Monthly Archives: October 2012

White Collar: Checkmate (3×11)

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Nach dem Cliffhanger mit Elizabeths Entführung im letzten Sommer kann man getrost behaupten, dass keiner der Zuschauer daran geglaubt hat, dass sie das Zeitliche segnen oder eine andere Hauptfigur ernsthaft zu Schaden kommen würde. Nein, der Cliffhanger funktionierte aus anderen Gründen: nämlich hinsichtlich der spannenden Frage, wie diese gefährliche Situation die Beziehung zwischen den Figuren beeinflussen würde. Checkmate liefert die Antwort: White Collar bringt diese Beziehungen im Grunde genommen auf die nächste Stufe.

Dabei setzt die USA-Produktion die Entführungssituation sehr geschickt ein. Nicht etwa im Sinne eines spannenden Laufs gegen die Zeit; wir wissen ja, dass Keller nicht gewinnen kann, dass Elizabeth gerettet wird und dass Neal (Matt Bomer) und Peter (Tim DeKay) die Luft irgendwie reinigen werden. Die Entführung dient vielmehr als Vorlage für emotionale Konflikte. Es ist das Wie, das Checkmate zu einer guten Episode macht. Erstens gefällt es mir, Elizabeth sich allein befreien zu lassen, da sie das in eine aktive Position versetzt. Zweitens erscheint mir der Griff zur Brieftaube gelungen, um Mozzie (Willie Grason) zu kontaktieren – denn er scheint samt Schatz wie vom Erdboden verschluckt zu sein!

Übrigens: Tim DeKays  Darstellung eines von Angst, Frust, Enttäuschung und Ärger zerrissenen Peter kann überzeugen. Könnte er Neal und Mozzie überhaupt vergeben, selbst wenn Elizabeth nichts geschieht? Das hängt von ihrer Ehrlichkeit ab – und für Neal von seiner Entscheidung, die jetzt gefordert wird: nicht nur zu wählen, was für ein Mann er sein und was für ein Leben er führen will, sondern auch zu diesem Leben zu stehen. Und das tut Neal, indem er Peter die Gründe für sein Bleiben in New York mitteilt. Sehr geschickt untermauert die Serie Neals Worte, indem man die Beteiligten zur Zusammenarbeit zwingt, um den Schatz und Elizabeth unversehrt zurückzubekommen – Keller den Schatz und Peter seine Frau.

In den Zweier-Szenen zwischen Neal und Keller spürt, sieht und hört man, dass Neal dieses Kapitel für sich endgültig abgeschlossen hat. Die beiden haben sich in entgegengesetzte Richtungen entwickelt, und es gibt keinen Punkt, an dem sie sich wieder treffen könnten. Auch ein Nazi-Schatz im Wert von mehreren Milliarden Dollar kann kein solcher Punkt sein! Im Gegensatz dazu stehen die Szenen zwischen Neal und Peter: Neal ist bereit, alles auf sich zu nehmen, um Keller für immer eingesperrt zu sehen. Er ist bereit, sich für seine Wahl-Familie zu opfern. If you want a happy ending, meinte Neal am Ende von Countdown, … that depends, of course, on where you stop your story, ergänzt Mozzie das Orson-Welles-Zitat. Dieselbe Unterhaltung führen sie auch hier, nur fügt Mozzie nun hinzu: „Until the next chapter!“

Das Problem mit Keller ist nur halbwegs gelöst, denn er befindet sich in russischer Hand, wo er die Schuld – in Kellers Augen: das Verdienst – am Fund des Schatzes auf sich nimmt.  Neal braucht sich also nicht zu stellen. Aber seine Bereitschaft bedeutet in Peters Augen viel. Der Cliffhanger: Neal kann in drei Monaten ein freier Mann sein. Aber könnte er freier sein als jetzt? Was bedeutet das für Neal und für seine Beziehung zu Peter, zu Sara, zu Mozzie? Was denkt ihr, wie ein neues Kapitel dieser Geschichte aussehen wird?

White Collar: Countdown (3×10)

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If you want a happy ending, meint Neal (Matthew Bomer) am Ende von Countdown…? … that depends, of course, on where you stop your story, ergänzt Mozzie (Willie Grason) das Orson-Welles-Zitat. White Collar stoppt seine Geschichte mit diesem Sommerfinale an einem Punkt, an dem Entscheidungen getroffen und Auflösungen geboten werden, aber gleichzeitig auch nicht. Alles bleibt in der Schwebe: die Freundschaft zwischen Neal und Mozzie, Mozzies Flucht, das Schicksal einer jeden Figur… und vor allem das von Peters Frau Elizabeth, die am Ende von Keller entführt wird. Mit dieser zehnten Episode krönt die USA-Serie eine sehr gute Staffelhälfte.

This is genetics. That shirt is a choice, merkt der Schwarzmarkt-Kunsthändler Rusty an, nachdem sich Mozzie eine kritische Bemerkung über Rustys Haar erlaubt hat. Ja, das Sommerfinale handelt davon, eine Wahl zu treffen oder aber überhaupt eine freie Wahl zu haben. Nahezu alle Beteiligten stehen vor einer Wahl – aber können die anstehenden Entscheidungen in freier Wahl getroffen werden, oder erzwingt sie ein Ultimatum? Ein solches bekommt zuerst Mozzie von Neal gestellt: 48 Stunden, um sich zu entscheiden, ob er bleibt oder mit Mozzie und dem Schatz zusammen flieht. Choose a side, Neal! Die Linie, die White Collar zwischen freier Wahl und erzwungener Wahl zeichnet, ist kaum als Trennlinie zu bezeichnen; man kann kaum entscheiden, was was ist. Genau wie bei einem echten Degas-Gemälde und einer perfekten Fälschung, die auch kaum zu unterscheiden sind.

