit seinem Auto fährt, so dass er fast in Cooper und Harry rast. Aber hier übersieht Cooper erneut Lelands Wunsch, entlarvt zu werden – und die Episode endet so, wie  Twin Peaks  anfing: Mit der aus dem Wasser gefischten toten Laura/Maddy – in Plastik gewickelt!

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