Fringe: The Recordist (5×03)

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Nachdem ich vor langer Zeit den David Lynch-Film Lost Highway sah, setzte sich ein Satz in meinem Gedächtnis fest, der ungefähr so lautete: Ich mag mich an die Ereignisse erinnern, wie ich mich erinnere und nicht wie sie tatsächlich geschehen sind. Der Protagonist macht diese Aussage gegenüber einem Polizisten als Antwort auf die Frage, ob er eine Videokamera besitze. Erinnerungen werden nicht so sehr von dem erinnerten Ereignis geprägt, sondern von der Art, wie man sich daran erinnert und diese Erinnerung zum Ausdruck bringt.

Wie hat man das eigene Handeln im Gedächtnis festgehalten? Als mutig oder als kaltherzig? Das sind die Fragen, um die sich die dritte Episode dreht, sowohl was die Haupthandlung betrifft, als auch den Fall der Woche. Eine von Walters Aufnahmen schickt das Team in die Wildnis von Pennsylvania, wo vor vielen Jahren Walter etwas Wichtiges gesucht haben soll, um seinen Plan gegen die Observer voran zu bringen. Aber was das Team als Erstes dort findet, sind andere Menschen, die weder zu den Loyalsten noch zu dem Widerstand gehören.

Sie sind Archivare. Sie dokumentieren die Ereignisse aus ihrer Perspektive, der der Verlierer. Im Grunde haben sie den Status  von Beobachtern, nachdem die Welt von den Observern überrannt wurde. Edwin Massey ist der Haupt-Archivar und er genauso wie die anderen leiden unter einer unbekannten ansteckenden Krankheit, die ihre Haut wie die von Schlangen oder Eidechsen aussehen lässt. Walter kann schnell feststellen, dass der Grund für die Erkrankung die Strahlung ist, die aus der alten Goldmine in den Wäldern kommt. Ausgerechnet dort befinden sich bestimmte Art Steine, die Walter vor zwanzig Jahren, bei seinem letzten Besuch mitnehmen wollte.

Wir erfahren, dass er mit einem Mann namens Donald verabredet war, aber mehr Informationen über ihn bekommen wir nicht. Die Geschichte von Edwin und seinem Sohn River ist vielleicht etwas melodramatischer, als von Finge gewöhnt und die Spannungskurve der Episode funktioniert nicht ganz (Observer entdecken den Standort, der Widerstand warnt das Team und Edwin opfert sich in letzter Sekunde), aber die Szenen zwischen Olivia und Peter mit ihrem Bezug auf das Thema der Episode machen die kleinen Schwächen wieder wett. Es geht, wie schon gesagt, darum, wie man Geschichte erinnert.

Während Edwin alles nur sammelt und ordnet, also möglichst objektiv speichert, katalogisiert, hält sein Sohn die Geschichte in seinen Comic-Zeichnungen fest und gibt ihr damit mehr Dynamik, Emotion und dramatische Nuancen. Auch Olivia erinnert die nahe Vergangenheit anders als Peter. Die Zeit, nach Ettas Verschwinden hat Peter mit Bewunderung im Gedächtnis behalten, weil Olivia die Kraft hatte den Widerstand zu unterstützen und für die Welt zu kämpfen. Aber Olivia, wie wir hören, hat es als Schwäche in Erinnerung. Ettas Verschwinden sah sie als eine Art Strafe für ihre Entscheidung Mutter zu werden, ein “normales” Leben führen zu wollen. Wo Peter eine mutige Frau sieht, die trotz Trauer weiter kämpft, sieht Olivia sich selbst als voller Entsetzen, Kälte und Unentschlossenheit.

Welches Empfinden ist das richtige? Gibt es überhaupt ein “richtiges” Erinnern? Diese Fragen gelten nicht nur der Vergangenheit dieser Fringe-Welt, sondern aller Welten, die wir bisher sahen.

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One response »

  1. Großartige Definition von Feigheit in dieser Episode!
    “You’re not a coward if you’re frightened. That’s not what it means. You’re a coward if you know what needs to be done and you don’t do it.”
    Plus: “There’s a time for recording history, and there’s a time for making it.”

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