Als Agent Kramer (Beau Bridges), Peters FBI-Mentor, nach New York kommt, um die White Collar-Division über den Degas-Verkauf (das Gemälde mit dem Namen “Entrance of the Masked Dancers”) zu informieren, läuft Neal und Mozzie die Zeit davon. Also ist es Zeit für eins der besten Täuschungsmanöver der White Collar-Geschichte, mit welchem Peter (Tim DeKay) tatsächlich in die Irre geführt wird: Schließlich glaubt er, den Schatz gebe es gar nicht! Denn mit Mozzies Hilfe gelingt es Neal, im Penthouse des Degas-Käufers eine Fälschung zu platzieren und das Original zu sichern. Mit Hilfe einer Bazooka und eines Fallschirms, wohlgemerkt.

Neal landet auf seinen Füßen und setzt den vor ihm in die Tiefe geflogenen Hut wieder auf. Aber wird es tatsächlich bei dieser Bilderbuchlösung bleiben? Ein Mann im schwarzen Anzug fällt hinter seinem schwarzen Hut her vom Himmel. Wieder einmal müssen wir an Magritte-Gemälde denken; und schließlich hat White Collar in dieser Staffel schon mehrmals auf die Werke des surrealistischen Malers referiert. Hier aber geht es nicht um malerische Referenzen, sondern um Neals Fall: Er selbst übersteht ihn unbeschadet. Was aber ist mit den Menschen, die ihm nahe stehen und die er mit seinen Handlungen in Gefahr gebracht hat? Keller nämlich gehört nicht zu den Leuten die loslassen, ihren Hut nehmen und verschwinden. Nein, er setzt ihn ebenso wie Neal auf und erscheint erneut im Bild.

Und am Ende der Episode wünscht sich Peter, das Bild vor seinen Augen möge eine Fälschung sein. Elizabeth wird von Keller entführt – und Peter steht vor der Wahl, Keller den Schatz zu geben oder seine Frau zu verlieren. Genauso wie Agent Matthews die Wahl hat, Kramer und Peter Neals Tun zu verraten und damit ihre eigene Karriere zu beenden – oder zu schweigen… Wie am Anfang schon angedeutet, steht eigentlich jede Figur vor einem Ultimatum.

Mozzies Ultimatum bekommt von Neal am Ende ein klares „No“. Er will nicht durch die Tür gehen und nie wieder zurückkehren können, sagt er zu Mozzie. Wir sehen, wie Mozzie in diesem Moment Neals Wohnung verlässt – Neal ist nur in der Türspalte zu sehen – und die Tür hinter sich schließt mit den Worten: I’ll see you around, Neal. You’re fooling yourself if you think this is who you really are. So schließt sich der Kreis – und wir stehen erneut, wie auch Neal selbst, vor der Frage: Wer ist Neal, und wer will er sein? Die sprichwörtliche Tür kann nicht geschlossen bleiben. Auch für Mozzie nicht. Denn letztendlich sind Mozzie und Neal für Elizabeths Entführung verantwortlich, und alle beide werden Peter nicht im Stich lassen können.

White Collar: On the Fence (3×09)

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On the Fence könnte als Halbstaffelfinale durchgehen, denn das emotionale Chaos und die Spannung, die die Episode kreiert, bilden einen vorläufigen Höhepunkt des bisherigen Staffelverlaufs. An dieser Stelle der White Collar-Erzählung sind alle Figuren „von der Rolle“ – in dem Sinne, dass sie auf den ersten Blick „untypisch“ handeln. Und es braucht einen wiederkehrenden Bösewicht, um dieses emotionale Pulverfass zu zünden.

Ausgerechnet Neals Nemesis Matthew Keller taucht wieder auf und ist hinter dem Schatz her. Wie immer ist er bereit, jede Grenze zu überschreiten, um sein Ziel zu erreichen. Er tötet sogar Hale, Mozzies Freund und Con-Man der alten Schule. Man kann sagen, dass Kellers Auftauchen alle Beteiligten zu extremen Taten bewegt, aber letztendlich ist er nur Auslöser für die Befreiung angestauter Emotionen – Emotionen, die sowieso früher oder später zu einer Eskalation geführt hätten. Wenn jeder jeden belügt, kommt es irgendwann zu extremen Handlungen. Aber White Collar zeigt sich in genau solchen Situationen von seiner stärksten Seite.

Mozzie setzt kurzerhand sechs Millionen Dollar Kopfgeld auf Keller und verkauft dafür das Dega-Gemälde, ohne Neal ein Wort zu sagen. Sara verliert ihre Coolness, als Keller sie als angeblicher Interpol-Agent um Informationen angeht. Peter verschweigt Elizabeth, dass der Mann, der ihn entführte, wieder in der Stadt ist. Und für Neal gerät mehr oder weniger alles außer Kontrolle. Im Grunde hat seine Selbstfindungsreise zu alledem geführt: der Trennung von Sara, den Lügen gegenüber seinen Freunden Mozzie und Peter und dazu, dass er beinah von Keller erschossen wird. Keller (Ross McCall) kommt als angeblicher Interpol-Agent nur deswegen so leicht an Sara heran, weil ihr Neal nie etwas darüber erzählt hat.

In dieser Episode bekommt Neal jedoch mehr Interaktion mit einem Gaststar als mit Sara: Eliza Dushku übernimmt die Rolle der Fälscherin Raquel LaRoque, die in dieser Episode irgendwie extrem fehl am Platze wirkt. In jeder anderen Episode wäre ihre Noir-Klischee-Figur für den Fall der Woche und einen kleinen Flirt mit Neal sicher willkommen; nicht aber in dieser, da es für die Hauptfiguren um Leben und Tod, um Lügen und Vertrauen geht.

Aber das schmälert nur wenig den allgemeinen Eindruck von On the Fence – und ich bin gespannt auf das eigentliche Halbstaffelfinale nächste Woche.

