Monthly Archives: September 2012

Justified: Slaughterhouse (3×13)

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Im Review zur letzten Episode sprach ich über das russische Roulette, das seit Anfang der Staffel in Harlan gespielt wird. Im Final  geschieht genau das: Raylan spielt – mit seinem Leben und mit dem von Wynn Duffy.

Ansonsten kommt es, glaube ich, zum ersten Mal in einem Justified-Finale dazu, dass Raylan niemanden erschießt. Der Showdown, auf den Quarles sich unausweichlich hinbewegt hat, findet auch statt, aber zwischen ihm und Limehouse. Was die Autoren subtil vorbereitet haben, zahlt sich hier auf großartige Art und Weise aus. Wir erfahren, warum Limehouse sich so gern in der Nähe von den Schweinekadavern aufhält: Darin ist das ganze Geld versteckt!

Als wir Quarles “As im Ärmel” zum ersten Mal sahen, war klar, dass es eine große Rolle spielen wird. Vermutlich hat aber keiner mit dem “Wie” gerechnet, das uns in diesem Finale erwartet. Limehouses Hackbeil und Quarles’ Derringer kommen simultan zum Einsatz. Aber Limehouse trennt einfach Quarles Arm ab.

Trotz der großartigen Szenen um Limehouse und den Abschluß der Quarles-Odyssee ist ein anderes “Abtrennen” in diesem Finale, was wirkliche emotionale Wucht entfaltet. Ich spreche von dem erneuten Beweis, wie sehr Arlo seinen eigenen Sohn Raylan hasst. Es stellt sich heraus, dass es der alte Mann war, der auf den Sheriff geschossen hat, weil … er den Mann mit dem Hut für Raylan hielt und Boyd schützen wollte. Auch wenn sich Arlo in vielen Momenten senil und geistesabwesend zeigt (seine Gespräche mit Helen), in diesem einen Augenblick war er ganz bei sich und bei seinem Hass.

Es ist eine sehr bittere Erkenntnis für Raylan zu sehen, nicht nur wie sehr der eigene Vater ihn hasst, sondern auch was er bereit ist für seinen “Wahl”-Sohn zu tun. Arlo gesteht nämlich den Mord an Devil, um Boyd vor dem Gefängnis zu bewahren. Und während Arlo den ultimativen Treue-Beweis liefert, ist Johnny derjenige, der hinter Bodys und Avas Rücken sein eigenes Spiel treibt. Diese Tatsache dürfte genug Material für die neue Staffel liefern. Aber dieses Mal bevorzugen die Autoren ein stilles, eher nachdenkliches Ende der Season. Wir sehen Raylan bei der Frau, die er liebt, aber mit ihr nicht wirklich zusammen sein kann und die seinen Sohn bald auf die Welt bringen wird.

Und es ist eine Welt, wo Väter ihre Söhne zu töten versuchen…

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Dexter: This Is The Way The World Ends (6×12)

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Oh God. So lauten Dexters (Michael C. Hall) letzte Worte in dieser Staffel. Besser könnte man es nicht beenden. Und das ist sowohl im positiven als auch im negativen Sinne gemeint. Wir haben im Laufe der Staffelerzählung so manchen Oh-God-Moment erlebt, meist die belanglosen Nebenhandlungen um Maria, Angel und Quinn und die stümperhaft konstruierte Story um Travis und Professor Gellar betreffend. Aber in den letzten Wochen habe ich genug Kritik daran geübt und werde mich jetzt hauptsächlich den gelungenen Momenten im Finale widmen – will sagen: den letzten Minuten.

Insgesamt kann man den Autoren zugute halten, dass sie sich in dieser Staffel Jennifer Carpenters Figur Debra widmeten, so dass endlich die Ereignisse auch ihres Lebens mehr oder weniger verarbeitet werden konnten. Was sich daraus aber ergeben hat, ist die Erkenntnis, dass sie schon die ganze Zeit über in ihren nicht biologischen Bruder verliebt war. Damit zieht Showtime HBO nach: Schließlich durften wir in diesem Jahr schon in Game of Thrones und Boardwalk Empire Inzest erleben! Mein Problem mit dieser Geschichte bei Dexter ist ihr Hineinplatzen in die Serienhandlung, wie aus heiterem Himmel. Vielleicht gehört es zum Plan der Autoren, uns Zuschauern im Kontext einer Staffel über Religion, Nächstenliebe, Vergebung, Strafe, Sünde etc. auch verbotene Bruder-Schwester-Liebe zu präsentieren, um ihr dadurch mehr Gewicht zu verleihen.

Trotzdem fühlt sich das Ganze erzwungen, überhastet an. Bezüglich der letzten Minuten dieser Staffel, als Dexter Travis tötet und Debra es sieht, frage ich mich außerdem, warum die Autoren die emotional ohnehin schon sehr enge Bindung zwischen Bruder und Schwester um die Liebeskomponente erweitern mussten? Das werden wir hoffentlich nächstes Jahr erfahren. In dieser Episode, die uns weiterhin nichts über Ryan oder Louis verrät, erfahren wir immerhin, dass Masuka und Yoda eine und dieselbe Person sind, dass Angel Quinn versetzen zu lassen versucht, Maria herablassendes Verständnis für Debras Jobschwierigkeiten empfindet… und dass Travis in Dexters Wohnung Zeit verbringen kann, ohne auf Jaime und Harrison zu treffen, die sich zeitgleich mit ihm ebenfalls dort befinden.

