White Collar: On Guard (3×01)

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White Collar, so denkt man, wird Neal Caffreys Lächeln wieder aufnehmen, das beim Anblick des Nazi-Schatzes sein Gesicht erhellte. Stattdessen eröffnet die dritte Staffel der US-Serie mit einem gestressten und besorgten Neal und einem Mozzie mit… Pilotenmütze und Pilotenbrille. Ja, Neals Besorgnis ergibt sich aus der Tatsache, dass Mozzie hinterm Steuer eines Flugobjekts sitzt – aber auch daraus, von Peter und dem FBI erwischt zu werden. Offenbar befinden sich Neal und Mozzie auf der Flucht – per Flugzeug, voll bepackt mit Holzkisten. Ist es der Nazi-Schatz?

Vier Tage früher, sagt die Überschrift nach dem Schnitt. Der Anfang in medias res stellt dem Zuschauer eine hübsche kleine Falle. Das Enthüllen der Ereignisse vor dieser ersten Szene führt uns zum Auftakt der neuen Staffel vor Augen, was White Collar wirklich gut kann, nämlich das wahre Gesicht der Ereignisse drehen und wenden, wie die Serie will – und das mit einer gehörigen Dosis Charme. So wie es sich eben für einen sympathischen Trickbetrüger gehört.

Aber was ist Neal Caffrey eigentlich? Ein Trickbetrüger, ein aufrichtiger Mann, ein hoffnungsloser Romantiker – der Mann mit dem Hut und dem Regenschirm aus Magrittes Gemälden? Immer schon bildete der Kunstbezug eine interessante Komponente in White Collar, die für meinen Geschmack zu kurz kommt. Nicht nur hält sie interessante Tatsachen aus der Kunstgeschichte für den Zuschauer bereit, sondern sie bereitet Mehr-Genuss, wenn die kleinen Anspielungen dem Zuschauer bewusst werden. Neal Caffrey nun bietet in dieser Episode eine kunstvolle Live-Inszenierung mit Magritte-Motiven, um Jones in die Irre zu führen.

Son of a Man heißt das Bild, auf dem ein Mann im schwarzen Anzug, mit schwarzem Hut und einem Apfel als Gesicht zu sehen ist. Der schwarze Regenschirm stammt vielleicht aus „Hegel’s Holiday“ und die Ansammlung von gleich angezogenen Männern aus „Golconde“. Auf der Serienebene verbildlicht diese Inszenierung im Grunde Neals Suche nach der Entscheidung, wer  er eigentlich sein will; darüber haben wir in den Reviews zur zweiten Staffel immer wieder gesprochen. Neal muss eine Wahl treffen – und nach der Aufklärung von Kates Tod ist erst recht der Zeitpunkt gekommen, den Schritt nach vorn zu machen. Aber als was? Als Neal, der FBI-Mitarbeiter, oder Neal, „the con man“?

Neal hat einen Job, in dem er gut ist, Freunde, die für ihn durchs Feuer gehen, und eine neue Freundin, Sara, die in dieser Episode kurz auftritt. Kann er sich damit zufrieden geben? Kann er den Balanceakt weiterhin meistern? Wie uns On Guard zeigt, hat die Schwindler-Seite in Neal noch immer nicht kapituliert: Als er erfährt, dass Mozzie den Schatz in Sicherheit gebracht hat, schmieden beide ihren Fluchtplan; best and final score.  Aber sie haben ihre Rechnung ohne Peter gemacht. Denn er hegt weiterhin einen

Verdacht gegen Neal, auch wenn der den Lügendetektor-Test bestanden hat.
Bevor Neal und Mozzie ins Flugzeug steigen können, beauftragt Peter Neal mit einem Fall: Er soll als einer seiner Aliases, Gary Rydell, David Lawrence (Neil Jackson) überführen, der 60 Millionen Dollar entwendet hat. David will das Geld außer Landes schaffen. Er hat die gesamte Summe in den Entlüftungsschächten eines Nobelclubs versteckt und lässt das Geld buchstäblich fliegen – und auf Neal und sich selbst herunterregnen. Neal droht genauso aufzufliegen – und Peters Wut droht auf ihn niederzuprasseln -, als Elizabeth ihrem Mann zuliebe das Stückchen aus dem Chrysler-Building-Gemälde untersuchen lässt. Dank Mozzie und der (nackten) Unterstützung von Junes Enkelin Cindy (Denise Vasi) kann Neal das Gemälde-Fragment durch ein neues ersetzen, das er selbst mit Hilfe von Farben-Samples aus etlichen Meisterwerken des Nazi-Schatzes gemalt hat. Mozzie: Picasso was a Communist, he’d be happy to share.

Aber zu Mozzies Leidwesen ist eine Planänderung von Nöten, denn Lawrence erwischt Jones, der wiederum Neal beschattet. Um Jones’ Leben zu retten, macht Neal den Fluchtplan von sich und Mozzie zu Lawrences Fluchtplan. So gelangen wir zu der Szene aus den ersten Minuten, in der Neal und Mozzie letztendlich doch die Guten sind. Aber für wie lange? Die Szene wirkt wie ein Vorwegnehmen kommender Ereignisse: Wir sehen Neal und Mozzie einen neuen Plan schmieden und Peter ein engmaschiges Netz für seinen Freund vorbereiten. White Collar kehrt mit dieser ersten Episode zu den Anfängen und dem Katz-und-Maus-Spiel zwischen Peter und Neal zurück. Aber ihre Beziehung ist jetzt anders – und damit steht deutlich mehr auf dem Spiel…

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