White Collar: As You Were (3×08)

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Diese Episode war längst fällig: Jones (Sharif Atkins) außerhalb des Vans – und des Schattens von Neal (Matthew Bomer) und Peter (Tim DeKay). As You Wish: Oft haben White Collar-Zuschauer den Wunsch nach einer Jones-Episode geäußert, und As You Were kann durchaus als eine solche bezeichnet werden, auch wenn Neals Wechselbad der Emotionen und sein Hadern gegen Ende Überhand nehmen. Allemal ist es gut, mehr über Jones zu erfahren und einen Fall zu erleben, in den er persönlich involviert ist. Es handelt sich um eine alte Freundschaft… und um die Liebe zu einer Frau.

Als Jones nach Hause kommt, erwischt er einen Einbrecher, der für einen einfachen Dieb ziemlich gut im Nahkampf ist. Der Dieb wollte einen Brief entwenden, den Jones von Jimmy bekam, seinem alten Kumpel aus Militärzeiten. In dem Brief sind Geheiminfos versteckt, die zu Verschwörungen und Manipulationen in höchsten Militärkreisen führen. Es handelt sich um eine private Sicherheitsfirma, die unter dem Schirm der Regierung operiert.

Als Jimmys Frau Isabel die Bühne betritt, kann sich Jones nicht mehr abschirmen gegen den Fluss der Erinnerungen. Genauso wie in der letzten Episode, als alle mit anhören konnten, wie Mozzie von Sallys Bett aus mit ihnen redet, tragen auch jetzt sowohl Diana als auch Neal und Peter jenes gewisse Schmunzeln im Gesicht. Denn die Gefühle zwischen Jones und Isabel, die Jones damals fast geheiratet hätte, stammen zwar aus längst vergangenen Zeiten, haben diese aber offenkundig überdauert! Die Frage ist: War Jimmy tatsächlich unwissend in kriminelle Machenschaften involviert – oder handelte er, um Isabel immer wieder zu beeindrucken und schließlich zu gewinnen? Denn wie wir hören, war Jones als Mann und Mensch immer eine Nummer zu groß für Jimmy – Domizil im Kellergeschoss hin oder her.

Generell beschäftigt sich As You Were mit der Frage nach Verrat und Vertrauen innerhalb der ‚Familie’ – leiblicher oder freundschaftlicher. Verrät Neal Peter oder Mozzie? Ganz egal, wie er sich entscheidet: Einen der beiden wird er verraten. Den ersten Verlust muss er allerdings schon kurz nach Anfang der Episode verkraften: Sara verlässt ihn. Die beiden sprechen nicht explizit über den Grund, aber die Kamera, gekoppelt an Neals und Saras Blicke, erzählt den Rest. Jeder der beiden weiß, wovon er nicht spricht.
White Collar verbindet geschickt beide Handlungsstränge in der besten Szene der Episode, als Neal Jones einen Besuch abstattet und beide einen trinken.

Sie sprechen über das Treffen einer Wahl, über Entscheidungen, die gleichzeitig auch Verzicht bedeuten; darüber, die eigene Situation abwägen und den Wert dessen, was man schon hat, gut einschätzen zu können. Es ist so, als wolle sich Neal in den letzten Episoden immer wieder die Bestätigung holen, dass die Menschen, die ihn umgeben, seine Freunde sind und ihn so nehmen, wie er ist. Er sieht auch Jones’ Bereitschaft, für ihm nahe stehende Menschen Grenzen zu übertreten. Nun, Jones geht nicht nur auf den Mann los, der Jimmy gefangen hält, sondern übertritt auch andere Grenzen… und erlebt mit seiner Ex einen innigen Augenblick, der in einen Kuss mündet.

Dafür riskiert später Neal sein Leben, um Jimmy bzw. Jones zu helfen. Zum ersten Mal sehen wir Neal ganz in Weiß, in der Uniform eines Marine-Admirals. Dieser Auftritt korrespondiert wiederum auf metaphorischer Ebene mit seinem Hadern: Wie kommt er mit einer weißen Weste aus der Situation heraus? Und mit ‚Situation’ ist diejenige gemeint, in die er sich nach und nach hineinmanövriert hat, weil er alles haben und auf nichts verzichten will. Lange hat Neal die Entscheidung hinausgezögert, ob er flieht oder bleibt. Er arbeitete zwar mit Mozzie an dem Fluchtplan, aber entschieden hat er sich nicht wirklich. So sehen wir ihn am Ende in Peters Wohnung einbrechen, während Mozzie (Willie Garson) Elizabeth als Ablenkungsmanöver ausführt und Peter im Van sitzen muss.

Neals Ziel ist das Manifest aus Peters Safe. Als er es in Händen hält, ruft ihn Peter an und beteuert ihm wieder einmal seine Besorgnis und seinen Wunsch, Neal zu einem wohl verdienten, guten Leben zu verhelfen. Die Szene hört sich zwar pathetisch an, aber Tim DeKay holt das Beste heraus und lässt sie überzeugend und warmherzig wirken, ohne over the top zu sein.
Daraufhin begeht Neal den nächsten Vertrauensbruch und erzählt Mozzie am Telefon, dass das Manifest nicht im Safe war. Jetzt scheint er im Niemandsland zu schweben. Welche Entscheidung wird er treffen? Oder hat er es schon getan?

Neal, you live in the clouds and I work on West 69th, sagt Sara am Anfang zu ihm. Andere sitzen sogar im Van. Vielleicht ist es für Neal an der Zeit, auf den Boden zu kommen? Denn von dort, umgeben von Freunden, fällt man nicht annähernd so tief wie aus den Wolken – ganz egal, worum es geht.

White Collar: Taking Account (3×07)

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Taking Account pendelt zwischen „leer“ und „voll“, zwischen zwei Passwörtern, die Zugang zu Leere und zu Hülle und Fülle bescheren. Das erste Passwort, das Neal im Teaser der Episode richtig erraten kann, ist das für Saras Bankkonto. Und das ist leer: genauso wie die Konten vieler Kunden jener Bank. Jemand hat sich in ihre Computer eingehackt und über 100 Millionen Dollar entwendet. Jetzt liegt das Geld bei einer Schweizer Bank, und nicht einmal das FBI kann herankommen.