Aber seine Entscheidung, das Haus des alten Pärchens mit dem seines letzten Opfers (Travis glaubt Dexter tot) zu tauschen, bringt Travis eine Erleuchtung. Sein nächstes und letztes Opfer zur Feier der Sonnenfinsternis aka des Weltuntergangs ist wieder einmal ein zufälliges: Harrison soll es sein! Der Rest der Travis-Geschichte besteht aus seiner Begegnung mit dem Allmächtigen, aber dieser ist… The Beast, Dexter, Bruder, Vater – und Serienmörder. Travis auf Dexters Tisch liegen zu sehen, ist eigentlich eine Erleichterung: weil dieser Handlungsstrang nun vorbei ist. Trotzdem stimmt das Ende zufrieden.

Die Autoren liefern dem Publikum das Ereignis, das schon längst beschworen wurde: Debra trifft auf den Dark Passenger. Diese Tatsache erlaubt der Serie nicht, die folgende Staffel wieder, wie so oft, bei Null beginnen zu lassen. Die Handlung muss sich nun als eine This-is-the-Way-the-(World)-Story-Ends-Erzählung fortbewegen, die sich auf die Morgans und auf Dexters Geheimnis konzentriert. Eigentlich bin ich gespannt darauf, wie die Autoren Dexter als Serie mit den nächsten zwei Staffeln beenden wollen – trotz faden Beigeschmacks im Laufe dieser sechsten Staffel. Alle Möglichkeiten stehen offen: I’m a father, a son, a serial killer! Amen.

Dexter: Talk to the Hand (6×11)

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Man darf mir nach Herzenslust Subjektivität vorwerfen, aber langsam verliere ich die Geduld mit einer meiner liebsten Serien aller Zeiten. Bisher fielen die Reviews positiver aus, als sie eigentlich sein sollten, denn Hoffnung und Vertrauen in die Serie blieben bestehen. Aber obwohl das Finale noch aussteht, wird für mich diese sechste Staffel als die bisher schlechteste in Dexters Geschichte eingehen. Das soll nicht heißen, dass Dexter eine schlechte Serie sei oder dass man jetzt, ausgehend von dieser einen Staffel, die großartige Leistung der Showtime-Produktion aus vorherigen Staffeln vergessen solle. Tatsache ist – in meinen Augen -, dass  die Serie Dexter ihren Dark Passenger derzeit verloren hat, so wie Dexter als Protagonist der Erzählung es von sich selbst sagt.

Damit meine ich die dunkle Seite, die uns die Serie ernst nehmen ließ, die uns nachdenklich machte und die sich teilweise aus Dexters Konfrontation mit anderen dunklen Seiten ergab. Gegenwärtig wirkt die Showtime-Produktion diesbezüglich wie eine Karikatur ihrer selbst. Zuerst verbrauchte man die ganze Staffel, um den Twist mit Gellar zu liefern und Dexter (Michael C. Hall) mit religiösen Erleuchtungen zu beschäftigen, so dass zu wenige Berührungspunkte zwischen den beiden Seiten entstanden. Verständlicherweise wollten die Autoren die religiöse Thematik mit der Dark-Passenger-Situation zu einem explosiven Ganzen mischen, aber es funktionierte nicht!

Genauso wenig wie Travis’ Bombe, die Beth Dorsey zwar in die Miami Metro bringt, die jedoch dank Dexter nur Beth selbst beseitigt. Nicht jeder Bösewicht muss ein Mastermind sein – aber Travis nimmt man einfach nicht ernst, ob das nun an Colin Hanks’ Performance oder an der Figur selbst liegt. Den Gottesauftrag ebenfalls nicht. Letzte Woche war es „Hello, whore“, diesmal Dexters Gesicht an Teufels Stelle in Travis’ Wandmalerei. Wenn die Szenen humorvoll gemeint waren, dann sind sie gelungen – aber wenn nicht… !

Was die Nebenhandlungen betrifft, sieht es mit Louis immer verwirrender aus: Wir sehen ihn eine Handprothese bemalen und per Post zu Dexter schicken. Was dahinter steckt? Keine Ahnung! Hinter der Matthews-Story steckt natürlich Maria, die Matthews und Debra geschickt gegen einander ausspielt. Batista wird von Quinn übrigens in letzter Sekunde gerettet, aber der Lauf gegen die Zeit an mehreren Fronten wird durch den nächsten Twist lahm gelegt: Debra hegt möglicherweise Gefühle für Dexter, die über die Geschwisterbeziehung hinausgehen!

Das versucht ihr die Psychologin klar zu machen – und obwohl Debra vehement verneint, bekommen wir einen ziemlich eindeutigen Traum von ihr geboten, wo es sogar zu einem Kuss kommt. Für mich sieht das nach einem aus den Fingern gesogenen Handlungsstrang aus, um nur ja eine überraschende Wendung hinzubekommen. Ob die Autoren diese Geschichte tatsächlich weiter verfolgen und ausbauen wollen? Bevor ich euren vernichtenden Kommentaren – mir oder der Serie gegenüber – die Bühne überlasse, sei noch das Ende der Episode erwähnt: Dexter entkommt Travis’ nächster Feuer-Inszenierung… und ist somit bereit für die entscheidende Auseinandersetzung im Finale.

