Twin Peaks: Laura’s Secret Diary (2×04)

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Laura’s Secret Diary  hat, meiner Meinung nach, zwei Stimmungsebenen, die natürlich miteinander verbunden sind: Das Echo unvorstellbarer Trauer und das Bedürfnis nach Geborgenheit. Beide Ebenen sind sowohl visuell als auch auditiv seit der ersten Sekunde vertreten. Warum sage ich Echo? Weil die komplette erste Szene, vor allem durch die Leistung von Ray Wise als Leland Palmer, nicht nur ein Echo des Gefühls darstellt, das die Twin Peaks Bewohner seit Lauras Tod heimsucht, sondern auch ein Echo von Lelands Tat ist. Und letztendlich erscheint Leland als Echo seines Selbsts:  Have you ever experienced absolute loss? No, more than grief. It’s deep down inside. Every cell screams. You can hear nothing else.

Der Schmerz ist so laut, dass man nichts mehr hört. Aber wir hören das Geräusch der Nulllinie auf dem Herzmonitor, übertönt von Frauenschreien. Alles ist dunkel, trotzdem durch die hell werdenden Bildränder bekommt man den Eindruck, dass die Kamera zurückfährt und das tut sie tatsächlich. Sie kommt aus einem Loch heraus und wir sehen eine braune Oberfläche, die mit ähnlichen Löchern übersät ist. Dann erfahren wir, dass dieser Blickpunkt, in den wir versetzt wurden, der von Leland Palmer ist.

Die Löcher sind Lüftungslöcher in der Wand des Verhörzimmers, in dem sich Leland zusammen mit Cooper (Kyle MacLachlan), Harry und Dr. Hayward befindet. Nicht nur erinnert die Geräuschkulisse an Renaults Mord, den Leland in dieser Szene gesteht, sondern sie ist das Echo von Lelands Worten. Der Soundtrack ist wie die Begleitmusik auf der Reise durch Lelands Welt des Schmerzes. Gleichzeitig verweist die Nahaufnahme der durchlöcherten Wand auf die  Twin Peaks -Oberfläche, die nach Lauras Tod zu zerbröckeln begann. Es ist so, als würde man uns mit jedem Handlungsstrang einen Blick in eines der Löcher gewähren und dann vor dem Gesehenen zurückschrecken.

Laura’s Secret Diary  ist eigentlich eine ruhige Episode, in der nicht wirklich viel passiert – bis auf Josies Rückkehr. Es stellt sich die Frage, ob die Hong-Kong-Mafia, in die Josie anscheinend involviert ist, Benjamin Horns Herrschaft beenden will? Auf jeden Fall wüten jetzt auch andere Kräfte in Twin Peaks, was Hank am eigenen Leib zu spüren bekommt. Genauso wie der Sturm über Twin Peaks wütet und die Handlung in die Innenräume zwingt, wo sie eigentlich – im metaphorischen Sinne – schon zu Hause ist. Wenn ich mich nicht täusche, regnet es in Twin Peaks das erste Mal seit Lauras Tod.

Das Blau der Blitze – sonst nur in Normas und Hanks Kleidung zu finden – versucht einzudringen, das weiche Licht der Innenräume zu übertonen und das Rauschen der Bäume weist auf die immer wieder auf Rot wechselnde Ampel hin. Wir haben häufig die Bildreihenfolge mit den Bäumen und der Ampel. Diese Episode ist eine der Sinneswahrnehmungen und der Emotionen, und nicht so sehr eine handlungsreiche. Eine andere Szene aus der Mitte der Episode liefert die beste Beschreibung: Donna besucht wieder einmal Smith und während des improvisierten Picknicks in seiner Wohnung liest er aus Lauras Tagebuch, das er sich dem Sheriff auszuliefern, weigert.

In dieser Szene spürt man Donnas Bedürfnis nach Geborgenheit, danach, aufgefangen zu werden. Nach dem traumatischen Tod ihrer Freundin und nachdem sie nicht mehr James Arme zum Trost hat, ist sie ganz allein, so wie Laura. Der Sturm drauflen wütet weiter und zwingt alle Figuren in dieser Episode über ihre Einsamkeit nachzudenken.

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