Aber wo Peters Hände gebunden sind, kann Neal seine „sticky fingers“ ausstrecken, wie Sara sie nennt. Pläne zu schmieden ist einfach, vor allem dann, wenn alle Teammitglieder zusammen wohnen. Vor Peters Augen und zu seinem Amüsement bietet Neal Sara an, bei ihm zu bleiben, bis ihr Geld wieder verfügbar ist. Sie nimmt das Angebot an… aber wie ging noch mal die Geschichte mit Partnerschaft, Vertrauen und Geheimnissen… ? Sara versucht im Grunde, die nächste Vertrauensstufe mit Neal zu erreichen, und spricht ihn auf den falschen Victor-Passport an, den sie hinter dem Gemälde fand. Neal belügt und beruhigt sie kurzerhand, aber ein fader Beigeschmack bleibt trotzdem. Auf der anderen Seite scheint Neal selbst immer mehr mit seinen eigenen Lügen zu hadern.

Er, Sara und Mozzie machen sich zunächst einmal an die Arbeit und schaffen es, das Geld wieder aus der Schweizer Bank loszueisen. Dieses Mal wird die Teamarbeit besser in Szene gesetzt, und der Trick wirkt spektakulärer als in der letzten Episode. Noch spektakulärer aber ist die Shopping-Tour, auf die sich Sara und Neal begeben, um innerhalb von 36 Stunden die komplette Summe loszuwerden und so den Hacker hoffentlich aus seinem Versteck zu locken. Wird Neal aber Sara von dem anderen Versteck und seinen Plänen erzählen? Während ihrer Unterhaltung nach der Shopping-Tour kommt es beinahe dazu, aber Neal lässt es bleiben. Er möchte Sara nicht in eine unmögliche Lage bringen, denn sie sagt ihm selbst, dass sie nie eine Grenze überschreiten will, wenn sie danach nicht zurück kann. Eine gemeinsame Flucht scheint also nicht möglich…

Wie sieht es bei Mozzie aus? Er war ja die ganze Zeit über Antreiber der Fluchtstory. Wie wäre es, wenn auch er einen Grund bekäme zu bleiben? Im Vergleich zu Dentist of Detroit ist Taking Account keine wirkliche Mozzie-Episode, aber er bekommt eine Menge zu tun. Und damit ist nicht nur sein Auftritt in der Bank gemeint (beim Hinausgehen nimmt er Hände voll Bonbons mit!) oder seine eifrige Antwort auf Saras Frage, was er auf dem Laptop schaut: Porn! Mozzie spielt die Schlüsselrolle. Er stellt die Verbindung zu dem Hacker Volture her, der für den Angriff verantwortlich sein soll. Hinter „Volture“ allerdings verbirgt sich eine Frau namens Sally.

In letzter Zeit übernehmen in TV-Serien mehr und mehr Frauen solche Hacker-Rollen. In diesem Fall spielt die Sally eine, die TV-Zuschauer sehr gut kennen, nämlich Lena Headey (Game of Thrones, Terminator: The Sarah Connor Chronicles). Beim ersten Treffen referiert sie auf Mozzie als „the handsome one“… Es scheint, als hätte sie ihr Partner, für den sie den Übergriff ausführte, aufs Kreuz legen wollen; er versucht sie sogar zu erschießen. Das bringt Mozzie in noch größere Besorgnis um sie – und letztendlich auch in ihr Bett. Nicht nur Neal soll „topless“-Szenen bekommen: Hier ist Mozzie an der Reihe! Das Telefonat zwischen ihm (im Bett mit Sally) und dem ganzen FBI-Team inclusive Neal per Lautsprecher ist awesome!

Sally und Mozzie als Team können Peter & Co. die nötige Hilfe anbieten, damit der eigentliche Verbrecher gefasst wird.  Ende gut, alles gut?  Aber bedeutet nun „voll“ auch „erfüllt“? Nicht wirklich, denn Saras Neugier treibt sie dazu, Neals Passwort zu knacken… und vor ihren Augen enthüllt sich das Leben, über das Neal vorher indirekt sprach. Der Account, zu dem ihr das Passwort Zugang verschafft, ist im Vergleich zu ihrem eigenen am Anfang der Episode wirklich so richtig „voll“. Wie wird Sara mit diesem Geheimnis umgehen? Definitiv wird sie sich nicht so abwimmeln lassen wie bei der Sache mit dem Pass.

Währenddessen versucht Neal am Ende der Episode -vorsichtig und zum ersten Mal -, Mozzie die Idee zu unterbreiten, das Ganze sein zu lassen und dazubleiben, denn jetzt hätte ja auch er eine Freundin in Sally. Mozzie lehnt rigoros ab. Wird ein Leben als Milliardär auf der Flucht ein leeres sein oder ein volles?

White Collar: Scott Free (3×06)

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Scott Free ist eine weitere Episode, die den Fall der Woche dazu benutzt, um das Spiel zwischen Neal (Matthew Bomer) und Peter (Tim DeKay) in die nächste Runde zu befördern. Und diese heisst: Vergangenheit. Der Auftritt vom angehenden Trickbetrüger-Superstar Scott Rivers (Hutch Dano) sollte dafür sorgen, dass Neal mit einem Spiegelbild konfrontiert wird und an die Freiheiten und gleichzeitig Fehler seiner Jugend erinnert wird.