Dexter: Ricochet Rabbit (6×10)

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Get Gellar präsentierte die so genannte große Enthüllung, aber zum Glück zeigt uns Ricochet Rabbit, was die wahre Enthüllung ist, die dem Spiel in dieser sechsten Staffel zugrunde liegt. Wir und der im Keller der Kirche eingesperrte Dexter erfahren aus Travis’ Selbstgespräch, der immer noch Gellar sieht, dass der Professor vor drei Jahren von Travis’ Hand starb. Travis ist seitdem sein eigener seelischer Anführer gewesen. Brother Sam, der für Dexter eine ähnliche Rolle wie Gellar hätte spielen können und auch streckenweise gespielt hat, starb ebenfalls. Was blieb, sind Travis, Dexter und die Dunkelheit.

Aber es sieht danach aus, als hätte Dexter zum ersten Mal zu Travis durchdringen, ihn von dem mörderischen Pfad ablenken können, genauso wie Brother Sams Worte für Dexter eine Art Erleuchtung zu bringen schienen. Dexter wollte Travis diese Erleuchtung bringen – und versagte. Er war zum Versagen verurteilt, denn die dunkle Lektion lautet: Es gibt keine Rettung, weder für Dexter noch für Travis. Dexter sagt am Anfang der Episode zu Harry, Brother Sam habe Unrecht  gehabt; Travis nennt Dexter einen falschen Propheten.

Dexter lag falsch, mit sich und mit Travis. Mit dem symbolischen Durchtrennen der Kette von letzter Episode hat sich auch Travis’ letzte Bindung an diese Welt gelöst. Er kündigt an, das Werk fortsetzen zu wollen. Dexter will das verhindern: The only way to kill the Dark Passenger is to take out the driver. Aber der Unterschied zu Dexter und seiner Fähigkeit, dennoch ein soziales Leben zu führen, liegt in der Tatsache, dass bei Travis Fahrer und Passagier dieselbe Person sind. Das wiederum zieht die Frage nach sich, ob es gerechtfertigt ist, einen Mann umzubringen, der unter psychischen Problemen leidet.

Wie die Nachforschungen der Miami Metro beweisen, hat man bei Travis schon vor langer Zeit etliche Störungen diagnostiziert. Ironischerweise versucht nun Dexter, Gellar am Leben zu erhalten, damit die Miami Metro nicht an Travis herankommt: Travis gehöre ihm, sagt er zu Harry. Dieser Dexter ist nicht der kühl planende Mörder der ersten Staffeln. Dieser Dexter nimmt die Sache persönlich. Wir sollten damit rechnen, Gellar und damit Olmos nicht mehr zu Gesicht zu bekommen – was schade ist, denn Eduard James Olmos bekam nie die Möglichkeit, schauspielerische Akzente zu setzen, was er hervorragend kann.

Mos Def in der Rolle von Brother Sam bekam diese Möglichkeit und nahm sie auch wahr, aber verschwand viel zu schnell von der Bildfläche. Jetzt ist der Platz gegenüber Michael C. Hall wieder vakant, aber ich bin mir überhaupt nicht sicher, ob Colin Hanks diesen Platz füllen kann und wird. Seine Veränderung vom innerlich zerrissenen Travis zum grinsenden Massenmörder wirkt beinahe slapstickhaft. Er findet über seinen Blog neue Helfer in einem gläubigen jungen Pärchen (One-Liner der Episode: Do you mind if I come in, I’m being hunted.), das ihm bei Hollys Beseitigung – auch Travis nimmt die Sache persönlich – und dann beim Vorbereiten der nächsten Inszenierung zur Seite steht, deren Ziel die Miami Metro ist. An einem Ziel schießen Dexters Autoren allerdings nicht vorbei (im Gegensatz zu einigen anderen), nämlich was die Beziehung zwischen Debra und Dexter betrifft. Diese Episode beschäftigt sich sorgfältig und sparsam damit.

Neben der Erkenntnis während Debras Sitzung bei der Psychologin, dass Dexter immer schon ihr „safe place“ war, gibt es nur eine Szene zwischen den beiden, als sie über Debras Panikattacke in der Kirche reden: You may be pregnant. Klein, aber fein: so könnte man den Austausch zwischen den beiden nennen. Und ebenso Debras beiläufige Anmerkung, dass Travis’ Schwester ihn für einen guten Menschen gehalten habe, und Dexters Antwort, dass sie vermutlich vom wahren Travis nichts wusste. Welchen Preis muss man bezahlen für die Wahrheit? Will man ihn überhaupt bezahlen? Will man überhaupt die Wahrheit wissen? Es bleibt interessant, wie weit die Autoren die Debra-Dexter-Geschichte führen wollen – oder ob sie uns nur an der Nase herumführen…

Dexter: Get Gellar (6×09)

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The writing on the wall, sagt Travis zu Dexter bezüglich einer neuen Nachricht von Gellar. Aber von welchem Gellar? Dem Professor, den Travis vor einiger Zeit tötete? Denn wie erwartet kommt uns Dexter in dieser neunten Episode mit der großen Enthüllung: Gellar existiert nur noch in Travis’ Kopf. Also: The writing on the wall könnte ironischerweise als selbstreflexive Aussage gelesen werden… Für diejenigen Zuschauer freilich, die diese Enthüllung nicht kommen sahen, müssen die letzten Minuten der Episode absolut spannend gewesen sein. Und das ist gut so. Worin besteht aber der Zugewinn für all die anderen, die bereits die ganze Zeit über an die Einheit Travis / Gellar glaubten?

