Dexter: Ricochet Rabbit (6×10)

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Get Gellar präsentierte die so genannte große Enthüllung, aber zum Glück zeigt uns Ricochet Rabbit, was die wahre Enthüllung ist, die dem Spiel in dieser sechsten Staffel zugrunde liegt. Wir und der im Keller der Kirche eingesperrte Dexter erfahren aus Travis’ Selbstgespräch, der immer noch Gellar sieht, dass der Professor vor drei Jahren von Travis’ Hand starb. Travis ist seitdem sein eigener seelischer Anführer gewesen. Brother Sam, der für Dexter eine ähnliche Rolle wie Gellar hätte spielen können und auch streckenweise gespielt hat, starb ebenfalls. Was blieb, sind Travis, Dexter und die Dunkelheit.

Aber es sieht danach aus, als hätte Dexter zum ersten Mal zu Travis durchdringen, ihn von dem mörderischen Pfad ablenken können, genauso wie Brother Sams Worte für Dexter eine Art Erleuchtung zu bringen schienen. Dexter wollte Travis diese Erleuchtung bringen – und versagte. Er war zum Versagen verurteilt, denn die dunkle Lektion lautet: Es gibt keine Rettung, weder für Dexter noch für Travis. Dexter sagt am Anfang der Episode zu Harry, Brother Sam habe Unrecht  gehabt; Travis nennt Dexter einen falschen Propheten.

Dexter lag falsch, mit sich und mit Travis. Mit dem symbolischen Durchtrennen der Kette von letzter Episode hat sich auch Travis’ letzte Bindung an diese Welt gelöst. Er kündigt an, das Werk fortsetzen zu wollen. Dexter will das verhindern: The only way to kill the Dark Passenger is to take out the driver. Aber der Unterschied zu Dexter und seiner Fähigkeit, dennoch ein soziales Leben zu führen, liegt in der Tatsache, dass bei Travis Fahrer und Passagier dieselbe Person sind. Das wiederum zieht die Frage nach sich, ob es gerechtfertigt ist, einen Mann umzubringen, der unter psychischen Problemen leidet.

Wie die Nachforschungen der Miami Metro beweisen, hat man bei Travis schon vor langer Zeit etliche Störungen diagnostiziert. Ironischerweise versucht nun Dexter, Gellar am Leben zu erhalten, damit die Miami Metro nicht an Travis herankommt: Travis gehöre ihm, sagt er zu Harry. Dieser Dexter ist nicht der kühl planende Mörder der ersten Staffeln. Dieser Dexter nimmt die Sache persönlich. Wir sollten damit rechnen, Gellar und damit Olmos nicht mehr zu Gesicht zu bekommen – was schade ist, denn Eduard James Olmos bekam nie die Möglichkeit, schauspielerische Akzente zu setzen, was er hervorragend kann.

Mos Def in der Rolle von Brother Sam bekam diese Möglichkeit und nahm sie auch wahr, aber verschwand viel zu schnell von der Bildfläche. Jetzt ist der Platz gegenüber Michael C. Hall wieder vakant, aber ich bin mir überhaupt nicht sicher, ob Colin Hanks diesen Platz füllen kann und wird. Seine Veränderung vom innerlich zerrissenen Travis zum grinsenden Massenmörder wirkt beinahe slapstickhaft. Er findet über seinen Blog neue Helfer in einem gläubigen jungen Pärchen (One-Liner der Episode: Do you mind if I come in, I’m being hunted.), das ihm bei Hollys Beseitigung – auch Travis nimmt die Sache persönlich – und dann beim Vorbereiten der nächsten Inszenierung zur Seite steht, deren Ziel die Miami Metro ist. An einem Ziel schießen Dexters Autoren allerdings nicht vorbei (im Gegensatz zu einigen anderen), nämlich was die Beziehung zwischen Debra und Dexter betrifft. Diese Episode beschäftigt sich sorgfältig und sparsam damit.

Neben der Erkenntnis während Debras Sitzung bei der Psychologin, dass Dexter immer schon ihr „safe place“ war, gibt es nur eine Szene zwischen den beiden, als sie über Debras Panikattacke in der Kirche reden: You may be pregnant. Klein, aber fein: so könnte man den Austausch zwischen den beiden nennen. Und ebenso Debras beiläufige Anmerkung, dass Travis’ Schwester ihn für einen guten Menschen gehalten habe, und Dexters Antwort, dass sie vermutlich vom wahren Travis nichts wusste. Welchen Preis muss man bezahlen für die Wahrheit? Will man ihn überhaupt bezahlen? Will man überhaupt die Wahrheit wissen? Es bleibt interessant, wie weit die Autoren die Debra-Dexter-Geschichte führen wollen – oder ob sie uns nur an der Nase herumführen…

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