Aber irgendwie beleibt der Auftritt unpersönlich. Alles wirkt zu sehr bemüht und durchsichtig, so wie Neals Trick mit dem Entwenden der Armbanduhr, als er und Peter eine Partyeinladung zu erzwingen versuchen. Es ist immer interessant und amüsant zuzusehen, wenn Neals Position des klugsten Menschen im Raum erschüttert wird. Das ist was man mit Scotts bzw. Robin Hoodys (wie Neal unfreiwillig ihn betitelt) Erscheinen bezweckt. Aber diesmal funktioniert es nicht. Dafür bekommt Sara, abgesehen von den romantischen Szenen mit Neal, mehr zu tun. Sie scheut nicht davor die Grenzen zu übertreten. Immerhin betrügen Neal, Scott, Mozzie und Sara einen Betrüger, der Scott nach dem Leben trachtet. Ich habe mich gefreut Twin Peaks’ Dana Ashbrook in der Rolle des Bösewichtes namens Carlisle zu sehen.

Eigentlich ist man von White Collar daran gewöhnt, nicht zu bemerken, wann und wie es passiert, um später umso mehr die Auflösung zu genießen. Den „Cons“ in Scott Free ist viel zu leicht zu folgen. Auch das alte-neue-Betrügerschule-Spielchen fällt zu kurz und überzeugt nicht, genauso wenig wie Scotts Machenschaften. Andererseits – und so kommen wir zu den positiven Aspekten der Episode – referiert die Erinnerung an Neals Jugend und den Start seiner „Karriere“ auf die Identitätskrise, in der er sich im Moment befindet. Der Nebenplot, der eigentlich zum staffelübergreifenden Hauptplot gehört, um Mozzies und Neals Fluchtvorbereitungen passt perfekt zu der Frage danach, wer Neal wirklich ist und wer er sein will.

Victor Moreau vielleicht? Das ist die neue Identität, die er für die bevorstehende Flucht bekommt. Er schlüpft sozusagen in ein leeres Leben, denn diese Identität ist keine Fälschung. Sie wurde – wenn ich die Erklärung richtig verstanden habe – gezüchtet, von Geburt an. Aber Victor war bis zu diesem Moment ein Geist. Will Neal als Victor den Geistern der Vergangenheit entkommen oder einfach den halsbrecherischen Schritt machen, vor dem er Scott warnt? Will er den freien Fall seiner Jugend fortsetzen, bis zum harten Aufprall?

Wie hart wird aber dieser sein? Am Ende sehen wir, wie Sara den Pass mit Victors Identität findet. Was wird sie tun? Und ist es tatsächlich Neals Nachlässigkeit gewesen oder ermöglicht er mit Absicht Sara den Pass zu finden. Will Neal vielleicht vor seinem freien Fall gerettet werden?

White Collar: Veiled Threat (3×05)

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Zwischen Eis und Feuer. Zwischen Basic Instinct und Twin Peaks. Veiled Threat ist ein Wechselbad der Gefühle, aber mit dem typischen White Collar-Augenzwinkern. Die Fans der USA-Serie ließen sich immer schon zu Begeisterungsstürmen hinreißen, wenn Tim DeKay aka Peter Burke undercover agieren durfte. Ich möchte die kühne Behauptung wagen, dass Veiled Threat den bisher besten Undercover-Auftritt von Agent Burke bietet.

Die Episode schickt die komplette männliche Besetzung undercover, wobei Mozzie – nach seiner ganz eigenen Story letzte Woche – die kleinste Rolle übernimmt. Apropos Rollen: Die tauschen Neal und Peter während des Auftrags. So ist nicht Neal (Matthew Bomer) der, den Frauen wollen, sondern Peter. Das Ziel der Übung: Black Widow Selena (Mädchen Amick, Twin Peaks) in eine Falle zu manövrieren. Und Peter ist der Köder.

Da wir dieses Mal wissen, wer der „Bösewicht“ ist, handelt es sich bei Veiled Threat um meine bei White Collar bevorzugte dramaturgische Variante, bei der sich alles um die Art und Weise dreht, wie ein Täter oder eine Täterin überführt wird. Mädchen Amick erlangte Berühmtheit als Kellnerin Sheryl in David Lynchs Twin Peaks, wo sie in etlichen Männerherzen Feuer entfachte. Zuletzt verdrehte sie Mac Taylor (Gary Sinise, CSI: NY) auf dem TV-Bildschirm den Kopf. In White Collar schlüpft sie in die Haut der eiskalten Selena, die offenbar (und etwas zu aufdringlich) den Eispickel direkt von Sharon Stone übernommen hat. Aber vielleicht kann ein feuriger Tango Selenas eisige Pläne zum Schmelzen bringen? Jedenfalls muss man Tim DeKay ein ehrliches Kompliment für die leider zu kurze Tanzszene aussprechen!

Bevor es jedoch zu der Szene kommt, muss Peter Selena auf sich aufmerksam machen, und zwar während einer Auktion, bei der Frauen reiche Single-Männer für ein Date ersteigern können. Elizabeth übernimmt die kleine Date-Schulung ihres Mannes, während Neal von Sara erklärt bekommt, was Frauen nicht wollen. Er setzt die Ratschläge nur zu gut um und wird dank Dianas Einsatz für gerade mal tausend Dollar von ihr ersteigert. Zum Vergleich: Jones, der dritte männliche Single im Bunde, ist einer der Damen elftausend Dollar wert! Nur Peters Preis liegt höher.

Und schon das erste Date mit Selena taucht ihn in das erwähnte Wechselbad der Gefühle. Selena im blutroten Kleid ist Hitze pur, bei der man sich leicht verbrennen kann; etwas später hingegen sorgt das Messer in ihrer Hand für kalte Schweißperlen auf Peters Stirn. Kalte Füße wiederum bekommt Elizabeth: nicht nur aus Eifersucht, sondern aus Angst um Peters Leben. Zu Recht. Eine gute Performance von Tiffany Thiessen in dieser Episode!