Darin, dass sie sich in ihren Vermutungen bestätigt fühlen dürfen? Sie fragen sich bestimmt, wie Travis all die Aktionen allein bewältigen konnte, nicht zuletzt die Entführung in dieser Episode. Auch wenn wir nicht von Logik sprechen, sondern einzig und allein von dem Effekt, den solche Enthüllungen bewirken: Welchen Effekt hatte die Enthüllung auf euch? Für mich persönlich kann ein Zugewinn nur in Dexters eigener Reise liegen, wie es schon in früheren Staffeln stets der Fall war. Die Autoren versuchen Dexter in dieser Staffel mit Gedanken an eine zweite Chance, an Vergebung zu konfrontieren. Wohin alles führen wird, kann man derzeit schwer beurteilen.

Die Episode beginnt mit einer hinweisenden Geste. Dexter durchtrennt mit einer Axt die Kette, an der Travis festhängt. Help separate them, sagt sein Voice Over. Nur lässt sich Travis  nicht so leicht von Gellar trennen – zwar versucht er Dexter zu helfen, aber in dem Bewusstsein, dass Gellar ihn von außen bedroht. Ironischerweise sagt Dexters Voice Over zu Harry, er wisse genau, dass er sich nie von dem eigenen Dark Passenger trennen könne. Was aber, wenn man gar nicht vermutet, einen zu haben? Und wie wollen die Autoren Travis ab jetzt darstellen?

Travis / Gellar bekommt auch die nächste geplante Installation hin. Dieses Mal regnet es am Tatort Blut auf alle Miami-Metro-Anwesenden. Für Debra ist das zu viel des Guten, und sie sucht die Psychologin auf. In den letzten Episoden gefällt es mir, wie die Serie den Fokus auf Debra hin verschiebt und sich damit auseinandersetzt, wie alles Bisherige aus ihrem Blickwinkel aussieht, was in ihrem Leben geschah, wie es irgendwie immer mit leichter Hand zur Seite geschoben wurde. Den Running Gag mit Dexter, dem Tisch und dem Stuhl fand ich durchaus gelungen, genauso wie Masukas Ratschlag an Louis: When it comes to matters of the heart, always follow your dick! Übrigens scheint Louis – da wir gerade von „leichter Hand“ sprachen – sein eigenes Geheimnis zu haben… und ITKs Hand zu Hause! Interessant. Ob er irgendwie mit Ryan in Verbindung steht und irgendein Ziel verfolgt? Der Rest der Nebenhandlungen, vor allem die Story um Maria, die tote Prostituierte, Matthews (war doch klar – andere Personen, die in Frage kämen, kennen wir ja nicht!) und diejenige um Angel und Quinn sind in meinen Augen, wie stets, nichts als Zeitvertreib.

Wird Debra durch den Fall über ihren Bruder stolpern? Wie wird die Serie den Travis-Gellar-Wechsel im Kontrast zu Dexter mit Colin Hanks umsetzen? Diese Fragen richten wir an die letzten drei Episoden, die der Showtime-Serie in einer sehr durchwachsenen Staffel noch bleiben, um zu alter Qualität zurückzukehren.

Dexter: Sin of Omission (6×08)

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Kann es sei, dass die Dexter-Autoren selbst Gott spielen? Das könnte sich als gefährliches Spiel zwischen Licht und Schatten erweisen. Ich meine die Ungewissheit, in der man uns Zuschauer noch immer schweben lässt: ob Gellar physisch existiert oder nicht. Es scheint so, als würde dieses Spiel – ganz abgesehen von seinem Ausgang – keinen Gewinn bringen. Anstatt als As im Ärmel kann sich Gellar als Schwarzer Peter entpuppen. Warum? Wenn Gellar wirklich existierte, dann wären innerhalb der Gesamtthematik der Staffel die Parallelen zwischen Travis und Dexter nicht mehr so stark ausgeprägt – und Gellars Figur wäre durch ihre sporadischen Auftritte nicht annähernd so wirkungsvoll wie frühere Bösewichter.

Die Figur bliebe einfach „flach“. Falls aber Gellar nur in Travis’ Kopf lebte und die Autoren dies als „Bombe platzen“ lassen wollten gegen Ende der Staffel, dann würde der Überraschungseffekt sicherlich ausbleiben: aufgrund der vielen Spekulationen und Hinweise, die es bereits gibt. Nun jedoch folgt das große „Aber“ und damit die Tatsache, von der die Serie profitieren könnte: Wenn Gellar nur für Travis existiert, dann weiß das Travis selbst nicht. Er weiß nicht, dass Gellar sein Dark Passenger ist. Das könnte zu einem interessanten Spiel zwischen ihm und Dexter führen, da sie beide Travis’ Problem als ein äußeres betrachten, wie Dexters Stimme sagt: als eines, das man mit einem Messer beseitigen könnte.

