Homeland: The Smile (2×01)

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Mit einem Lächeln auf ihren Lippen konnten die Homeland-Macher der zweiten Season ihrer gefeierten und mit mehreren Emmy ausgezeichneten Serie entgegensehen. Denn die Anerkennung und die Preise sind mehr als verdient. Warum? Genau wegen dieses Lächelns, wegen Homelands Kunst gleichzeitig von dem Lächeln als Lebensfreude und dem Lächeln als Grimasse zu erzählen.

Dabei wird alles von einer solchen Intensität und Spannung begleitet, dass man sich als Zuschauer beinahe wünscht, Carrie auf Beiruts Straßen zu folgen, auf den Straßen, die ich schon vor 25 Jahren als Kind im Fernsehen zerbombt sah und die auch heute mehr oder weniger dasselbe Bild liefern, das einer Grimasse des Lebens. Damit meine ich nicht das Anderssein, das Fremde, sondern das Leben voller Leid. Dieses Bild kann man auf Carries Situation übertragen, auf den Zustand in dem sich ihr Leben befindet.

Sie glaubt einen Fehler gemacht zu haben. Die einzige Stütze für ihr Anderssein (vor allem im Denken), nämlich am Ende Recht zu behalten, wurde ihr genommen. Ausgerechnet von einem Mann, der auch “anders” geworden ist, aber keiner es sieht. Außer Carrie, der keiner vertraut. Mit einem vom Schmerz bzw. Unbehagen verzerrten Gesicht verließen wir Carrie im Finale der ersten Staffel und mit der Frage, ob auf diesem Gesicht je wieder ein Lächeln möglich wäre? The Smile beantwortet sie! Und Claire Danes schafft es zum wiederholten Mal Carries Zerrissenheit in diesem kleinen Moment am Ende, in diesem kleinen Lächeln, das zwischen Freude und Verzweiflung schwankt, zu demonstrieren.

Warum Verzweiflung? Weil Carrie weiß, dass dieses Leben als Agentin das Richtige für sie ist und gleichzeitig dasjenige, das sie zerstört. Als Carrie aus ihrem “neuen, gesunden” Leben geholt wird, um der CIA mit einer Informantin zu helfen, realisieren wir, dass Carrie tief in sich drin nie weg war. Und Brody? er ist auf dem besten Weg, um Vize-Präsident zu werden. Aber die Erinnerung an ein anderes Leben, an eine Mission holt ihn schnell ein, als eine Journalistin auftaucht, die auch für Abu Nazir arbeitet. Brody erhält seinen ersten Auftrag und der wird mit tödlichen Folgen sein.

Im Moment sieht es bei Brody so aus, als würde er alles hinausschieben, hinauszögern wollen, vergessen und für einen Augenblick einfach Brody sein. Für ihn ist auch das Leben, in dem er steckt eine Grimasse, eine Maskerade, ein Spiel, um andere fern von den Geheimnissen zu halten, die man mit sich trägt. Wir haben auf der einen Seite Jessica, die die lächelnde Seite des Lebens endlich erfährt und auf der anderen Dana, die unter der Last des Geheimnisses ihres Vaters zu zerbrechen droht.

Dana spricht die Wahrheit, dass ihr Vater ein Muslim ist, öffentlich aus und ist selbst entsetzt, aber sie hat versucht seinen Glauben, ihn zu verteidigen. Die Frage bleibt aber: Ist er das? Wer ist Brody? Weiß er es selbst? Das Erschreckende, was Homeland uns zeigt, ist, dass eine Wahrheit so schockierend sein kann, dass keiner daran glaubt. Somit kann Danas Aussage – mit Hilfe der schnellen Reaktion eines Mitschülers – als ein Spaß durchgehen. Die Wahrheit kann immer maskiert werden.

Brody bestätigt sich aber gegenüber Jessica und dieser große Augenblick funktioniert gut, denn Jessica ist zwar geschockt, aber vor allem, weil er ein Geheimnis behielt, weil er sie nicht “reingelassen” hat, in den eigenen Kopf. Und hier verbirgt sich Homelands anspruchsvolles und bisher bravourös gemeistertes Unterfangen die Erzählung zu bewegen – von einer über die Grenze zwischen dem Öffentlichen und Privaten zu einer über das Eindringen in den Kopf des Einzelnen. Man kann sich nie sicher sein, ganz egal wie nah man einem Menschen steht, was in seinem Kopf wirklich vorgeht. daher weiß man nie, ob das Lächeln als Zeichen der Freude erscheint oder als eine Grimasse…

 

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2 responses »

  1. Sehr schönes Review einer tollen Serienfolge.
    Die Hoffnung bleibt, dass das hohe Niveau der ersten Staffel gehalten werden kann.
    Die ersten beiden Folgen lassen da ja nur Gutes vermuten.

  2. Schön, dass deine Reviews in der gewohnten Qualität wieder da sind:))
    Und nach der Folge war ziemlich klar, dass es nicht mehr so sehr darum geht, ob er ein Verräter/Terrorist ist, sondern mehr darum, wie weit er gehen wird. Wir werden sehen…

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