Und: Ebenfalls eine gute Performance von den White Collar-Setdesignern. Alle Locations sind perfekt gestaltet; geschickt platziert man überall kleine rote Flecken, die mit dem Handlungsstrang korrespondieren – seien es Tischlampen, Blumen oder Kleidungsstücke. Außerdem ist die Dekoration in Neals Wohnung mehr als gut gelungen. Was die Kleidungsstücke und Sara betrifft, kann man allerdings nicht umhin, an Dianas Bezeichnung für Neals Freundin zu denken: Insurance Investigator Barbie… Die Art, sie zu kleiden und in Szene zu setzen – hier ganz in Orange und dann in Grün -, unterstützt diese Aussage! Dafür liefert man innerhalb der Szenen mehr farbliche Abwechslung. Mehr zu tun bekommt Sara in der neuen Staffel bisher nicht.

Zwei Doppeldates bilden im Grunde die Kernpunkte der Episode: Beim ersten bringt Neal für sich und Diana Abendessen in den Van (sie hat ihn immerhin ersteigert), während Peter mit Selena isst. Beim zweiten platzt Peter mit Selena in Neals Überraschungsdate mit Sara hinein. Erfolgreich bringt das Pärchen Peter-Neal die Dates zu einem gelungenen Ende, nämlich zu einem Heiratsantrag. Selena schluckt den Köder – und das dritte Date endet für sie und ihren Mitverschwörer in Handschellen.

Den zwei Undercover-Dates von Peter folgt am Ende der Episode ein drittes Date, inszeniert von ihm und seinen Freunden und Kollegen. Diesmal aber mit der richtigen Frau: Elizabeth! Auch wenn die Szene mit seinem zweiten Heiratsantrag leicht kitschig wirkt, bildet sie einen gelungenen Abschluss dieser sehr unterhaltsamen Episode.

White Collar: Dentist of Detroit (3×04)

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Es gab einmal einen Zahnarzt in Detroit, der jedem den Finanzzahn ziehen konnte – und es auch tat. Viele Jahre später, als er (einigermaßen) glücklich in einer anderen Stadt verweilte, tauchte seine Vergangenheit auf, um ihn kräftig ins Hinterteil zu beißen… So ungefähr lautet das Märchen, das uns Dentist of Detroit erzählt. Es handelt von einem Jungen mit überdimensionaler Brille, einem Teddy namens Mozart und von dem Talent, jeden Trickbetrug über die Bühne bringen zu können.

Die neue White Collar-Episode ist tatsächlich eine Bühne für die Nebenfigur, über deren Vergangenheit man schon immer alles erfahren wollte. Also: Vorhang auf für Mozart! Ich meine – Mozzie (Willie Garson). In New York taucht Frank Deluca Jr. auf (Al Sapienza, Sopranos), der Mafiaboss aus Detroit, der nach einem bestimmten Mann sucht. Nach dem Mann, der vor Jahren seinen mittlerweile toten Vater um 500.000 Dollar erleichterte: The Dentist of Detroit. Der jedoch gleicht einem Schatten an der Wand; er ist ein Mann ohne Gesicht, den keiner kennt und der die schlimmsten Verbrechen in Detroit begangen zu haben scheint. Kein Wunder, dass auch Peter und das FBI an ihm interessiert sind.

Zur Verwunderung aller Beteiligten, sogar Neals (Matthew Bomer), steckt hinter diesem Furcht erregenden Namen ein Mann ohne Haare. Ja: Mozzie gibt zu, der Dentist of Detroit zu sein! Flashbacks zeigen uns, wie alles begann – nämlich auf der Treppe einer Kirche in Detroit, wo der Sozialarbeiter Mr. Jeffries (Ernie Hudson) ein Baby mit überdimensionaler Brille (bei dem Anblick kann man nicht umhin zu lachen) und einem Teddy mit dem Namensschild „Mozart“ fand. Schon in seinen Kindertagen lernte Mozzie (von Mozart, weil er den Namen nicht aussprechen konnte), physischer Überlegenheit mit geistiger Schlagkraft entgegenzutreten – und das mit großem Erfolg. Mit zwölf Jahren organisierte er illegale Wetten und brachte dann Deluca, der Mozzies Geschäft ruinieren wollte, um eine halbe Million. Dentist of Detroit nannte er sich deswegen, weil der Zahnarzt für den kleinen Jungen das Schrecklichste war, was er sich vorstellen konnte… Deluca, ständig auf der Suche nach dem nach New York geflohenen Mozzie, verbreitete dann den Mythos des Dentist of Detroit und seiner schrecklichen Verbrechen.

Natürlich bietet die ganze Story nichts Neues oder Überraschendes unter dem blauen White Collar-Himmel, aber die Rückblenden sind amüsant – vor allem gekoppelt an die Geschehnisse der Gegenwart, in welcher Mozzie unter FBI-Schutz steht. Das bedeutet: Er darf Dianas und Jones’ Nerven überstrapazieren. Ich würde übrigens liebend gern eine Mozzie-Jones-Episode sehen!

Liebend gern wiederum zeigt White Collar nicht nur den blauen Himmel und den sich in den vielen Glasoberflächen spiegelnden Sonnenschein, sondern auch „Farbflecken“ im Bild. In dieser Episode sehen wir eine von Gelb und eine von Rot dominierte Szene. In der ersten trifft Neal als Anbieter illegaler Wetten auf einen der Köpfe der irischen Mafia – gelbes Absperrband, gelbe Poller. In der zweiten, die den Höhepunkt der Episode markiert, tritt Mozzie (im roten Trainingsanzug) Deluca gegenüber, in der Nähe einer Brücke, deren Geländer ebenfalls rot ist. Diese Inszenierungen weisen nicht unbedingt auf einen tieferen Sinn oder Ähnliches hin, sondern demonstrieren die Vorliebe der White Collar-Produzenten, ihre Bilder wie Gemälde zu arrangieren – oder wie einen Obstkorb.