Die Nebenhandlungen in Miami Metro wirken nach wie vor wie von einem anderen Stern: Es ist wirklich egal, was geschieht und was nicht. Ob Quinn besoffen mit Masuka im Stripclub sitzt, Angel Louis wegen Jamie anmacht und Maria Debra herumzukommandieren versucht – das alles bleibt schlichtweg belanglos. Immerhin könnte es durch den Fall um die an einer Überdosis gestorbene Prostituierte endlich gelingen, Maria zu verabschieden. Denn allem Anschein nach übt sie auf Debra Druck aus, um jemanden zu decken. Ob es Matthews ist? Wir werden es bestimmt bald erfahren.

Die Episode konzentriert sich zum Glück vorwiegend auf den Austausch zwischen Travis und Dexter. Dexter versucht Travis dazu zu bewegen, Gellars Aufenthaltsort preiszugeben. Aber Gellar selbst schläft nicht, sondern vollendet die Inszenierung The Whore of Babylon, indem er dafür… Travis’ Schwester Lisa (Molly Parker) benutzt. Davor knockt er Travis mit einer Schaufel aus und kettet ihn in der Kirche an. Debra und ihre Kollegen realisieren, dass sie nach zwei Personen suchen, und Travis wird zum Hauptverdächtigen. (Debra: I’ll fuck Masuka if this isn’t our guy.) Debra (Jennifer Carpenter) wirft sich vor, etwas übersehen zu haben, da sie noch kurz vor dem Mord mit Travis’ Schwester sprach. Aber  genau genommen – und das ist vor dem Hintergrund des Bruder-Schwester-Konflikts in dieser Episode  interessant – liegt die Schuld nicht bei Debra, sondern bei Dexter (Michael C. Hall).

Er ist ja derjenige, der seinen Kollegen Erkenntnisse und Beweisstücke vorenthält, was den Tod Unschuldiger zur Folge hat. Die Serie versucht, die Parallele zwischen den beiden Bruder-Schwester-Paaren zu ziehen. Das könnte sich als Erfolgsrezept erweisen, je nachdem, wie nah die Autoren Debra an Dexter herankommen lassen. Sie findet den Nebraska-Stift und stellt schnell fest, dass Dexter sie belogen hat. Wird ihr gescheiterter und verzweifelter Versuch, mit ihrem Bruder zu kommunizieren, sie Einiges hinterfragen, Verbindungen herstellen lassen? Dexter wiederum scheitert daran, Gellar zu erwischen, der wie ein Geist aus der Kirche verschwindet. Dafür verspricht ihm Travis seine Hilfe, um Gellar umzubringen. Dexters Voice Over spricht am Ende darüber, dass er es vielleicht geschafft habe, selbst das Licht in Travis „anzuzünden“. Aber die Frage ist: Was wird das Licht im Dunkeln beleuchten?

Dexter: Nebraska (6×07)

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You don’t turn the other cheek, you slice it! Nebraska wird man dem entsprechend beurteilen müssen, was man sich von Brians Rückkehr am Ende der letzten Episode versprochen hat. Nun, Brian kehrt nicht im physischen Sinne zurück, sondern als eine Art Manifestation von Dexters Dark Passenger: als ein Schrei nach Lösung des inneren Konflikts, in den Dexter nicht nur durch die Ereignisse um Rita und Trinity geriet, sondern jüngst durch den Einfluss von Brother Sam. Brother Sam als Licht, Brother Brian als Dunkelheit… Harry und sein Code sind stets der Stab in Dexters Händen gewesen, der ihn seine ganz spezifische Balance halten ließ.

Jetzt lässt er ihn fallen, und die Dunkelheit ergreift komplett Besitz von ihm. Sollte man jedenfalls denken. Aber Brians Auftritt wirkt nicht annähernd so dunkel, wie wir Brian zu Lebzeiten kannten, und für mich wollte der Funke nicht überspringen. Keine Gefahr des Überwechselns auf die dunkle Seite war für Dexter zu spüren. Wenn man das Dexter-Brian-Treffen als eine Art amüsante kurze Reise und kleine Prüfung für Dexter sieht, nachdem Brother Sam starb, dann könnte man diese Episode sogar als gelungen bezeichnen – eine „What if…“-Episode, wenn man so will, in der Dexter und Brian nach Nebraska fahren und Dexter aus den selbst auferlegten Schranken herauskommt.

Er hat zum Beispiel spontanen Sex mit einer jungen Verkäuferin, schießt mit der aus dem Laden entwendeten Waffe bei voller Geschwindigkeit auf Straßenschilder und… tja: Das war’s schon! Der einzige Mord, den er begeht, ist doch irgendwie gerechtfertigt. Denn der Motelmanager züchtet nicht nur Gras, sondern hat Dexters Werkzeug aus dem Auto entwendet und versucht ihn zu erpressen, indem er ihn mit der von Dexter selbst gestohlenen Waffe bedroht. Alles verläuft nach Brians Geschmack, bis Dexter dann vor dem nächsten Schritt doch innehält. Für diese Prüfung holen die Autoren die Mitchell-Familie zu Hilfe bzw. deren einziges überlebendes Mitglied: Jonah.

