Dexter: My Bad (5×01)

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Alligator… in a while Crocodile. Ein Strampelanzug mit dieser Überschrift trägt Baby Harrison in dieser Episode. Das erinnert an eine der wichtigsten Dexter-Episoden im Laufe der Serie: an Crocodile aus der ersten Staffel. In My Bad gibt es aber auch Anderes, was an die Anfänge der Serie erinnert: Der Soundtrack dieser Episode besteht fast komplett aus den Themen der ersten Staffel. Ist es also ein Neuanfang? Delete the past, sagt Dexters (Michael C. Hall) Stimme, als er alle Dateien von seinem Computer löscht. Aber gleichzeitig kann und will er diese Vergangenheit nicht löschen, denn sie enthält Rita (Julie Benz), das Einzige, das er je geliebt hat, wie er im letzten Satz der Episode gesteht.

Aus diesem Grund baut sich My Bad um seine Erinnerung an das erste Treffen mit Rita auf. Diese Flashbacks bilden den eigentlichen Abschied Dexters von Rita. Schon immer gelang es der Serie meisterhaft, die Zuschauer in eine unsichere Position zu manövrieren, in der man kaum eine Balance finden kann und nicht weiß, was im nächsten Moment passiert. Was kann man nun von Dexter erwarten? Wie wird er mit Ritas Tod umgehen? War sie seine einzige Verbindung zur Menschlichkeit? „I thought I could change what I am. Keep my family safe. But it doesn’t matter what I do, what I choose. I’m what’s wrong. This is fate.” Gleichzeitig wirft sich Dexter vor: Ich hätte Trinity früher umbringen sollen, dann wäre das alles nicht passiert.

Michael C. Halls Darstellung von Dexters un/emotionalem Zustand ruft Mitleid im Zuschauer hervor, aber nicht nur wegen des Verlusts von Rita, sondern wegen der Erinnerung an den Verlust der Menschlichkeit. Dexters Stimme erzählt, während er an Ritas Sarg steht: I am not a human being. Die unterschiedlichen Ebenen der Trauerarbeit sind für Dexter alles andere als normal. Als er und Deb (Jennifer Carpenter) sich im Bestattungsinstitut befinden und Dexter sagt: „So this is how normal people do it. No Hefty bags“, kann man nicht anders als an Six Feet Under denken. Trauerarbeit auf Metabene? Noch nie hatte Dexter als Serie Interesse daran, den Zuschauern komfortable, heimelige Gefühle oder gar emotional-moralische Sicherheit zu gestatten.

Den Autoren boten sich etliche Möglichkeiten, wie nach dem Staffelfinale verfahren werden könnte. Man hätte nach einem Zeitsprung (sechs Wochen, ein Jahr) nur mit Erinnerungen an die Trauer arbeiten können und uns zeigen, wie es zu diesem späteren Zeitpunkt kam. Aber Dexter wirft uns mitten hinein in das Meer aus Dunkelheit, auf dem Slice of Life segelt. In My Bad sind wir in Dexters Kopf verfangen: so fest wie seit der ersten Staffel nicht mehr. Durch das Ein- und Ausschalten des Tons, die Slow Motion und die leicht „gekippten“ Bilder (vor allem aus Dexters Perspektive) und das in den ersten Jahren der Serie so gern benutzte Top-Light bei der Ausleuchtung der Figur hat man als Zuschauer das Gefühl, dass einem die Welt entgleitet. Dexter fährt ihr in seinem Boot hinterher. Aber am Horizont gibt es keine Wiedergutmachung – nur dunkle Wolken.

Auch wenn die Serie Dexter manchmal in Slapstick-Situationen steckt und ihn schusselig, ja trottelig darstellt, zeigt eine der letzten Szenen der Episode – eine der brutalsten der Serie überhaupt -, dass Dexter die pure Gewalt der Zerstörung verkörpert; inzwischen aber motiviert durch Leidenschaft, Trauer, Verbitterung über sich selbst. Dexter tötet aus einem Gefühl heraus: nicht geplant und nicht gewollt.

Ein perfekter Einstieg in die neue Staffel – ohne den Zuschauern auch nur den mindesten Einblick darein zu verschaffen, wie es weiter gehen wird. Nur dunkle Wolken – vor einem blutroten Horizont.

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