Aber auch in einem Obstkorb ist nichts alles das, was es zu sein scheint, wenn man sich etwa Mozzies „Auktion“ anschaut. Auch der Frieden zwischen Neal und Peter ist eigentlich keiner: Unter der Oberfläche brodelt es. Die beiden müssen undercover als High-Stakes-Wettanbieter durchgehen, was zu einem eleganten Auftritt in schwarzen Anzügen führt – prompt macht Elizabeth ein Foto von den beiden. Sie müssen Deluca, der Mr. Jeffries zu töten droht, und die irische Mafia gegeneinander ausspielen. Die vielleicht beste Szene der Episode bildet der improvisierte Streit zwischen den beiden –in dessen Verlauf sie einander eigentlich alles sagen, was ihnen auf dem Herzen liegt. Ein paar Sticheleien sind auch dabei, wie Neals Erwähnung von Peters „hot wife“. Peters Reaktion: awesome.

Neal und Peter tanzen weiterhin einen Tanz miteinander und geben dabei vor, es nicht zu tun. Die Frage ist: Wer wird als erster den falschen Schritt machen und dem anderen auf die Füße treten?

White Collar: Deadline (3×03)

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Während in den ersten zwei Episoden der neuen Staffel Neal (Matthew Bomer) und Peter (Tim DeKay) im Vordergrund standen, ist nun die Zeit gekommen, den Frauen die Bühne zu überlassen. Zwar nicht komplett, aber Deadline ist eine Diana-Episode. White Collar-Fans äußerten schon öfters den Wunsch, mehr von den Nebendarstellern der USA-Serie zu sehen. Nun, die Produzenten beförderten Hilarie Burton als Neals Geliebte Sara zum Hauptcast – aber eigentlich zielten die Wünsche der Fans auf Jones und Diana ab.

In Deadline muss Diana undercover gehen, um das Leben der berühmten Journalistin Helen Anderson (Jayne Atkinson, 24) zu beschützen. Diana als Sekretärin einer Chefin, die weder ein Blatt vor den Mund nimmt noch Rücksicht auf den Einzelnen zum Wohle aller…? Das kann lustig werden. Die White Collar-Autoren verpassen nicht die Möglichkeit, davon Gebrauch zu machen, dass Marsha Thomason (Diana) aus Manchester kommt. Denn Helen (Atkinson ist auch Engländerin) hat eine Schwäche für die Insel, und so macht sich Dianas (und Marshas) Akzent richtig nützlich.

Vor allem aber benutzt White Collar den Fall der Woche, um den Akzent aufs Private zu setzen. Wir treffen auf Dianas Lebensgefährtin Christie (gespielt von dem israelischen Model Moran Atias) und dürfen sogar die Wohnung der beiden betreten. White Collar bedient mit dieser Episode im Grunde etliche Register: Nicht nur bekommt man Matthew Bomers nackten Oberkörper zu Gesicht, sondern auch so manchen liebevollen Austausch zwischen Christie und Diana. Dank Neal kommt es schließlich sogar zu einem Pärchen-Abendessen: Neal will unbedingt an das U-Boot-Manifest herankommen, das Diana in Peters Auftrag übersetzen und Melissa mit auf den Weg zu ihren Vorgesetzen geben soll. Für Mozzie (Willie Garson) und Neal wäre das eine Katastrophe.

Und Diana muss selbst eine solche verhindern. Helen riskiert Kopf und Kragen, um einen Pharma-Skandal zu beweisen, aber das Blatt wendet sich: dank Dianas Organisations- und Multitasking-Talent – Damn right, I’m overqualified -, der Unterstützung von Peters Team  und Neals Kenntnis davon, wie man ein Blatt Qualitätspapier in zwei spaltet kann. Helen kann gerettet werden, und die Machenschaften des Pharmakonzerns kommen ans Tageslicht. Man muss einräumen, dass der Deadline-Running-Gag mit Helen (als Referenz auf den Episodentitel) etwas überstrapaziert wird. Dafür funktioniert nach wie vor der Running Gag „Mozzie erwischt Sara und Neal in flagranti“.

Mir gefällt, wie White Collar mit der dritten Staffel zwar leichtfüßig, aber mit Hintergedanken erzählt. Das Ganze dieser Erzählung wird so ebenfalls zu einem Blatt Papier, das man in zwei Hälften spalten kann – wobei die untere Schicht die eigentlich treibende Kraft ist. Denn Deadline ist nicht nur Dianas Episode; durch das Mitteilen privater Details – für uns Zuschauer und für die anderen Figuren – verfolgt man ein anderes Ziel, das am Ende auch erreicht wird. Die Autoren bringen im Austausch zwischen Diana und Neal ein paar Ghost-Referenzen, nur um zum Eigentlichen zu kommen, nämlich Peters Anmerkung Richtung Neal: You are officially part of the family.

In diesem Moment konzentriert sich die Kamera auf Neals Gesicht. Er ist gleichzeitig gerührt und beschämt. Will und kann er seine Freunde, denen er mit jedem Tag näher steht, hintergehen? Und im nächsten Moment – als er von Mozzie via Handy erfährt, dass das Manifest buchstäblich weggeflogen ist, während Peter aus der Entfernung mit einem herausfordernden Lächeln im Mundwinkel die Augenbraue hochzieht – erscheint ein anderer Ausdruck auf Neals Gesicht. Einer, der sagt: Trotz dieser Niederlage kann ich das Spielchen nicht aufgeben.

Peters und Neals Kampf zwischen den Zeilen wird also weiter geführt werden. Und wo steht Sara? Würde sie mit Neal gehen, falls sie die Wahrheit erführe – oder wird er sie zurücklassen? Neal stiehlt Sachen und Sara bringt sie zurück, sagen die beiden beim gemeinsamen Abendessen mit Diana und Christie. Aber manche verschwundene Sachen können vielleicht nicht wiedergefunden werden. Vielleicht ist das Neals größtes Problem nach dem Trauma durch Kates Tod?