Am Anfang der Episode wird Dexter von Debra mit der Nachricht konfrontiert, dass Trinity wieder zugeschlagen und die eigene Frau und Tochter im Trinity-Style ermordet habe. Dexter / Brian weiß sofort, dass nur Jonah dahinter stecken kann. Ein weiteres „Hello, Dexter Morgan“, aber nicht ganz. Auch diese Story wird kurzerhand abgefertigt, denn Jonah hat zwar im Affekt seine Mutter getötet, aber nur, weil sie seine Schwester in den Selbstmord trieb und seinen Vater immer noch liebte. Jonah (Brando Eaton) will, dass Dexter ihn tötet, aber Dexter kann es nicht tun: nicht nach Harrys Code, sagt er.

Und überfährt Brian, so dass Harry seinen Platz wieder einnehmen kann. Er wartet als Anhalter am Straßenrand. Travis tut sich viel schwerer damit, sich von Gellar zu trennen. Debra & Co. erfahren unterdessen, dass sie nach zwei Verdächtigen suchen müssen. Travis versucht, zur Normalität zurückzukehren, und zieht zu seiner Schwester, aber Gellar kündigt an, allein weiter machen zu wollen. An diesem Punkt muss man sich fragen, ob die Autoren uns an der Nase herumführen und Gellar physisch wirklich existiert oder ob eine Parallele zu Dexter / Brian aufgebaut werden soll. Irgendwie ist man am Ende nicht weiter als am Anfang der Episode… und wenn man zum Schluss zwei der häufigsten Musikthemen aus der ersten Staffel zu hören bekommt, fühlt sich Nebraska ganz einfach nur an wie ein Nostalgietrip zurück in glorreiche Dexter-Zeiten.

Dexter: Just Let Go (6×06)

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Aus dem Dunkel ins Licht: Hat Brother Sam (Mos Def) diesen Weg beschritten, nachdem er am Ende der Episode in seiner eigenen Werkstatt niedergeschossen wurde? Noch nicht, lautet die Antwort. Er wird in kritischem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert; Dexter bricht bei dieser Nachricht die Verfolgung von Travis (Colin Hanks) ab, um zu Sam gehen zu können. Warum? Weil er ihm doch näher steht, als es die kurzen Begegnungen zwischen den beiden vermuten ließen.

Im Gespräch mit Harry wird Dexter klar, dass ihm Sam durchaus wichtig geworden ist. Als Zuschauer der Serie finde ich es schade, dass Mos Def die Serie verlässt, denn zwischen ihm und Michael C. Hall herrschte die Chemie, die die laufende Staffel bisher rettete. Obwohl: Ist er wirklich tot? Ich weiß, man wird als gelernter Zuschauer so vieler Serien paranoid und glaubt nichts mehr, bevor eine Figur tatsächlich tot da liegt. (Eigentlich auch dann nicht. Auch bei Nicht-Zombie-Serien gibt es immer Wege, um Figuren wieder ins Spiel zu bringen.)

Nach dieser Episode geht die Absicht der Autoren in dieser Staffel auf, aber ich weiß nicht, wie ich das zu beurteilen habe. Bevor wir zu jenen entscheidenden letzten Sekunden kommen, machen wir einen kurzen Ausflug zur Miami Metro, um bestimmte Entwicklungen zu verfolgen. Wie zu erwarten war, kommt die Wahrheit über Quinn und Clarissa Porter ans Licht, was Debra erschüttert – aber viel mehr erschüttert sie die Position, in der sie sich auf einmal befindet: Sie spürt eine Distanz zwischen sich und den Kollegen, die sich mit ihrer Beförderung nahezu automatisch eingestellt hat.

Vor der Staffel verkündeten die Autoren, dass wir viel Debra-Dexter-Interaktion zu erwarten hätten, aber bisher ist eher das Umgekehrte der Fall – und Debra (Jennifer Carpenter) spürt das. Dabei befinden sich beide Geschwister in ähnlichen Situationen: hin und her gerissen zwischen dem, was sie sein wollen / können, und dem, was sie im Moment sind. Dexter quält nach wie vor – erst recht nach Sams Abschiedsworten – die Frage, ob und wie es überhaupt möglich ist, der Dunkelheit in sich zu entkommen. Als er herausfindet, dass Nick Sam angeschossen hat, bittet ihn Sam darum, Nick zu vergeben: nicht nur in seinem Namen, sondern auch im Namen des Dark Passenger.

