Homeland: Q&A (2×05)

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Wenn man ein Beispiel dafür braucht, warum Claire Danes und Damian Lewis die Emmy-Auszeichnung bekommen haben, dann kann man sofort auf Q&A hinweisen. Natürlich bezieht sich der Titel auf das Verhör von Brody durch Quinn und anschließend Carrie, aber letztendlich weiß man den Titel erst dann zu schätzen, wenn man alles gesehen hat. Denn Frage und Antwort heißt meistens eine Art Dialog führen, miteinander reden. Nur das ist nicht was Carrie und Brody hier ein Großteil der Zeit machen – jedenfalls nicht verbal. Die Inszenierung von Brodys Zusammenbruch kann man einfach als großartig bezeichnen.

Nachdem er von der CIA mehr oder weniger entführt wird, weil Carrie glaubt, dass er hinter ihrer Undercover-Rolle gekommen ist, findet sich Brody in einem Keller wieder vor. Aber das ist kein neuer Zustand für ihn. Nach dem Trauma seiner Gefangenschaft kann ihn kaum etwas mehr erschüttern. Aus diesem Grund beginnt die Auseinandersetzung aka das Verhör auf dem gleichen Level, wenn nicht sogar mit einem Brody, der sich im Vorteil glaubt, der glaubt, sich mit Lügen wieder herauswinden zu können. So treibt er auch Quinn in den Wahnsinn, aber Quinns Ausraster und sein Angriff mit dem Messer sind nur inszenierte Vorstufe zu dem tatsächlichen Spiel und dieses findet zwischen Carrie und Brody statt, oder besser gesagt – zwischen uns und Brody statt.

Dank der Kameraposition und der sich daraus ergebenden Inszenierung befinden wir uns in Carries Haut, wir sitzen Brody gegenüber an diesem Tisch und reden auf ihn ein. Das funktioniert nur deshalb, weil wir Carrie durch all die Tiefen und jetzt Höhen erlebt haben. Und hier geschieht es – Carrie hält im Grunde ein Monolog. Sie redet auf Brody ein und seine Antworten bestehen nur aus physischen Reaktionen. Man kann sagen, dass Carrie dasselbe mit Brody macht, was Quinn vorhin tat. Nur das Messer ist jetzt ein emotionales. Sie bohrt immer tiefer und tiefer Richtung Brodys Herzen und Brody wird immer kleiner im Bild.

Er kann die grade Haltung nicht mehr bewahren und rutsch buchstäblich im Bild herunter. Auch sein Gesicht ist verzerrt, voller Schmerz. Damian Lewis’ Performance ist mehr als großartig, da er uns nur mit seiner Körperhaltung und seinem Gesichtsausdruck erfahren lässt, was er gerade denkt und wie er sich fühlt. Was Carrie macht, ist genau die Augenblicke anzusprechen, die sich auch bei Brody im Gedächtnis festgesetzt haben aufgrund der starken Emotion, mit der sie verbunden sind. Es sind die Momente mit Isa und die mit Carrie selbst. Sie vermischt beides und die emotionale Bombe, die entsteht, jagt die Mauer aus Lügen in die Luft.

Was Homeland mit dieser Episode erreicht, ist nicht nur Brody und Carrie wieder einander näher zu bringen, sondern auch die Machtpositionen zu vertauschen. Er erklärt sich bereit für die CIA zu arbeiten, um Abu Nazirs Angriff auf Amerika zu verhindern, aber seine Position ist keine machtvolle. Brody ist als Doppelagent ein Werkzeug in den Händen aller Beteiligten. Die Frage ist: Wie lange kann es gut gehen? Wie lange dauert es, bis Brody entscheidet, was er wirklich will? Wenn man an einer solchen großartigen Episode Kritik üben will, dann höchstens wegen der Nebenhandlungen um Mikes Nachforschungen und den Ausflug, bei dem Dana und Finn Fahrerflucht begehen. Das alles erscheint hier auf der Folie der Carrie-Brody-Szenen wirklich nebensächlich, aber die Autoren wissen, was sie tun – darin kann man fest überzeugt sein.

Zu Q&A passt perfekt das Ende als die Credits laufen und falls ich mich nicht täusche das Jazz-Thema aus dem Vorspann etwas abgewandt gespielt wird. Die Klaviertöne ergießen sich, wie die Tränen in Brodys Augen –  ein melancholisch-trauriges Besingen der Dekonstruktion des Anderen.

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One response »

  1. Vielen Dank für den Review!!
    Diese lange Szene zwischen Brody und Carrie war auf jeden Fall eine der besten, die wir in der letzten Zeit im TV gesehen haben. Sie war so schnörkellos, ohne Musik, ohne Special-Effects; nur zwei großartige Schauspieler, ein Tisch und zwei Kameras. Großartig!
    Außerdem ist Homeland, so wie es die letzten 17 Episoden war, endgültig zu Ende gekommen, wie die Szene, in der Saul und Quinn, die Pinnwand leeren und neu arrangieren, sehr schön demonstriert. Und jetzt stellt sich endgültig die Frage, wie das neue Homeland sein wird.

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