White Collar: Where There’s a Will (3×02)

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Honey, do you wanna go grab some mirrors and go play with Neal? fragt Elizabeth (Tiffani Thiesen) Peter (Tim DeKay). Die Antwort ist „Yes“ – und sie bezieht sich zwar auf den Fall der Woche, betrifft jedoch noch mehr die Gesamtsituation in White Collar. Neal (Matthew Bomer) und Peter sind, wie wir schon letzte Woche besprachen, zurückgekehrt zu ihrem Katz-und-Maus-Spiel aus der ersten Staffel. Denn Neal muss sich entscheiden, ob er das Leben, das er derzeit führt, wirklich hinter sich lassen will.

White Collar wiederum hat zurückgefunden zu seiner Bestform. On Guard funktionierte als gelungene Eröffnung der neuen Staffel, aber Where There’s a Will ist in meinen Augen noch besser. In jedem Fall hat sich das Unterhaltungsniveau um eine Stufe nach oben verlagert! Und der Vorspann gefällt mir besser. Die Schauspielergesichter als lebende eingerahmte Bilder und dadurch den Vorspann als eine Art Kunstgalerie zu gestalten, ist ein simpler und höchst effektvoller Einfall. Letztendlich dreht sich ja White Collar um Kunst – bzw. um das kunstvolle Entwenden derselben.

Was aber macht man mit dem schon Entwendeten? Mozzie zeigt Neal, dass er vom Laptop aus 24 Stunden pro Tag den Nazi-Schatz überwachen kann, denn er hat eine Kamera installiert. Außerdem bereitet er den Verkauf einiger Gemälde vor. Aber will Neal wirklich in diese Richtung gehen? Mehrere Aufnahmen von seinem Gesicht oder dessen Spiegelungen deuten auf ein Zögern hin. In welche Richtung? Um Richtungen und Spiegelungen dreht sich auch die neue Episode – und um eine Schatzsuche. Wer könnte schließlich zu einer solchen Suche Nein sagen? Weder Neal noch Peter. Peter versucht zwar, sich zu beherrschen, aber das abenteuerlustige Kind in ihm nimmt Überhand. Sein amüsantes, beinahe kindliches Benehmen in dieser Episode korrespondiert sehr gut nicht nur mit dem Traum eines jeden Kindes, einen Schatz zu finden, sondern auch mit dem ernsthafteren Fall der Woche.

Eigentlich müssen Peter und vor allem Neal herausfinden, ob der letzte Wille des verstorbenen Multimillionärs Nathaniel Rowland echt und rechtskräftig ist – um damit den Erbstreit zweier Brüder zu schlichten (Josh und James Rowland, gespielt von den Zwillingen Chris und Danny Masterson). Der letzte Wille erweist sich als Fälschung, aber Peter und Neal lassen sich nicht vom Schein blenden und finden heraus, dass die Fälschung eigentlich als solche vorgetäuscht wurde: Das falsche Testament ist nur die erste Spur, die zu weiteren Spuren führt… und die wiederum versprechen, wenn man ihnen richtig folgt, zu einem Schatz zu führen, zu Rowlands wahrem, millionenschweren Nachlass.

Everything points to something, sagt Neal; Mozzie beschuldigt ihn, die Worte aus seinem Kopf entwendet zu haben. Der exzentrische Millionär kreiert ein letztes Spiel, in dem es darauf ankommt, das, was vor einem liegt, aus dem richtigen Blickwinkel zu betrachten. Um in diese Position des Beobachters bzw. Lesers zu gelangen, müssen sich Neal und Mozzie ins Planetarium begeben, um dort in einem alten Buch die Antwort zu finden, nach der sie suchen.

Eine faszinierende Erzählung um Rowlands Nachlass ensteht dadurch, dass die Arbeiten des berühmten dänischen Astronomen Tycho Brahe, das Sternbild der Zwillinge sowie ein Manuskript, das zu Staub zerfiel, in den Plot hineingewoben werden. Nicht weniger faszinierend freilich erscheint Mozzies (Willie Garson) Auftritt im Planetarium: als Blinder, mit Burkes Satchmo als Blindenhund. I like the idea of stars! Obwohl Peter sich zunächst weigert, das Ganze weiterzuverfolgen, kann er die Füße nicht still halten – und Elizabeth erteilt ihm die Erlaubnis: „go and play with Neal“. Dann machen sich alle, bewaffnet mit Spiegel und Sextant, zu einer Sonnenuhr auf, um die nächste von Rowland hinterlassene Spur zu finden. Das Ganze entwickelt sich zu einer Kindesentführung, denn der ehemalige Sicherheitsexperte der Familie (William Sadler) entführt Savannah, Tochter des einen Rowland-Bruders. Ausgerechnet sie aber entpuppt sich als Schlüssel zur Auflösung – genau gesagt: ihr Fußkettchen.

Geschickt verbinden die Autoren auch hier das Thema der Woche mit dem übergreifenden Handlungsstrang. Nicht nur amüsiert uns schon am Anfang der Episode der Austausch zwischen Peter und der kleinen Savannah, sondern sie sprechen auch über ebendiese Kette an ihrem Fuß – und diejenige an Neals, für die Peter den Schlüssel besitzt. Nun: Wie man erfährt, hat Peter nicht vor, sie aufzuschließen! Er zieht zu seiner Nazi-Schatz-Suche eine neue Agentin hinzu, Melissa Matthews (Anna Chlumsky), die am Ende der Episode einen angetrunkenen Neal aushorcht – nur um mit Entsetzen festzustellen, dass eine Gemälde-Liste existiert, die sich in Peters Händen befindet. So kann der von Mozzie geplante Verkauf eines Kunstobjekts die beiden auffliegen lassen.

Es sieht danach aus, als würden sich Mozzie und vor allem Neal in eine Sackgasse manövrieren. Die Frage ist, welcher Sextant ihnen die Richtung zeigen wird – und wie sie sie erkennen sollen, wenn der gespiegelte Sonnenschein ihres Schatzes sie die ganze Zeit über blendet?