An dieser Stelle kehrt die Showtime-Serie ihre bisherige Frageperspektive um: Mussten wir uns zuvor fragen, ob wir Dexters Arbeit als gerecht empfinden dürfen, so gilt es nun umgekehrt zu überlegen, ob Dexter den brutalen Verbrechern, die der Polizei entgehen, verzeihen und sie laufen lassen kann. Wann ist Vergebung möglich? Nur dann, wenn Reue gezeigt wird? Let it go, sagt Sam zu Dexter. Sich vom Dark Passenger trennen? Was aber bliebe dann übrig? Im Grunde kennt Sam Dexter doch nicht so gut, wie wir ihn schon kennen. Es ist ja nicht unbedingt Hass, was Dexter treibt und den Dark Passenger auf den Plan ruft.

Vergebung als Thema erstreckt sich auch auf den Doomsday-Killer-Plot. Nach einem Treffen mit seiner Schwester und nachdem er Gellar vergeblich darum gebeten hat, der verletzten Gefangenen Schmerzmittel zu geben, bricht Travis gewissermaßen sein Bündnis mit Gellar und lässt die Frau laufen, anstatt sie mit dem Symbol zu brandmarken. Wenn Gellar Travis’ Dark Passenger ist – egal, in welchem Sinne -, kann er ihn loswerden?

Jedenfalls versucht er einen ersten Schritt. Genauso wie Dexter am Ende der Episode Nick zu vergeben versucht. Aber jedes Anzeichen von Reue verschwindet aus Nicks Gesicht, als er erfährt, dass die Polizei nichts gegen ihn in der Hand hat. Wut überkommt Dexter, und  er ertränkt Nick im Ozean – ironischerweise genau an der Stelle, wo Nick von Brother Sam getauft wurde. Und am Ufer, in der von Dexter gewählten Dunkelheit, wartet Brian Moser, The Ice Truck Killer (Christian Camargo): Dexters großer Bruder, der seit der ersten Staffel tot ist. Wird er nun Harrys Stelle einnehmen? Was bedeutet sein Eintritt in Dexters Leben? Wird es bis Ende der Staffel einen Zweikampf an zwei Fronten geben – zwischen Travis und Gellar und zwischen Dexter und Brian?

Dexter: The Angel Of Death (6×05)

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Jedes Mal, wenn sich Dexters Erzählung hauptsächlich auf seine Interaktion mit dem Bösewicht der Staffel konzentriert, ist das Ergebnis zufrieden stellend: einerseits dank Michael C. Halls Leistung, andererseits dank der limitierten Auftritte des übrigen Miami-Metro-Teams. Nachdem Dexter in der letzten Episode auf Travis aufmerksam wurde, führt er eine wie immer sehr schnell zum Ziel führende Recherche durch und findet heraus, dass Travis für das Museum arbeitet und darauf spezialisiert ist, mittelalterliche Artefakte zu restaurieren. Während Dexters Kollegen nach Professor Gellar suchen, macht er selbst Jagd auf Travis.

Aber – wie auch in den Kommentaren diskutiert wurde – haben sie nicht dasselbe Ziel? Sind Travis und Gellar eins? Lebt Gellar nur in Travis’ Kopf und nicht mehr in der wirklichen Welt? Ist es die Obsession und Faszination mit und für Gellar, die ihn für Travis lebendig macht? Sehr interessant ist die kurze Szene am Altar vom Anfang der Episode, als beide kniend beten und Travis plötzlich vom Gebet abgelenkt wird, da er Gellars Kopf bluten sieht. In der nächsten Sekunde entpuppt sich der Anblick als Halluzination. Aber wie weit reicht diese Halluzination? Sollte Gellar tatsächlich nur in Travis’ Kopf existieren, bin ich mir nicht sicher, ob das eine gute Entscheidung der Autoren ist.

Die Parallele zu Dexter wäre an diesem Punkt dann sehr deutlich: Dexter hat Harry, Travis hat Gellar. Aber angesichts des kurzen Gesprächs zwischen Travis und Dexter, als Letzterer Travis entführt und umbringen will, finde ich die Konstellation Dexter-Travis-Gellar an sich viel interessanter – ganz egal, ob Gellar rein physisch existiert oder nicht. Dexter sagt zu Travis, dass er sich täusche und Gellar ihn nicht ins Licht ziehe, sondern in die Dunkelheit. Kurz darauf zeigt sich Travis hin und her gerissen zwischen beidem, Licht und Dunkelheit. Ironischerweise würde ausgerechnet Dexter die Position des Lichts einnehmen…

Dexter lässt Travis laufen, damit dieser ihn zu Gellar führt: zu demjenigen, der das Töten ausführt, wie Travis behauptet. Wir sehen den Beweis für Travis’ Hilflosigkeit ohne Gellar, als nach einer passenden Frau für die nächste Inszenierung gesucht wird: The Whore of Babylon. Übrigens war das Zeitungstitelblattbild ein anderes, nachdem Gellar Travis alleine stehen ließ? Falls ja – Absicht oder Nachlässigkeit?

Der Nebenhandlungsstrang um Deb am Rande des Wahnsinns wird geschickt kurz gehalten, so dass er nicht zu sehr ablenkt, genauso wie Angels und Quinns Untersuchung. Diese besteht für Quinn darin, mit Gellars ehemaliger Assistentin und Geliebten Professor Potter zu schlafen, was vermutlich Komplikationen in der Beweisführung verursachen wird, denn Angel findet in Potters Wohnung ein altes Heft mit Gellars Zeichnungen – von genau den gleichen Inszenierungen.

