White Collar: Countdown (3×10)

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If you want a happy ending, meint Neal (Matthew Bomer) am Ende von Countdown…? … that depends, of course, on where you stop your story, ergänzt Mozzie (Willie Grason) das Orson-Welles-Zitat. White Collar stoppt seine Geschichte mit diesem Sommerfinale an einem Punkt, an dem Entscheidungen getroffen und Auflösungen geboten werden, aber gleichzeitig auch nicht. Alles bleibt in der Schwebe: die Freundschaft zwischen Neal und Mozzie, Mozzies Flucht, das Schicksal einer jeden Figur… und vor allem das von Peters Frau Elizabeth, die am Ende von Keller entführt wird. Mit dieser zehnten Episode krönt die USA-Serie eine sehr gute Staffelhälfte.

This is genetics. That shirt is a choice, merkt der Schwarzmarkt-Kunsthändler Rusty an, nachdem sich Mozzie eine kritische Bemerkung über Rustys Haar erlaubt hat. Ja, das Sommerfinale handelt davon, eine Wahl zu treffen oder aber überhaupt eine freie Wahl zu haben. Nahezu alle Beteiligten stehen vor einer Wahl – aber können die anstehenden Entscheidungen in freier Wahl getroffen werden, oder erzwingt sie ein Ultimatum? Ein solches bekommt zuerst Mozzie von Neal gestellt: 48 Stunden, um sich zu entscheiden, ob er bleibt oder mit Mozzie und dem Schatz zusammen flieht. Choose a side, Neal! Die Linie, die White Collar zwischen freier Wahl und erzwungener Wahl zeichnet, ist kaum als Trennlinie zu bezeichnen; man kann kaum entscheiden, was was ist. Genau wie bei einem echten Degas-Gemälde und einer perfekten Fälschung, die auch kaum zu unterscheiden sind.

Als Agent Kramer (Beau Bridges), Peters FBI-Mentor, nach New York kommt, um die White Collar-Division über den Degas-Verkauf (das Gemälde mit dem Namen “Entrance of the Masked Dancers”) zu informieren, läuft Neal und Mozzie die Zeit davon. Also ist es Zeit für eins der besten Täuschungsmanöver der White Collar-Geschichte, mit welchem Peter (Tim DeKay) tatsächlich in die Irre geführt wird: Schließlich glaubt er, den Schatz gebe es gar nicht! Denn mit Mozzies Hilfe gelingt es Neal, im Penthouse des Degas-Käufers eine Fälschung zu platzieren und das Original zu sichern. Mit Hilfe einer Bazooka und eines Fallschirms, wohlgemerkt.

Neal landet auf seinen Füßen und setzt den vor ihm in die Tiefe geflogenen Hut wieder auf. Aber wird es tatsächlich bei dieser Bilderbuchlösung bleiben? Ein Mann im schwarzen Anzug fällt hinter seinem schwarzen Hut her vom Himmel. Wieder einmal müssen wir an Magritte-Gemälde denken; und schließlich hat White Collar in dieser Staffel schon mehrmals auf die Werke des surrealistischen Malers referiert. Hier aber geht es nicht um malerische Referenzen, sondern um Neals Fall: Er selbst übersteht ihn unbeschadet. Was aber ist mit den Menschen, die ihm nahe stehen und die er mit seinen Handlungen in Gefahr gebracht hat? Keller nämlich gehört nicht zu den Leuten die loslassen, ihren Hut nehmen und verschwinden. Nein, er setzt ihn ebenso wie Neal auf und erscheint erneut im Bild.

Und am Ende der Episode wünscht sich Peter, das Bild vor seinen Augen möge eine Fälschung sein. Elizabeth wird von Keller entführt – und Peter steht vor der Wahl, Keller den Schatz zu geben oder seine Frau zu verlieren. Genauso wie Agent Matthews die Wahl hat, Kramer und Peter Neals Tun zu verraten und damit ihre eigene Karriere zu beenden – oder zu schweigen… Wie am Anfang schon angedeutet, steht eigentlich jede Figur vor einem Ultimatum.

Mozzies Ultimatum bekommt von Neal am Ende ein klares „No“. Er will nicht durch die Tür gehen und nie wieder zurückkehren können, sagt er zu Mozzie. Wir sehen, wie Mozzie in diesem Moment Neals Wohnung verlässt – Neal ist nur in der Türspalte zu sehen – und die Tür hinter sich schließt mit den Worten: I’ll see you around, Neal. You’re fooling yourself if you think this is who you really are. So schließt sich der Kreis – und wir stehen erneut, wie auch Neal selbst, vor der Frage: Wer ist Neal, und wer will er sein? Die sprichwörtliche Tür kann nicht geschlossen bleiben. Auch für Mozzie nicht. Denn letztendlich sind Mozzie und Neal für Elizabeths Entführung verantwortlich, und alle beide werden Peter nicht im Stich lassen können.

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