Dexters Voice Over erschöpfen sich auch diese Woche darin, uns mitzuteilen, was wir sowieso gerade sehen; aber sein kurzes Treffen mit Brother Sam sorgt wieder einmal für die vielleicht beste Szene der Episode. Dexter spricht sogar über die Erinnerungen an seine Mutter, über kleine Details, die noch nie erwähnt wurden: die einzigen Lichtfleckchen seiner Kindheit. Genau als dieses Licht in Sams Garage eintritt und Sam umgibt, wird er niedergeschossen. Ob er überleben wird oder nicht, werden wir noch sehen.
Dieser Abschluss der Episode wird Dexters Dark Passenger eindeutig wecken und ihn an zwei Fronten tätig werden lassen. Und Dexter ist dann gut, wenn die Farbe Rot die Bilder dominiert…

Dexter: A Horse of a Different Color (6×04)

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Nach dieser Episode scheint es mir, als würden die Dexter-Autoren im Vergleich zu den vorherigen Staffeln mit überreichlicher Leichtigkeit und beinahe zu offensichtlich die Fäden zu einem festen Knoten binden wollen. Und genau darin liegt die Gefahr, die man hier läuft: alles festnageln zu wollen. Apropos festnageln: Dieses Wort kann man in Debras vulgärer Sprachtradition in vielerlei Hinsicht auf diese Episode beziehen, vor allem was Travis und Professor Gellar betrifft.

Wenn ich ganz ehrlich bin, hat die neue Episode – ganz abgesehen von Logik innerhalb der Erzählung – große Bedenken bei mir wach gerufen, denen man wohl irgendwie davonzuschleichen versucht. Mit der Debra-Maria-Story will ich gar nicht erst anfangen, denn die ist im Moment einfach nur nervtötend. Weiter geht es mit den Nebenfiguren: Quinn und Angel rauchen spontan Gras in Angels Auto und gehen dann total breit ihrer Mordfallrecherche nach… ?

Die Szene sollte definitiv humorvoll wirken, vermasselt diesen Effekt aber in meinen Augen komplett. Was soll’s: wenn man aus den beiden unbedingt Buddies machen will… Ich möchte nur nicht hoffen, dass der neue Detective Anderson demnächst eine Beziehung mit Debra (Jennifer Carpenter) anfängt. Um es in der Sprache der neuen Staffel auszudrücken: Gott bewahre! Weiter im Cast: Masuka erfährt, dass Ryan die Ice-Truck-Killer-Hand entwendet und bei Ebay eingestellt hat, was zu einem Bruch zwischen den beiden führt. War das alles? Ich hoffe nicht, denn falls ja, brächte das einen weiteren Minuspunkt in Sachen ‚verpatzte Nebenhandlungen‘.

Oh, und kurze Zeit später – nach dem Angel-Quinn-Trip – weiß Miami Metro Bescheid: Professor Gellar muss es gewesen sein! Das Spiel mit dem Wissensvorsprung bzw. dem Nicht-Wissen ist hiermit aufgehoben, die Spannung aus dramaturgisch-kriminalistischer Sicht verpufft. Ich weiß nicht, ob es die richtige Entscheidung war, uns Zuschauer von Anfang an mit den Tätern Travis / Gellar vertraut zu machen, so dass wir früher im Bilde sind als der Rest der Beteiligten. Wenn die Figuren an sich Ausstrahlung haben und interessant, ja auf morbide Art faszinierend wirken, wie es Trinity tat, dann darf man durchaus so verfahren. Aber Travis und Gellar sind bisher alles andere als das. So droht man irgendwann einen Punkt zu erreichen, wo weder die Mörder noch die Menschen, die sie verfolgen, noch Interesse wecken.

Brother Sam ist gerade dabei, mit Dexter eine Glaubensdiskussion zu führen, als er wegen der vier Reiter gerufen wird und den Tatort bewundern darf. Später, als Dexter erneut sein Auto zur Reparatur bringen muss, sprechen beide darüber, wie sich der Glaube in unterschiedlichen Händen unterschiedlich manifestieren kann. Nun: Glaube kann sich auch in einer Kaffeetasse manifestieren, wie Dexter später im Krankenhaus erfährt, als er dort Harrisons Notfall-Blinddarmoperation abwartet.

Dexter und Brother Sam: Das könnte vielleicht interessant werden, weil Dexter später in der Episode begreift, dass es sich um zwei Mörder handelt – falls er diese Tatsache nicht sofort seinen Kollegen mitteilt. Seine Involvierung in ein persönliches Spiel mit den Doomsday-Mördern könnte die im Moment fehlende Spannung erzeugen. Die Moral von der Geschicht‘: Dexters Austausch mit Brother Sam (abgesehen von Mos Defs guter Performance) verliert zwar für mich an Boden, als Sam sein Kindheitstrauma erzählt, bleibt jedoch ein, wenn nicht das Zugpferd der neuen Staffel.

A Horse of a Different Color endet mit einer weiteren Inszenierung der Doomsday-Killer, die ihre Flügel über Miami ausbreiten. Wird Dexter sie zu Fall bringen – und dabei selbst eine Offenbarung erleben?